Bischof steht mit Priestern und Gläubigen vor dem Altar

Pontifikalmesse mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei der Annabergfestwoche

Mit allen Sinnen glauben


Sulzbach-Rosenberg, 20. Juli 2026

Zahlreiche Gläubige waren am Montagabend auf den Annaberg bei Sulzbach-Rosenberg gekommen, um gemeinsam mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Pontifikalmesse im Rahmen der Annabergfestwoche zu feiern. Bei angenehmen Temperaturen und in der Abendsonne versammelten sich die Pilger rund um den Freialtar vor der Wallfahrtskirche St. Anna. Besonders eingeladen waren die Kolpingsfamilien und die Mesner. Auch Vertreter des Frauenbundes, der Pfadfinder sowie Katechistenanwärter nahmen an der Feier teil.

Zu Beginn zog der liturgische Dienst gemeinsam mit Bischof Dr. Voderholzer, den Konzelebranten und zahlreichen Fahnenabordnungen in einer feierlichen Prozession zum Freialtar. Pfarrer Herbert Mader begrüßte den Bischof und die Festgemeinde. Eine Frauenschola und ein Bläserensemble der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Die Leitung hatte Ursula Kohlhäufl-Steffl übernommen.

Über der diesjährigen Annabergfestwoche stand ein Wort des heiligen Augustinus: „Dilige, et quod vis fac“ – „Liebe, und was du willst, das tu.“ Der Regensburger Oberhirte griff den Leitspruch bereits zu Beginn der Messe auf. Das lateinische „diligere“ bezeichne mehr als eine gefühlsbetonte Zuneigung. Gemeint sei eine Liebe, die Geist, Verstand und Gemüt erfasse und auch jene Menschen einschließe, die einem nicht sympathisch seien. Es gehe darum, die Welt mit den Augen Gottes zu betrachten und sie als Schöpfung anzunehmen, die aus seiner Liebe hervorgegangen sei.

Der ganze Mensch feiert Gottesdienst

Pfarrer Herbert Mader hatte Bischof Rudolf für seine Predigt das Thema „I mog di, Gott – mit allen Sinnen“ gestellt, der sich darüber besonders gefreut hat. Bereits seit seiner Schulzeit fasziniere ihn die katholische Liturgie, weil darin der ganze Mensch beteiligt sei: Herz und Verstand, Körper und alle fünf Sinne.

In seiner Predigt ging der Bischof deshalb die fünf Sinne der Reihe nach durch und zeigte, wie sie in der Feier der Eucharistie angesprochen würden. Als vielleicht wichtigstes Sinnesorgan nannte er das Ohr. Der Glaube komme vom Hören, weil er die Antwort auf das Wort Gottes sei. Deshalb müsse das gesprochene Wort in der Eucharistiefeier nicht nur akustisch gut vernehmbar, sondern auch inhaltlich verständlich sein. Ebenso könnten Musik und Gesang dazu beitragen, dass den Menschen das Herz aufgehe.

Der Glaube kommt auch vom Schauen

Als Nächstes richtete Bischof Rudolf den Blick auf die Augen. Die Farbenpracht des Gottesdienstes, die liturgischen Gewänder sowie die Bilder und Kunstwerke in den Kirchen machten den Glauben sichtbar. Violett stehe unter anderem für die Advents- und Fastenzeit, Rot für den Heiligen Geist und die Märtyrer, Grün für Leben und Hoffnung, Weiß und Gold für die großen Feste.

Die Umgebung auf dem Annaberg bezeichnete der Bischof als einen „grünen Naturdom“. Bilder aus der Wallfahrtskirche und das Gnadenbild der heiligen Anna waren zum Freialtar gebracht worden. Sie sollten die Gläubigen über das Sehen ansprechen und sie in ihrem Glauben stärken.

Mit dem Körper beten

Anschließend sprach Bischof Rudolf über den Tastsinn. Das Weihwasser erinnere an die Taufe, der Händedruck beim Friedensgruß an die Gemeinschaft der Gläubigen. Ebenso seien Stehen, Sitzen und Knien nicht beliebig, sondern Ausdruck des jeweiligen liturgischen Geschehens.

