Hungersnot

Misereor zum Rückgang des weltweiten Hungers

Hoffnungszeichen und verspielte Chancen


Aachen / Regensburg, 22. Juli 2026

Aus dem aktuellen UN-Welternährungsbericht geht hervor, dass im vergangenen Jahr 645 Millionen Menschen Hunger litten. Damit ist die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2024 marginal gesunken – um 14 Millionen gesunken. Zum ersten Mal seit 2015 ist auch in Afrika der Anteil der Menschen, die dauerhaft hungern,  leicht zurückgegangen.

Zu den Ergebnissen des Welternährungsberichts 2026 sagt Lutz Depenbusch, Misereor-Experte für Ernährung: „Dass die Zahl der Hungernden das dritte Jahr in Folge leicht zurückgegangen ist, ist eine gute Nachricht. Angesichts der multiplen Krisen ist besonders die Entwicklung in Afrika positiv. Die Zahlen zeigen, dass trotz globaler Herausforderungen Fortschritt möglich ist. Und doch sind die nur schleppenden Verbesserungen Ausdruck verspielter Chancen.“

Seine fortgesetzt kritische Haltung erläutert Depenbusch wie folgt: „Noch ist das Ausmaß des Hungers größer als vor der COVID-Pandemie, und bei der jetzigen Geschwindigkeit werden auch im Jahr 2030 noch mehr als 500 Millionen Menschen Hunger leiden. Auch die Mangelernährung bei Kindern geht nur extrem langsam zurück. Wenn politischer Wille und gemeinsame Anstrengungen Hand in Hand gehen, sind deutlich schnellere Fortschritte möglich – das hat die Vergangenheit gezeigt. Doch stattdessen erleben wir eine zunehmend egoistische Weltpolitik, etwa durch den von den USA ausgehenden Handelsstreit und Kürzungen bei der Entwicklungshilfe.“

Depenbusch erklärt zur neuen menschlichen Kälte, die weltweit beobachtet wird: „Diese politischen Dynamiken bremsen Fortschritte im Kampf gegen den Hunger aus. Nun drohen die Auswirkungen des andauernden Krieges am Persischen Golf mit einer ungewöhnlich starken Ausprägung des Wetterphänomens El Niño zusammenzufallen und die weltweite Ernährungslage zu verschlechtern. Dies ließe sich verhindern, wenn die Weltgemeinschaft und damit auch die deutsche Bundesregierung Hunger und Armut nicht mehr länger als Nischenthemen für politisch bessere Zeiten behandeln und das vermeidbare Sterben hinnehmen würden.“
 
Text: Nina Brodbeck

(sig)



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