kirche in Steinbühl, aussenansicht

Schmuckstücke im Bistum: Die Hufeisentür in Steinbühl

Spuren des Pfingstrittes


Steinbühl/Regensburg, 11. Mai 2026

Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserem aktuellen Beitrag führt uns der Kunsthistoriker zu einer besonders beschlagenen Tür in Steinbühl, die unmittelbar an den traditionsreichen Kötztinger Pfingstritt erinnert.

Jährlich am Pfingstmontag zieht der Pfingstritt von Bad Kötzting ins sieben Kilometer entfernte Steinbühl. Die dortige Nikolauskirche ist das Ziel des Rittes und untrennbar mit dem Brauch verbunden. Alte Linden und eine zum Teil noch mittelalterliche Friedhofsmauer umgeben den geduckten Bau mit dem massigen Turm, der im obersten Geschoss ins Achteck übergeht und mit einem eigentümlichen, birnförmigen Kuppelhelm gedeckt ist.

Der Pfingstritt ist eine der größten berittenen Bittprozessionen Europas und nimmt im Brauchtum Ostbayerns eine herausragende Stellung ein. Seine Anfänge liegen im Dunkeln, gemäß der Überlieferung geht er auf das Jahr 1412 zurück. Für Kötzting hat er eine große Bedeutung; an mehreren Stellen in der Stadt hat er in der einen oder anderen Weise Niederschlag gefunden. Und auch die Steinbühler Kirche ist reich an Erinnerungen an den Pfingstritt. Am augenfälligsten ist wohl das Deckenbild von 1956 an der Decke des Langhauses. 

Eine besondere Erinnerung an den Pfingstritt findet sich seit der jüngst abgeschlossenen Neugestaltung in den südlichen Eingang eingelassen, eine Tür, die aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammen könnte: Sie weist noch ihr altes eisernes Beschläg auf in Form von Bändern, die in Lilien enden. Sie könnte also noch auf die Erstausstattung der Kirche zurückgehen, die 1352 geweiht wurde; auch die Tür, die vom Chorraum mit seinem gotischen Gewölbe in den Turm führt, ist mit gleichem Beschläg versehen.

Zusätzlich zu den eisernen Türbändern ist das Türblatt mit vielen Hufeisen beschlagen, die einen unmittelbaren und sinnfälligen Bezug zum Pfingstritt herstellen, ein besonders eindrückliches Zeugnis des Pfingstrittes und seit Jahrhunderten andauernder Frömmigkeit.

Weitere interessante Informationen finden sich auch im „Kleinen Kunstführer“, der vom Regensburger Verlag Schnell und Steiner in Zusammenarbeit mit u. a. Daniel Rimsl aufgelegt wurde.

Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz
Fotos: © Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, Gerhard Hagen, Bamberg
(jas)

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