Porträt von Regionaldekan Alfred Wölfl

Regionaldekan Alfred Wölfl über Verwaltungskoordinatoren, Verwaltungsleiter und den Auftrag des Priesters

Damit Verwaltung nicht Seelsorge verdrängt


Landshut, 15. April 2026

Die pastoralen Räume werden größer, die Verwaltungsaufgaben zahlreicher, die Anforderungen komplexer. Im Gespräch mit Stefan Groß beschreibt Regionaldekan Alfred Wölfl, warum Verwaltungskoordinatoren/innen und Verwaltungsleiter/innen heute zu einer unverzichtbaren Entlastung geworden sind, worin sich beide Aufgaben unterscheiden und weshalb der priesterliche Dienst nur dann seine Mitte behält, wenn Zeit und Kraft für die Seelsorge frei bleiben.

Herr Regionaldekan, es gibt inzwischen Unterstützung von außen, etwa durch Verwaltungskoordinatoren und Verwaltungsleiter. Worin besteht der Unterschied, und warum braucht man diese Unterstützung heute?

Wir waren beim Pilotprojekt der Verwaltungskoordinatoren von Anfang an dabei. Man hat uns gebeten, mitzumachen, und wir haben das gerne getan, weil uns dieser Ansatz von Beginn an überzeugt hat. Inzwischen hat sich dieses Modell weiterentwickelt bis hin zum Verwaltungsleiter.

Der Unterschied zwischen Verwaltungskoordinator und Verwaltungsleiter besteht im Wesentlichen darin, dass beim Verwaltungskoordinator der Pfarrer der Kirchenverwaltungsvorstand bleibt. Der Verwaltungskoordinator erarbeitet zusammen mit dem Pfarrer dann Lösungsvorschläge und weitere Arbeitsschritte als Vorlage für die Kirchenverwaltungsmitglieder und bereitet mit ihm die Kirchenverwaltungssitzungen und Beschlüsse vor. Die in der Kirchenverwaltung besprochenen konkreten Verwaltungsvorgänge bearbeitet dann der Verwaltungskoordinator und erarbeitet im Kontakt mit den zuständigen Stellen des Bistums weitere Prozessschritte und Lösungsmöglichkeiten für die Vorgänge. 

Zusammengefasst lässt sich sagen: Der/die Verwaltungskoordinator/in ist grundsätzlich eine Unterstützung zur Entlastung der Pfarrer und der Ehrenamtlichen, dennoch bleibt hier die Verwaltungstätigkeit beim Pfarrer. Die Zuarbeit durch den Verwaltungskoordinator ist sehr hilfreich und nimmt sowohl dem Pfarrer als auch den ehrenamtlichen Mitgliedern der Kirchenverwaltung Arbeit ab.

In größeren Strukturen, wie sie durch die pastorale Entwicklung entstehen, wird es jedoch immer häufiger notwendig, dass die immer komplexeren und umfangreicheren Verwaltungsaufgaben in stärkerem Maße dem Pfarrer abgenommen werden. Dafür bieten die Verwaltungsleitungen eine wertvolle Entlastung an. So ein Verwaltungsleiter ist ständiger Vertreter des Kirchenverwaltungsvorstands. Jeder Kirchenverwaltungsvorstand (i.d.R. der Pfarrer vor Ort) kann gem. Kirchenstiftungsordnung eine ständige Vertretung, also eine Verwaltungsleitung, beantragen. Die Verwaltungsleitung übernimmt dann die Verwaltungsaufgaben des Kirchenverwaltungsvorstandes vor Ort, arbeitet eng mit dem Pfarrer und der Kirchenverwaltung zusammen. Sie unterstützt so die Seelsorge sowie die Verwaltung vor Ort durch die Entlastung der engagierten Personen. Freilich bleibt unersetzbar, dass der Pfarrer und der Verwaltungsleiter in einem ständigen Austausch stehen.

Natürlich bleibt der Pfarrer immer in die Vorgänge eingebunden, weil er seine grundsätzliche Leitungsverantwortung als Seelsorger wahrnimmt und mit den Menschen vor Ort lebt und arbeitet. Aber gerade in großen Einheiten ist es eine erhebliche Hilfe, wenn Verwaltungs- und Leitungsaufgaben nicht mehr vollständig an ihm hängen und ihm somit zeitlicher Raum für Seelsorgearbeit gegeben wird.

