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Zur Neuigkeit
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feiert in Miesbrunn Patrozinium
700 Jahre Glaube und Gemeinschaft
Miesbrunn, 3. Oktober 2026
Mit einem Pontifikalgottesdienst hat die Pfarrei St. Wenzeslaus in Miesbrunn am 3. Oktober das 700-jährige Jubiläum ihrer ersten urkundlichen Erwähnung gefeiert. Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer zelebrierte den Festgottesdienst in der voll besetzten Pfarrkirche. Das Jubiläum stand unter dem Leitwort „Glaube trägt – 700 Jahre im Glauben standhaft, in der Gemeinschaft stark“.
Begleitet von der Stadtkapelle Pleystein zog der Bischof gemeinsam mit Geistlichen, Ehrengästen sowie Fahnen- und Vereinsabordnungen durch das festlich geschmückte Dorf zur Kirche. Stadtpfarrer Adam Karolczak erinnerte zur Begrüßung daran, dass die Geschichte Miesbrunns seit Jahrhunderten eng mit dem benachbarten Böhmen verbunden ist. Handel, familiäre Beziehungen und Begegnungen hätten die Region über Grenzen hinweg geprägt. Sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit sei der Kirchenpatron, der heilige Wenzeslaus, Nationalheiliger Böhmens.
Wenzeslaus verbindet Bayern und Böhmen
Auch Bischof Voderholzer stellte den heiligen Wenzeslaus in den Mittelpunkt seiner Predigt. Am Festtag kamen mehrere Anlässe zusammen: das 700-jährige Pfarreijubiläum, das Patrozinium, der Tag der Deutschen Einheit und das Erntedankfest.
Der Bischof erinnerte an wichtige Stationen der Pfarreigeschichte. Bis 1395 war Pleystein Filiale von Miesbrunn. Ein Großbrand zerstörte am 9. September 1911 die Kirche, die anschließend nach Plänen des Architekten Heinrich Hauberrisser vergrößert wiederaufgebaut wurde. Heute gibt es in der Diözese Regensburg neben Miesbrunn nur noch in Schönsee eine Kirche, die dem heiligen Wenzeslaus geweiht ist.
Der böhmische Heilige stehe beispielhaft für eine Glaubensgeschichte, die politische und sprachliche Grenzen überwindet, erklärte Bischof Voderholzer. Die Verehrung des heiligen Wenzeslaus wie auch des heiligen Johannes von Nepomuk verbinde Bayern und Böhmen seit Jahrhunderten. Der Bischof verwies dabei auch auf seine eigene Familiengeschichte, die Bezüge nach Böhmen aufweist.
Christliche Wurzeln Europas und „Nie wieder Krieg“
Mit Blick auf den Tag der Deutschen Einheit weitete Voderholzer den Gedanken der grenzüberschreitenden Verbundenheit auf Europa aus. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs hätten Politiker wie Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer an die gemeinsamen christlichen Wurzeln Europas angeknüpft und die europäische Einigung vorangebracht. Daraus leitete der Bischof einen bis heute gültigen Auftrag ab: „Nie wieder Krieg.“
Zugleich erinnerte er an Franz von Assisi, dessen Todestag sich am 3. Oktober zum 800. Mal jährte. Dessen Sonnengesang verweise auf die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung. Die Gaben der Erde seien dankbar anzunehmen und zu bewahren. Dieser Gedanke verband sich an diesem Tag mit dem Erntedankfest, das die Pfarrei zugleich beging.
Glauben an die nächste Generation weitergeben
Zum Schluss seiner Predigt kehrte der Bischof in Gedanken zum heiligen Wenzel zurück, um zugleich den Blick in die Zukunft zu richten. Denn bekanntlich sei es seine Großmutter Ludmilla gewesen, die im jungen Wenzeslaus einen tiefen Glauben grundgelegt hat. Dies sei auch heute aktuell. Und so galt sein Dank allen Menschen, die sich in Miesbrunn für ihre Pfarrei einsetzen und mit ihrem Engagement die Gemeinschaft tragen. Besonders rief er Eltern und Großeltern dazu auf, Kindern und Enkeln den Glauben vorzuleben und weiterzugeben. „Wo die Hauskirche lebt, lebt auch die Pfarrgemeinde“, sagte Voderholzer. Der Glaube, der Miesbrunn über Jahrhunderte geprägt und Menschen über Grenzen hinweg verbunden und getragen habe, müsse auch künftig gelebt und weitergegeben werden.
Den Gottesdienst feierten mit Bischof Voderholzer Stadtpfarrer Adam Karolczak, Pater Thomas Mühlberger, Ruhestandsgeistlicher Wolfgang Häupl und der frühere Pleysteiner Stadtpfarrer Pater Hans Ring. Kirchenchor und Stadtkapelle Pleystein übernahmen die musikalische Gestaltung. In den Fürbitten wurde auch der verstorbenen Priester der Pfarrei sowie des kürzlich verstorbenen Chorleiters Alexander Völkl gedacht.
Text und Fotos: Elisabeth Dobmayer
(jas und SG)