Bischof Dr. Voderholzer ermunterte die Festgemeinde, die Kniebeuge und das Kreuzzeichen wieder bewusster zu vollziehen. Eine Kniebeuge sei nicht nur ein flüchtiger Knicks. Auch das große und das kleine Kreuzzeichen seien körperliche Bekenntnisse zum dreifaltigen Gott. Das kleine Kreuzzeichen vor dem Evangelium könne mit den Worten verbunden werden: „Herr, segne mein Denken, segne mein Sprechen, segne mein Herz.“

Der Geschmackssinn werde angesprochen, wenn die Gläubigen Christus in der Gestalt des Brotes empfingen. Die Eucharistie sei jedoch keine gewöhnliche Speise. Nicht der Mensch verwandle sie, sondern sie verwandle den Menschen. Durch den Empfang des Leibes Christi würden die Gläubigen selbst zum Leib Christi auferbaut und dazu berufen, seine Gegenwart in der Welt sichtbar zu machen.

Auch der Geruchssinn gehöre zur Feier. Der Weihrauch erfülle nicht nur die Luft mit seinem Duft. Sein aufsteigender Rauch mache zugleich die Verbindung zwischen Erde und Himmel sichtbar. Ebenso erinnere das wohlriechende Chrisamöl, das bei der Taufe, der Firmung sowie bei Weihen und Kirchweihen verwendet werde, an den Reichtum der sinnlichen Zeichen des Glaubens. Diese Zeichen könnten den Menschen im Glauben stärken, wenn sie nicht gedankenlos, sondern mit Sinn und Verstand vollzogen und anderen erklärt würden.

Gott mit dem ganzen Leben verherrlichen

Die Ganzheitlichkeit des Glaubens reiche nach den Worten von Bischof Rudolf über den Gottesdienst hinaus. Sie zeige sich auch in den unterschiedlichen christlichen Lebensformen. Die eheliche Liebe, die sich auch in der Hingabe der Eheleute zeige, sei ein sakramentales Zeichen für die Liebe Gottes.

Zugleich könne der Verzicht auf Ehe und eine eigene Familie ein Zeichen für das Himmelreich sein. Menschen, die ein Leben nach den Ordensgelübden führten oder in priesterlicher Ehelosigkeit lebten, bezeugten mit ihrem ganzen Dasein, dass das Reich Gottes eine Wirklichkeit sei, für die es sich lohne, das Leben einzusetzen. Ehe, Ordensleben und priesterliche Lebensform gehörten auf unterschiedliche Weise zur Fülle des katholischen Glaubens.

Zum Abschluss gab Bischof Rudolf den Gläubigen eine kleine Hausaufgabe mit auf den Weg. Jeder könne sich einen der angesprochenen Punkte vornehmen und versuchen, die Zeichen der Liturgie bewusster zu vollziehen. Auch die Vorbereitung auf den Sonntagsgottesdienst könne helfen. Wer die Lesungen und das Evangelium vorher lese, könne das Wort Gottes und die Predigt aufmerksamer aufnehmen. Die Annabergfestwoche sei damit nicht allein eine Reihe feierlicher Gottesdienste, sondern auch eine Woche der Glaubensvertiefung und der geistlichen Übung.

Am Ende der Pontifikalmesse dankte Landrat Richard Reisinger Bischof Rudolf dafür, dass er Jahr für Jahr auf den Annaberg komme und der Festwoche damit eine besondere kirchliche Würdigung verleihe. Im Namen der Festgemeinde würdigte er die ermutigenden Worte und die Feier der Eucharistie. Als Zeichen des Dankes überreichte er ihm ein Lebkuchenherz mit dem Leitspruch der diesjährigen Annabergfestwoche. Einen solchen Spruch, bemerkte Reisinger, gebe es vermutlich nicht einmal auf den Lebkuchenherzen des Münchner Oktoberfestes.

Zugleich lud der Landrat Bischof Dr. Voderholzer zur Annabergfestwoche des kommenden Jahres ein. Mit einem Gebet für die Verstorbenen und dem gemeinsamen St.-Anna-Lied endete die feierliche Pontifikalmesse auf dem Annaberg.

Text und Fotos: Wolfgang Schöpf
(SG)



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