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Papst Leo betet Vesper in Notre-Dame de Paris
„Nicht bloß ein Denkmal“
Paris / Regensburg, 26. September 2026
Am frühen Freitagabend hat Papst Leo XIV. in der Kathedrale Notre-Dame de Paris die Vesper gebetet. Das mittelalterliche Gotteshaus wird manchmal auch die Mutter des Abendlandes genannt, und Leo XIV. ist der erste Papst, der sie nach der grundlegenden Renovierung des Innenrumes und dem Wiederaufbau ihres in Flammen aufgegangenen Dachstuhls besucht. Die Kathedrale Notre-Dame de Paris sei „nicht bloß ein Denkmal“, bekräftige der Papst vor diesem Hintergrund in seiner Predigt.
„Gleich schon beim Betreten dieses Raumes begegnen wir einer Schönheit, die zu unserem unruhigen Herzen spricht und es zum Frieden ruft. Mit der Rückgabe dieses Ortes an die gesamte Menschheit wurde deutlich, wie jeder Besucher durch das, was er sieht, hört und empfindet, neue Kraft schöpfen kann.“ Die an der Restaurierung von Notre-Dame beteiligten öffentlichen, kirchlichen und privaten Institutionen haben so durch ihren jeweiligen Beitrag daran mitgewirkt, „die kulturellen, existenziellen und spirituellen Dimensionen der Kathedrale neu zu erschließen“, so Leo.
„Liebe Freunde, aus der Menschwerdung – ‚Gott sandte seinen Sohn‘ – ergibt sich die Identität der Kirche, die dazu berufen ist, stets ‚hinauszugehen‘“, sagte der Papst den anwesenden Bischöfen, Priestern, Diakonen und Ordensleuten. „Als Jünger Christi wisst ihr wohl, dass die christliche Gemeinschaft kein abgeschlossener Bereich ist, in den man sich zurückzieht, um sich vor der eigenen Zeit zu schützen. Im Gegenteil, sie möchte nach dem Vorbild der alten Kathedralen ein Ort sein, an dem alle Annahme, Respekt, Offenbarung und Sinn zuteilwird.“ Die „Kraft einer lebendigen Kirche“ liege „im Annehmen der Ränder, die sich bereits in ihrem Herzen befinden, der Fernen, die in Wirklichkeit schon nah sind, der Fremden, in denen Christus bereits an die Tür klopft“.
Gleichzeitig unterstrich Papst Leo, „dass der Zweck, zu dem dieses Gotteshaus – wie alle anderen Kirchen auch – errichtet wurde, das Gebet und der Lobpreis Gottes ist. Es ist der Ort, an dem die christliche Gemeinde die höchste Form des Gebets und des Lobpreises feiert, indem sie in der Eucharistie das Erlösungsopfer Christi erneuert. Die Kathedrale ist keine bewundernswerte Hülle aus Stein. Sie lebt in dem heiligen Geheimnis, das dort gefeiert wird. Ohne die Liturgie würde sie ihre Seele verlieren.“
Das Thema Liturgie spielte in der päpstlichen Ansprache eine wichtige Rolle. Dabei richtete Leo an die Bischöfe und Priester „die Bitte, darauf zu achten, dass die liturgischen Feiern stets in Würde und gebührender Weise begangen werden, auch dort, wo sich kleinere Gemeinschaften versammeln. Seid die bewussten Erben der Kirchenväter und Heiligen, die uns im Laufe der Jahrhunderte die tiefe Bedeutung und die Schönheit der Liturgie überliefert haben und dabei stets große Demut gegenüber dem gefeierten Geheimnis bezeugten.“
„Die eucharistische Freude setzt sich durch und breitet sich dort aus, wo man wieder zur Eintracht findet, wo die Würde wieder hergestellt wird, wo Autorität zum Dienst wird, wo die Freiheit wieder in Gang kommt“, fügte er hinzu. „Das ist das größte Geschenk, das wir miteinander teilen können. Stellt also die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche über eure persönlichen Befindlichkeiten, um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen. Gemeinsam werden wir ein prophetisches Zeichen dafür sein, dass eine versöhnte Welt möglich ist.“
Text: CNA Deutsch
(sig)