Die Verwaltungskoordination und Verwaltungsleitung zeigen auch die besondere Wertschätzung gegenüber dem Ehrenamt. Denn die ehrenamtlichen Mitglieder der Kirchenverwaltung werden fachlich unterstützt und ernst genommen in ihrer wichtigen Arbeit für die Pfarrei. Die benötigte und erbetene fachlich hochkompetente Unterstützung stärkt das Ehrenamt für seine praktischen und unersetzbaren Dienste für die Kirche am Ort. Ich finde es gut, dass auch das Bistum die ehrenamtliche Arbeit in der Pfarrei auf diese Weise pflegt und wertschätzt.

Was ist dabei besonders wichtig – unabhängig davon, ob es sich um einen Verwaltungskoordinatoren und Verwaltungsleiter handelt?

Entscheidend ist vor allem, dass viele Vorgänge heute deutlich komplexer geworden sind. Das beginnt bei arbeitsrechtlichen Fragen und reicht bis zu Buchführung, Rechnungswesen und organisatorischen Abläufen in einer Pfarreiengemeinschaft. Wenn mehrere Pfarreien zusammengehören, vervielfacht sich dieser Aufwand. Dann geht es um Verträge, Zuständigkeiten, Unterlagen, Buchungen und viele Abstimmungen mit den Stellen des Ordinariats. Genau hier ist eine solche Unterstützung außerordentlich wertvoll.

Wir haben derzeit einen Verwaltungskoordinator, und ich erlebe das als sehr hilfreich. Wenn er kommt, bespreche ich mit ihm die Vorgänge, die sich etwa aus Sitzungen der Kirchenverwaltung ergeben haben. Er kennt die zuständigen Stellen im Ordinariat, nimmt Kontakt auf und bringt oft schon beim nächsten Gespräch konkrete Antworten mit. Als Pfarrer müsste ich sonst viele Telefonate führen, zahlreiche Mails schreiben und immer wieder nachhaken. Diese organisatorischen Prozesse werden durch einen Verwaltungskoordinator oder Verwaltungsleiter wesentlich geordnet und erleichtert.

Was verändert sich dadurch konkret für den Priester?

Der gewonnene Freiraum soll dem eigentlichen Auftrag zugutekommen: dem Dienst an den Menschen. Es geht darum, dass ich meine Zeit nicht vor allem in Verwaltungsabläufe investieren muss, sondern in das, wofür der priesterliche Dienst eigentlich da ist.

Über lange Zeit ist die Verwaltung immer weiter gewachsen. Damit haben sich auch die Anforderungen an den Pfarrer spürbar verschoben. Heute ist der bürokratische Aufwand erheblich größer als früher, auch wegen staatlicher und rechtlicher Vorgaben. Früher war meist jede Pfarrei mit einem eigenen Pfarrer besetzt, und die Verwaltung war in einem überschaubaren Rahmen mitzutragen. Heute betreut ein Pfarrer oft mehrere Pfarreien in oder großen Pfarreiengemeinschaften. Dadurch wächst der Verwaltungsaufwand massiv. Deshalb braucht es in diesem Bereich eine klare Entlastung, um die Seelsorge und die Verkündigung deutlich in das Zentrum unseres kirchlichen Handelns zu rücken und nah bei den Menschen zu sein.

Was sind die eigentlichen Aufgaben eines Priesters?

Die eigentlichen Aufgaben eines Priesters bestehen darin, die Sakramente zu spenden, den Glauben zu verkünden, Gottesdienste zu feiern und Menschen auf die Sakramente vorzubereiten, also etwa auf Beichte, Erstkommunion, Firmung, Taufe oder Ehe. Mit dem seelsorglichen Dienst verbunden sind z. B. auch die Spendung der Krankensalbung, die Feier der Krankenkommunion, die Hilfe für Notleidende, die Gesprächsmöglichkeit für Menschen in Krisensituationen, die Notfallseelsorge und die Vorbereitung der Predigt. 

Hinzu kommt die Aufgabe, das kirchliche Leben zu gestalten, Begabungen in der Pfarrgemeinde zu entdecken und Menschen so zu fördern, dass sie ihre Charismen in Liturgie, Glaubensverkündigung und Nächstenliebe einbringen können.

Der Priester kann nicht alle Dienste selbst übernehmen. Aber er hat die Aufgabe, Menschen zu suchen, zu fördern und zu ermutigen, damit Gemeinde lebt. Genau dafür müssen Zeit und Kraft frei bleiben.


Interview: Stefan Groß

(kw)



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