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Nordeuropa: Verstärkte Hinwendung zum Christentum
„Neue Offenheit“
Kopenhagen / Regensburg, 6. Oktober 2026
Schwester Anna Mirijam Kaschner CPS, die Generalsekretärin der nordischen Bischofskonferenz, hat die zunehmende Hinwendung zum Christentum in Nordeuropa eingeordnet. Wer „aufmerksam in unsere Gemeinden blickt, merkt schnell, dass unter der Oberfläche dieser scheinbar religionsfernen Gesellschaft etwas Erstaunliches geschieht. Es wächst eine neue Offenheit für Glaubensfragen.“
„In katholischen Gemeinden, orthodoxen Gemeinschaften, Freikirchen und nicht selten auch innerhalb der lutherischen Kirchen melden sich Menschen, die nach Gott suchen“, schrieb Kaschner in einem Beitrag für die Herder Korrespondenz (aktuelle Ausgabe). Unter ihnen sind überraschend viele junge Erwachsene, Akademiker und Familien als Taufbewerber.“
„Dabei handelt es sich nicht um eine Rückkehr zu einer vergangenen Volksfrömmigkeit“, stellte die Ordensfrau klar. „Der entscheidende Unterschied besteht vielmehr darin, dass der Glaube heute nicht mehr selbstverständlich geerbt wird. Wer sich dem Glauben an Christus zuwendet und den Weg in die Kirche findet, tut dies zunehmend als bewusste, persönliche und oft mühsam errungene Entscheidung.“
„Vielleicht erleben wir derzeit gerade das Ende eines kulturellen Christentums und zugleich die Wiederentdeckung dessen, worum es im Christentum immer schon gegangen ist: um die freie Antwort des Menschen auf den Ruf Gottes“, vermutet sie, denn: „Der Glaube wird von jungen Menschen heute nicht mehr als ein System von Verboten erlebt, sondern als eine erlösende Befreiung vom Zwang, sich ständig selbst erfinden zu müssen.“ Ein verstärktes Interesse an religiösen Fragen bemerkt sie speziell in extrem säkularisierten Gesellschaften.
Neben einer „Suche nach verbindlicher Gemeinschaft“ spiele für Konvertiten in Nordeuropa auch die „Schönheit der Liturgie“ eine wichtige Rolle: „Weihrauch, sakrale Musik, Stille, Symbole und liturgische Sprache eröffnen einen Raum, der sich bewusst von der Alltagswelt unterscheidet. In einer Kultur, die stark von Funktionalität, Beschleunigung und digitaler Kommunikation geprägt ist, wird die Liturgie für manche zu einer Erfahrung des Heiligen, die Antwort auf Sehnsüchte gibt.“
„Dabei geht es nicht bloß um Ästhetik“, so Kaschner, denn „Schönheit allein genügt nicht“. So gelte: „Die sakrale Form gewinnt ihre Kraft nur dann, wenn sie auf eine tiefere Wirklichkeit verweist: auf den lebendigen Christus, der seine Kirche sammelt, im Wort zu ihr spricht und in den Sakramenten gegenwärtig ist. Hierin dürfte wohl auch begründet sein, warum sich viele junge Menschen gerade der katholischen Kirche zuwenden.
„Sicherlich ist es verfrüht, die beschriebenen Entwicklungen vollends einzuordnen beziehungsweise von einer Trendwende oder gar einer religiösen Neu-Erweckung zu sprechen“, räumte die Generalsekretärin der nordischen Bischofskonferenz ein. „Dafür sind sowohl die Zahlen der Konversionen und Erwachsenentaufen zu niedrig als auch die Motive zu unterschiedlich.“ Weiterhin gelte: „Die katholische Kirche im Norden ist eine kleine Diaspora-Kirche. Sie hat keine gesellschaftlichen Privilegien mehr, verfügt über wenig gesellschaftlichen Einfluss, über keine kulturelle Selbstverständlichkeit, sehr knappe finanzielle Ressourcen und so gut wie keine politische Macht.“
Gerade darin könne aber auch „eine Botschaft für die Weltkirche liegen“, argumentierte die Ordensfrau. „Die Zukunft des Glaubens hängt womöglich weniger von Mehrheiten, Institutionen und gesellschaftlicher Anerkennung ab, als wir manchmal meinen. Sie hängt davon ab, ob Menschen Christus begegnen und ihm vertrauen. Joseph Ratzinger hat bereits vor Jahrzehnten die Erwartung formuliert, die Kirche werde kleiner werden, aber zugleich bewusster aus dem Glauben leben. Vieles spricht dafür, dass sich gegenwärtig etwas von dieser Entwicklung beobachten lässt.“
Text: CNA Deutsch
(sig / SG)




