Suche
Kategorien
Seiten
Nachrichten
Bilder
Videos
{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Seite{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Neuigkeit
Personen der Woche: Markus Holzapfel und Dorthea Bernklau, Mentorat Bistum Regensburg
„Religionslehrer müssen selbst Suchende bleiben“
Regensburg, 25. September 2026
Im Rahmen unserer Reihe „Person der Woche” stellen wir jede Woche interessante Persönlichkeiten aus dem Bistum Regensburg und darüber hinaus vor. Heute möchten wir einen Blick auf das Mentorat im Bistum Regensburg werfen. Wie findet man seinen eigenen Glauben, und wie kann man ihn später glaubwürdig an junge Menschen weitergeben? Das Mentorat des Bistums Regensburg begleitet angehende Religionslehrer auf ihrem Weg durch Studium und Ausbildung und bietet Raum für persönliche Fragen, Zweifel und die Auseinandersetzung mit der Kirche. Im Interview mit Markus Holzapfel, Leiter des Mentorats und Dorothea Bernklau, Mentorin im Mentorat der Diözese, sprechen die Verantwortlichen über die Voraussetzungen für die Missio canonica, den Umgang mit kirchlicher Kritik und die Herausforderungen eines Religionsunterrichts, in dem viele Schüler kaum noch einen Bezug zum Glauben haben. Dabei machen sie deutlich, weshalb es für eine Religionslehrkraft wichtiger sein kann, Fragen auszuhalten und selbst auf der Suche zu bleiben, als auf alles eine fertige Antwort zu haben.
Das Mentorat dürfte selbst vielen Katholiken kaum bekannt sein. Was verbirgt sich hinter dieser Einrichtung des Bistums Regensburg?
Das Mentorat ist ein Fachbereich der Hauptabteilung Schule/ Hochschule im Bistum Regengsburg. Wir sind für alle Studierenden der kath. Theologie an der Universität Regensburg zuständig. Im besonderen aber für diejenigen, die später Katholische Religionslehre an einer staatlichen Schule unterrichten wollen. Darüber hinaus erstreckt sich unser Auftrag auch auf alle Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter im Grund-, Förder- und Mittelschulbereich, sowie alle Referendarinnen und Referendare für die weiterführenden Schulen (Gymnasium, Realschule und Berufsschule), die im Bistum Regensburg ihren zweiten Ausbildungsabschnitt absolvieren. Im Grunde ist das Mentorat eine Begleitstelle für Theologiestudierende und für angehende Religionslehrkräfte.
„Begleitung“ trifft es eigentlich recht gut: Wir wollen die Studierenden nicht einfach durch ein Programm führen, sondern ihnen in einer wichtigen Phase ihres Lebens und ihrer Ausbildung zur Seite stehen. Denn ein Theologiestudium ist natürlich ein wissenschaftliches Studium. Gleichzeitig beschäftigen sich die Studierenden ganz automatisch mit Fragen, die auch persönlich werden können: Wo kommt mein Glaube eigentlich im Alltag vor? Was trägt mich? Wie möchte ich später als Religionslehrkraft vor einer Klasse stehen? Und welche Rolle spielt Kirche für mich? Für all diese Fragen wollen wir Raum geben. Das passiert in persönlichen Gesprächen und in der geistlichen Begleitung, aber auch in unseren Veranstaltungen, Besinnungstagen, Exerzitien und ganz unterschiedlichen Angeboten rund um Studium, Glaube und Schule.
Und uns ist dabei wichtig: Bei uns muss niemand eine bestimmte Spiritualität vorweisen. Spiritualität ist immer individuell und nicht bewertbar. Man darf Fragen und Zweifel haben und sich an der Kirche reiben dürfen. Wir wollen einen Ort bieten, an dem man darüber ehrlich sprechen kann.
Wer Theologie studiert, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Glauben. Weshalb braucht es darüber hinaus eine kirchliche Studienbegleitung?
Weil Wissen über Glauben und die persönliche Frage, was dieser Glaube mit dem eigenen Leben zu tun hat, zwei verschiedene Dinge sind. Im Studium geht es natürlich darum, wissenschaftlich zu arbeiten, Texte zu analysieren, theologische Positionen kennenzulernen und kritisch zu hinterfragen. Aber irgendwann kommt fast zwangsläufig die Frage dazu: Und was bedeutet das für mich? Gerade für angehende Religionslehrkräfte finden wir diese Frage wichtig. Sie werden später nicht nur ein Fach unterrichten. Sie werden von Schülerinnen und Schülern auch als Menschen wahrgenommen, die für Religion und Kirche stehen. Da hilft es, wenn man sich selbst mit den eigenen Überzeugungen, Fragen und auch Zweifeln auseinandergesetzt hat. Wir wollen dabei aber nicht vorgeben, wie dieser persönliche Glaube auszusehen hat. Uns geht es eher darum, Räume zu schaffen, in denen die Studierenden ihre eigene glaubwürdige Position entwickeln können.
Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus? Was erwartet die Studierenden während eines Semesters im Mentorat?
Wir möchten die Studierenden nicht mit einem zusätzlichen „Stundenplan“ neben ihrem Studium belasten. Vielmehr begleiten wir sie über die gesamte Studienzeit hinweg und bieten unterschiedliche Möglichkeiten an, sich mit Fragen rund um Glaube, Persönlichkeit, Beruf und Kirche auseinanderzusetzen. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei unser Studienbegleitheft. Darin können die Studierenden die Veranstaltungen und Angebote dokumentieren, an denen sie im Laufe ihres Studiums teilnehmen. Idealerweise besucht ein Student oder eine Studentin pro Semester mindestens eine unserer Veranstaltungen. So zieht sich das Mentorat im besten Fall wie ein roter Faden durch das Studium, und am Ende haben die Studierenden ihr Studienbegleitheft entsprechend gefüllt.
Unser Programm ist dabei bewusst vielfältig. Wir bieten zum Beispiel Veranstaltungen zu Fragen des Lehrerberufs an, beschäftigen uns mit Berufung, Selbstfürsorge und Spiritualität oder nehmen uns Zeit für persönliche und gesellschaftliche Themen. Dazu kommen Besinnungstage und Exerzitien. Daneben gibt es einige verbindliche Elemente, die die Studierenden im Laufe ihres Studiums absolvieren. Dazu gehören insbesondere die Exerzitien, der Informations- und Begegnungsabend sowie die Veranstaltung „Schulgottesdienste vorbereiten“. Wir versuchen, diese verpflichtenden Bausteine nicht einfach als zusätzliche Punkte auf einer Liste zu verstehen, die man irgendwie „abhaken“ muss. Sie sollen vielmehr sinnvoll in den eigenen Studien- und Lebensweg integriert werden.
Gerade der Begegnungsabend bietet den Studierenden zum Beispiel die Möglichkeit, mit Domkapitular Martin Priller als Leiter der Hauptabteilung Schule/Hochschule ins Gespräch zu kommen und einen Einblick in die kirchliche Bevollmächtigung zu erhalten. Bei der Vorbereitung von Schulgottesdiensten geht es wiederum sehr konkret um die spätere Tätigkeit in der Schule: Wie kann ich einen Gottesdienst mit Schülerinnen und Schülern gestalten? Was bedeutet es, religiöse Feiern im schulischen Kontext vorzubereiten? Und wie kann ich dabei authentisch und zugleich offen für unterschiedliche Zugänge sein? Die Exerzitien und Besinnungstage setzen noch einmal einen anderen Schwerpunkt. Hier geht es weniger um die berufliche Qualifikation als um die persönliche und geistliche Auseinandersetzung: innehalten, Abstand vom Studienalltag gewinnen, sich selbst und den eigenen Glauben wahrnehmen und vielleicht auch einmal Fragen zulassen, für die im normalen Studienbetrieb wenig Raum bleibt.
Und dann gibt es noch die Möglichkeit der persönlichen geistlichen Begleitung. Wir sind nicht nur Mentoren, sondern auch geistliche Begleiter. Studierende können also über einen längeren Zeitraum hinweg mit uns persönlich an Fragen arbeiten, die sie beschäftigen – sei es im Blick auf den eigenen Glauben, eine Entscheidung, die persönliche Lebenssituation oder den eigenen beruflichen Weg. Insgesamt verstehen wir das Mentorat deshalb weniger als ein zusätzliches Pflichtprogramm, sondern eher als einen Weg, der sich durch das Studium zieht. Die Studierenden sollen unterschiedliche Angebote kennenlernen und für sich entdecken, was ihnen guttut und was sie auf ihrem Weg weiterbringt. Gleichzeitig gibt es einige verbindliche Elemente, die sicherstellen, dass wichtige Bereiche (persönliche Reflexion, geistliches Leben, Begegnung mit Kirche und die Vorbereitung auf die Tätigkeit als Religionslehrkraft) im Laufe des Studiums tatsächlich vorkommen.
Wer katholischen Religionsunterricht erteilen möchte, braucht eine kirchliche Bevollmächtigung. Welche Anforderungen müssen die Studierenden auf dem Weg zur Missio canonica erfüllen?
