Papst Leo XIV. lobt die UNESCO

„... im Dienst des Gemeinwohls“


Paris / Regensburg, 26. September 2026

Papst Leo XIV. hat in Paris den Sitz der UNESCO besucht und die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur – so der vollständige Name – als „bevorzugten Gesprächspartner im Dienst des Gemeinwohls“ bezeichnet. Er lud dazu ein, „die UNESCO nicht nur als eine angesehene internationale Organisation zu betrachten, sondern auch als einen Ort, an dem die Menschheit über sich selbst, über ihre Geschichte und über ihre Zukunft nachdenkt. Die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur ist in der Tat unmöglich ohne die Förderung des Lebens von Mann und Frau, die deren Protagonisten sind.“ In seiner Ansprache beschäftigte sich Leo entsprechend ausführlich mit der grundsätzlichen Frage: „Was bedeutet es, Mensch zu sein?“

„Zunächst einmal ist der Mensch jemand, der empfangen und geboren wurde“, begann der Papst seine Antwort. „Mensch zu sein bedeutet daher in erster Linie, ein Kind zu sein. Keiner von uns hat sich dafür entschieden. Niemand hat entschieden, von wem, wann oder wo er geboren werden sollte. Diese offensichtliche Wahrheit wirft ein Licht auf etwas, das nicht nur biologischer, sondern auch ethischer Natur ist: Als Kinder sind wir alle Brüder und Schwestern.“

„Zweitens werden wir alle nackt und bedürftig geboren“, fuhr Leo fort. „Wir sind von Geburt her arm: bedürftig nach Brot und Worten, nach Fürsorge und Zuneigung – also nach allem, was Körper und Geist nährt. Das wissen wir gut; und doch laufen wir Gefahr, es zu vergessen, wenn wir erwachsen werden. Gerade die Bedürftigen leiden unter den schwerwiegendsten Folgen dieses Vergessens, wann immer ihr Menschsein verraten oder verworfen, ausgenutzt oder getäuscht wird.“

„Das Vergessen unserer Geburt verschleiert die eigentliche Bedeutung des menschlichen Lebens, weil es das Leben von der Geschichte trennt, die uns allen gemeinsam ist“, sagte der Papst. „Dieses Leben wird nicht mehr als Geschenk verstanden, sondern als Ware. Es wird nicht mehr als ein Aufruf zu Fürsorge und Verantwortung gesehen, sondern als ein Produkt, das ausgebeutet werden kann. Genau diese tragische Alternative erinnert uns daran, dass Mensch zu sein bedeutet, von Natur aus frei zu sein.“

„Drittens bedeutet es, uns an unser gemeinsames Menschsein zu erinnern, seine Großartigkeit – das heißt sein immenses Potenzial – anzuerkennen, auch wenn es durch viele Formen des Bösen und der Ungerechtigkeit geschmälert wird“, so Papst Leo. „Die in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur Tätigen sind umso mehr aufgerufen, sich um jeden Menschen zu kümmern, damit die Schönheit unserer Freiheit aufstrahlen kann. Diese Schönheit hat einen Namen: Gerechtigkeit.“

Wie so oft seit der Veröffentlichung der Enzyklika Magnifica humanitas ging der Papst auch bei der UNESCO auf die Frage der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) ein. „Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Aufgaben, die einst von Menschen ausgeführt wurden, Maschinen anvertraut, deren Fähigkeiten und Anwendungsbereiche sich kontinuierlich erweitert haben“, sagte er. „In jüngerer Zeit haben bestimmte künstliche Systeme sogar den Namen unserer menschlichen Denkfähigkeit erhalten: Intelligenz.“ Allerdings bestehe Gefahr, dass Ideen und Beziehungen durch einen Prozess der Entmenschlichung verarmen, mahnte Leo. „Das Paradoxon wird immer offensichtlicher: Während computergestützten Systemen ‚Intelligenz‘ zugeschrieben wird, fällt es uns schwer, die unveräußerliche Würde des Menschen anzuerkennen, dessen Leben nach dem Kriterium der Effizienz beurteilt wird und der, sobald er als nicht mehr produktiv gilt, abgelehnt und ausgesondert wird.“

„Unsere Würde wird weder durch Krankheit noch durch Leiden zerstört, noch hängt sie von unserem Leistungsvermögen ab“, unterstrich der Papst und hatte dabei womöglich auch die Legalisierung der sogenannten Sterbehilfe im Hinterkopf, die in Frankreich vor wenigen Monaten politisch durchgesetzt wurde. „Vielmehr erfordert sie liebevolle Fürsorge in jeder Phase des Lebens.“ Diejenigen, die im Bildungswesen tätig sind, wüssten, dass uns nur die Wahrheit befreit, sagte der Papst, und er führte aus: „Diejenigen, die lehren, und diejenigen, die forschen, wissen, dass Irrtum uns unter das Joch von Unwissenheit und Aberglaube bringt.“

„Man kann den Menschen nicht verstehen, wenn man das voneinander trennt, was zusammengehört: Leib und Seele, Privatleben und Beziehungen, unsere Beziehung zu anderen und zur Umwelt“, erklärte er. „All dies ist Teil der Einheit unseres Daseins. Aus diesem Grund bedeutet die Kultivierung der Erde auch die Kultivierung der Menschheit, die sie bewohnt. Bildung und Wissenschaft sind zu dieser Aufgabe berufen. Tatsächlich ist es kein Zufall, dass Kultur – wie etymologisch ersichtlich ist – immer auch Kultivierung bedeutet. Ich erneuere daher den Aufruf meiner Vorgänger, gemeinsam für den Menschen und für die Schöpfung Sorge zu tragen.“

In diesem Sinne zeigte sich Papst Leo überzeugt: „Der Maßstab, an dem wir unser Engagement messen können, ist die Fürsorge, die wir den Kleinsten und den Armen entgegenbringen: den Kindern im Mutterleib und an den verschiedenen Kriegsschauplätzen, Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, älteren Menschen, Migranten und Flüchtlingen sowie all jenen, die aus Überheblichkeit als unproduktiv ausgegrenzt werden. Sie sind der wahre Prüfstein für unsere Bekenntnisse zur Achtung der Menschenwürde, und ihr Schutz und ihre Förderung erstreckt sich auch auf die Schöpfung.“ Dem stehe „der Wille zur Ausbeutung und Plünderung“ gegenüber, „der darauf abzielt, jedem Lebewesen so viel wie möglich zu entreißen, zu konsumieren ohne zu schützen und zu zerstören ohne etwas zu kultivieren“.

Am Ende seiner Ansprache äußerte Papst Leo den Wunsch, „dass unsere Begegnung unser aller Bemühen stärkt, unablässig daran zu arbeiten, dass das Bewusstsein, zu einer einzigen Menschheitsfamilie zu gehören, lebendiger, aktiver und aufrichtiger wird. In diesem Zusammenhang möchte ich dem gesamten Personal der UNESCO meinen ehrlichen Dank aussprechen, das mit Kompetenz und Hingabe diesen so edlen Auftrag erfüllt: den Frieden zu stärken, indem es alle Wissenschaften und Künste der Menschen fördert.“

Text: CNA Deutsch

(sig)



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