News Bild Papst Franziskus dankt Gerhard Ludwig Kardinal Müller für das Buch über die Armut – „Es wird die Herzen aller berühren, die sich damit befassen“

Papst Franziskus dankt Gerhard Ludwig Kardinal Müller für das Buch über die Armut – „Es wird die Herzen aller berühren, die sich damit befassen“

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Unter dem Titel „Armut. Herausforderung für den Glauben“ gibt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der am Samstag ins Kardinalskollegium aufgenommen wird, ein bereits jetzt international beachtetes Buch zum Thema Armut heraus. „Armut kann sich in Reichtum verwandeln, wenn man ihr richtig begegnet“, schreibt Papst Franziskus in dem Vorwort zu dem Band, das er mit einem Dank an Gerhard Ludwig Kardinal Müller schließt. Das Buch werde die Herzen aller berühren, die sich damit befassten. „Nun, Freunde und Leser, wisst, dass ihr mich auf diesem Weg (der Armut) ab sofort an eurer Seite findet, als Bruder und Weggefährten,“ schließt der Papst sein Vorwort zu der Publikation, die die Beiträge von Kardinal Müller, Prof. Josef Sayer, dem langjährigen Hauptgeschäftsführer von Misereor, und dem peruanischen Dominikanerpater Gustavo Gutiérrez versammelt. Gerhard Ludwig Kardinal Müller, der von 2002 bis 2012 als Bischof von Regensburg wirkte, steht seit 2012 als Präfekt an der Spitze der römischen Glaubenskongregation.

Dass Papst Franziskus für das Buch des Präfekten der Glaubenskongregation das Geleitwort geschrieben hat, lässt international aufhorchen. „Povera per i Poveri“ („Arm für die Armen“) ist der Titel der gekürzten italienischen Version von Kardinal Müllers Buch. Das Wort „povera“ bezeichnet die Kirche selbst. Der Band wird am kommenden Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits am Mittwoch wurde der Text des Heiligen Vaters in der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ abgedruckt. Der Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe, die der Kösel Verlag München herausbringt, wird im April sein. Kardinal Müller beschäftigt sich in der Publikation unter anderem mit dem Recht auf menschliche Entwicklung. Prof. Sayer berichtet von den gemeinsamen Erfahrungen in den Hochebenen Perus, wo er mit dem damaligen Theologieprofessor Müller in 16 Jahren konkrete Entwicklungshilfeprojekte mitverantwortet und sich für die Rechte der Armen einsetzte. Pater Gutierrez stellt vertiefende Gedanken zum Thema Armut und Befreiung vor.

Zu Beginn seines Pontifikates hatte Papst Franziskus gesagt, er wolle eine „arme Kirche für die Armen“. Mit seinem Vorwort legt er nun eine beachtliche Verstehenshilfe dazu vor. Es handle sich nicht um einen kirchlichen Text, lautet eine Einschätzung von „Radio Vatikan“. Der Papst gehe viel weiter auf die menschlichen Bedingungen von Zusammenleben und Zusammengehörigkeit ein.

Zunächst verursacht das Wort „Armut“ Unbehagen. Sie sei etwas Unangenehmes, Schlimmes. Der Westen identifiziere Armut durch das Fehlen von ökonomischer Macht. Die wirtschaftliche Macht stütze ihre Vorherrschaft vor allem auf die enorme Macht, die das Geld heute bekommen habe, „eine Macht, die größer scheint als alle andere“, beginnt der Papst seinen Text. Das berichtet der Jesuitenpater Bernd Hagenkord, Leiter von Radio Vatikan. Deswegen bedeute das Fehlen von wirtschaftlicher Macht politische, soziale und letztlich menschliche Bedeutungslosigkeit, gibt Hagenkord den Papst wieder. Es gebe viele Formen der Armut, aber die ökonomische Armut sei die, die mit dem größten Grauen betrachtet werde. Dabei sei das Geld an und für sich etwas Gutes, es schaffe und vermehre menschliche Freiheit, als „ein Mittel, das unsere Fähigkeiten vergrößert.“ Aber wie alle Mittel könne es sich auch gegen den Menschen wenden und Menschen voneinander entfernen. Es gebe eine Verbindung zwischen Gewinn und Solidarität, zwischen Verdienst und Gabe, so der Papst, eine „gegenseitige Fruchtbarkeit“. Die Welt habe eine Wiederentdeckung dieser Wahrheit sehr nötig.

Es gebe aber nicht nur die ökonomische Armut: unser Leben – wie Jesus sage – hänge nicht nur von unseren Gütern ab. Mindestens in der ersten Phase des Lebens hängen wir von anderen Menschen ab und seien bedürftig. Davon sei zu lernen, mutig Solidarität zu praktizieren, sei eine unerlässliche Tugend des Lebens selbst. Diese gegenseitige Abhängigkeit könne man als Schwächung leben, oder aber als Möglichkeit, so zu leben, dass alle aufeinander zählen könnten und alle für alle wertvoll seien, jeder auf seine Weise. Das sei durch eine echte Umkehr zu erreichen, eine neue Weise, sich gegenseitig zu sehen. „Nur wenn der Mensch sich nicht als eine Welt für sich selbst versteht, sondern als jemand, der in seinem Wesen mit allen anderen verbunden ist, was ursprünglich mit Geschwisterlichkeit gemeint war, ist eine soziale Lebensweise möglich, in der das Gemeinwohl nicht nur ein leeres und abstraktes Wort bleibt.“ Wenn der Mensch sich so verstehe und auch so lebe, dann sei die ursprüngliche kreatürliche Armut des Menschen, in die er hineingeboren werde, kein Hindernis mehr. Sie werde zu einem Reichtum, der allen zum Vorteil sei. „Das ist die positive Sichtweise, mit der uns auch das Evangelium einlädt, Armut zu betrachten. … Jesus verwandelt das in eine echte Seligpreisung: Selig ihr Armen! (Lk 6,20).“ Der Papst fährt fort: „Fürchten wir uns also nicht, uns als bedürftig zu sehen.“ Deswegen lobpreise Jesus die, „die geistig arm sind“ (Mt 5,3). Denn sie hätten keine Angst, ganz von Gott abzuhängen (Mt 6,26). Von Gott erhalte der Mensch die Güter, die keine Begrenzungen kennen, nicht einmal den Tod.

 

Hinweis: Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller wird morgen am Samstag, den 22. Februar 2014 feierlich in das Kardinalskollegium aufgenommen.



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