Die kirchliche Bevollmächtigung ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Dazu gehören unter anderem das Orientierungsgespräch, bestimmte Mentoratsveranstaltungen, ein Informations- und Begegnungsabend sowie geistliche Angebote wie Exerzitien oder Besinnungstage. Später, im Vorbereitungsdienst, kommen weitere Besinnungstage dazu. Gerade diese Übergangsphase vom Studium in den Beruf erleben wir als sehr wichtig. Plötzlich wird vieles konkret: Wie möchte ich als Religionslehrkraft auftreten? Wie gehe ich damit um, dass ich in der Schule auch als Vertreterin oder Vertreter der Kirche wahrgenommen werde? Und wie kann ich meinen eigenen Glauben dabei glaubwürdig vertreten?
Uns ist dabei eine Sache besonders wichtig: Wir verstehen unsere Aufgabe nicht darin, die Studierenden zu kontrollieren oder zu überprüfen, ob jemand „katholisch genug“ ist. Wir wollen sie auf diesem Weg begleiten und ihnen ermöglichen, sich mit ihrer eigenen Haltung und ihrem Glauben auseinanderzusetzen.
Nicht jeder Theologiestudent ist mit der Kirche in allen Fragen einverstanden. Werden solche Konflikte auch im Mentorat angesprochen?
Ja, unbedingt. Eigentlich wäre es ziemlich seltsam, wenn gerade im Theologiestudium kritische Fragen keinen Platz hätten. So steht es auch in der Musterordnung für die Erteilung der Missio canonica für den katholischen Religionsunterricht der deutschen Bischöfe: „Rechtgläubigkeit […] schließt theologisch begründete Kritik und Zweifel nicht aus.“ Wir erleben Studierende, die mit bestimmten kirchlichen Positionen Schwierigkeiten haben, die Entwicklungen in der Kirche kritisch sehen oder mit Erfahrungen ringen, die sie gemacht haben. Und natürlich dürfen solche Dinge bei uns auf den Tisch. Wir versuchen dann nicht, möglichst schnell eine fertige kirchliche Antwort zu liefern. Manchmal ist es viel wichtiger, erst einmal wirklich zuzuhören und eine Frage auszuhalten.
Wir finden es sogar wichtig, dass Studierende sagen können: „Damit habe ich gerade ein Problem.“ Oder: „Ich weiß nicht, ob ich das noch glauben kann.“ Das muss nicht automatisch das Ende eines Weges sein. Manchmal beginnt genau dort eine ernsthafte Auseinandersetzung. Für uns gehört zur theologischen und auch zur persönlichen Reifung dazu, dass man Widersprüche aushalten und die eigene Position immer wieder neu reflektieren kann.
Haben Sie schon erlebt, dass jemand während seiner Zeit im Mentorat grundsätzlich an seiner Berufswahl zweifelte? Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?
Ja, natürlich kommen solche Fragen vor. Und wir finden erst einmal gar nichts Schlimmes daran. Gerade bei einem Beruf wie dem Lehramt ist es ja sinnvoll, sich irgendwann ehrlich zu fragen: Ist das wirklich mein Weg? Kann ich mir vorstellen, jeden Tag vor einer Klasse zu stehen? Passt dieser Beruf zu mir? Wenn jemand mit solchen Zweifeln zu uns kommt, versuchen wir zunächst zuzuhören und gemeinsam herauszufinden, was eigentlich dahintersteckt. Manchmal ist es eine konkrete Erfahrung im Praktikum oder im Studium. Manchmal geht es um Überforderung. Manchmal um den eigenen Glauben. Und manchmal stellt jemand tatsächlich fest, dass ein anderer Weg besser passt. Wir möchten niemanden davon überzeugen, unbedingt Religionslehrkraft werden zu müssen. Unsere Aufgabe sehen wir eher darin, Menschen dabei zu unterstützen, eine Entscheidung zu treffen, die wirklich ihre eigene ist. Auch das gehört für uns zur Begleitung: nicht nur zu fragen „Wie bleibe ich auf meinem Weg?“, sondern auch „Ist das eigentlich noch mein Weg?“
Viele Schüler haben heute kaum noch einen Bezug zur Kirche. Wie bereiten Sie angehende Religionslehrer auf diese Situation vor?
Indem wir ihnen nicht sagen: „Dann müsst ihr die Schülerinnen und Schüler eben wieder kirchlich machen.“ Wir finden, dass Religionsunterricht zunächst einmal ein Ort sein kann, an dem große Fragen gestellt werden dürfen. Und zwar von allen – egal, ob jemand gläubig ist, wenig mit Kirche anfangen kann oder Religion kritisch gegenübersteht. Was bedeutet mein Leben? Was ist gerecht? Warum gibt es Leid? Was macht einen Menschen wertvoll? Was bedeutet Freiheit? Wie gehe ich mit Schuld und Scheitern um? Worauf kann ich hoffen? Gerade wenn Schülerinnen und Schüler wenig religiöse Vorerfahrungen haben, können solche Fragen ein guter Ausgangspunkt sein. Wir möchten den Studierenden deshalb Mut machen, nicht immer sofort die perfekte Antwort haben zu müssen. Eine gute Religionslehrkraft muss nicht auf jede Frage eine fertige Antwort liefern. Sie muss aber bereit sein, sich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf die Frage einzulassen.
Und natürlich hilft dabei auch die eigene Auseinandersetzung: Wenn ich selbst weiß, was mir mein Glaube bedeutet und warum ich ihn für mein Leben relevant finde, kann ich auch mit kritischen Schülerinnen und Schülern viel offener ins Gespräch kommen.
Die Universität Regensburg, die Katholische Hochschulgemeinde und das Mentorat begleiten teilweise dieselben jungen Menschen. Worin liegt Ihre besondere Aufgabe?
Die Universität ist der Ort der wissenschaftlichen Ausbildung. Die KHG bietet Gemeinschaft, studentisches Leben und viele Möglichkeiten, Kirche und Glauben zu erleben. Wir haben noch einmal einen etwas anderen Schwerpunkt. Bei uns geht es sehr stark um die Verbindung von Studium, persönlicher Entwicklung, Glaube und dem späteren Beruf als Religionslehrkraft. Und wir begleiten die Studierenden oft über einen längeren Zeitraum. Wir lernen sie kennen und bekommen dadurch auch mit, wie sich ihre Fragen verändern. Was im ersten Semester vielleicht noch eine ganz grundsätzliche Glaubensfrage ist, wird später vielleicht zu der Frage: Wie kann ich als Religionslehrkraft eigentlich authentisch vor einer Klasse stehen?
Dass wir beide gleichzeitig auch geistliche Begleiter sind, spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Studierenden können bei uns nicht nur über Studien- oder Berufsfragen sprechen, sondern auch über persönliche und geistliche Themen.
Was hat sich bei den Studierenden in den vergangenen Jahren verändert? Und was stimmt Sie persönlich zuversichtlich, wenn Sie an die nächste Generation von Religionslehrern denken?
Wir erleben viele Studierende als sehr reflektiert. Kirche ist für viele nicht mehr selbstverständlich und genau deshalb stellen sie oft sehr grundlegende und ehrliche Fragen. Manche haben kaum noch religiöse Erfahrungen aus ihrer Familie, andere bringen sehr konkrete Kritik an Kirche mit. Das verändert natürlich auch die Voraussetzungen für das Studium und für den späteren Religionsunterricht. Es gibt aber auch die Studierenden, die eine starke Verwurzelung im Glauben haben. D.h. Theologiestudierende sind keine homogene Gruppe.
Wir erleben bei vielen eine große Ernsthaftigkeit. Sie fragen sich: Wie möchte ich als Lehrkraft sein? Was kann ich Schülerinnen und Schülern mitgeben? Wie kann ich über meinen Glauben sprechen, ohne anderen etwas überzustülpen? Und wie kann ich mit Menschen ins Gespräch kommen, die ganz anders denken als ich? Das finden wir durchaus ermutigend.
Wir glauben auch nicht, dass Religionslehrkräfte künftig vor allem dadurch überzeugen müssen, dass sie auf alles eine Antwort haben. Vielleicht ist etwas anderes viel wichtiger: dass sie selbst Suchende bleiben können, dass sie zuhören, Fragen aushalten und trotzdem eine eigene Haltung haben und somit authentische Zeugen christlichen Lebens sind. Wenn wir erleben, dass Studierende offen bleiben, ihren eigenen Glauben reflektieren und sich wirklich auf andere einlassen wollen, dann stimmt uns das zuversichtlich. Denn genau solche Menschen braucht es aus unserer Sicht im Religionsunterricht.
Fragen: Dr. Dr. Stefan
Foto: Mentorat Regensburg
(chb)
Weitere Infos
Sehen Sie sich weitere Menschen unserer Diözese an, die wir Ihnen als Person der Woche vorgestellt haben.
Mentorat im Bistum Regensburg




