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Zur Neuigkeit
Brücke sein in einem zerrissenen Kontinent
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 22. Juli 2026
Die Kirche in Asien steht in vielen Ländern stark unter Druck, vielerorts werden Christen verfolgt. Doch in der Verfolgung wächst der Glaube. Die Bischöfe Asiens sprechen davon, dass die Kirche eine Brücke sein soll.
In Jakarta, Indonesien, versammeln sich in diesen Tagen die Mitglieder der Föderation der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen (FABC). Die Versammlung findet vom 20. bis 26. Juli 2026 statt, bringt mehr als 120 Kardinäle und Bischöfe aus 22 Bischofskonferenzen und kirchlichen Jurisdiktionen zusammen. Filipe Neri Kardinal Ferrão, der Präsident der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen, sagte, Katholiken wirkten in mehreren Ländern Asiens in einem feindseligen Umfeld. Dennoch müssten sie weiter Beziehungen zu anderen religiösen und kulturellen Gemeinschaften aufbauen. „Es stimmt, dass die Kirche in Asien in vielen Ländern einem feindseligen Umfeld ausgesetzt ist“, sagte Ferrão bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der 12. Vollversammlung der FABC in Jakarta.
Diese steht unter dem biblischen Wort „Ihr werdet Größeres sehen“ aus dem Johannesevangelium. Inhaltlich entfaltet sich dieses Leitwort als Ruf zur synodalen Umkehr und als Sendung der Kirche, in Asien Brücke und Brückenbauerin zu sein. In Asien ist die Kirche vielerorts klein, oft arm, manchmal bedrängt und fast immer inmitten anderer Religionen unterwegs. Sie spricht und agiert hier nicht aus einer alten Mehrheitsposition. Sie kann in ihrem Umfeld keine christliche Kultur voraussetzen. Darum ist das Leitwort der Versammlung mehr als ein kirchliches Motto oder eine schöne Metapher. Es ist eine Überlebensform für die Kirche.
Gründung in Manila
Die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen wurde Anfang der siebziger Jahre nach einem historischen Treffen asiatischer Bischöfe während des Besuchs von Papst Paul VI. in Manila 1970 gegründet und erhielt 1972 ihre vom Heiligen Stuhl approbierten Statuten. Die Vollversammlung ist das wichtigste Entscheidungsgremium und tagt normalerweise alle vier Jahre. Sie ist die Versammlung, auf der die Ortskirchen Asiens gemeinsam über ihre Sendung nachdenken. Asien ist ein Kontinent der großen Religionen. Asiatische Staaten haben riesige Bevölkerungen und die Region erlebt eine rasante Modernisierung. Zugleich gehören blühende Städte, bittere Armut, Migration und autoritäre Systeme zur widersprüchlichen Vielfalt des Kontinents. Die katholische Kirche ist darin in den meisten Ländern eine Minderheit. Ihr Zeugnis entfaltet daraus eine besondere Bedeutung.
In Asien ist die Frage der Synodalität eine andere als in Europa. Dort geht es nicht zuerst um kirchenpolitische Machtfragen, sondern darum, wie eine kleine Kirche inmitten fremder Mehrheiten, religiöser Spannungen, politischer Kontrolle und sozialer Not gemeinsam hören, unterscheiden und handeln kann. Hören auf den Heiligen Geist ist eine alte kirchliche Tugend, die schon die geistlichen Väter lehrten. Diese muss in unsere Zeit übersetzt werden. Kardinal Filipe Neri Ferrão, Erzbischof von Goa und Daman und Präsident der FABC, hat diese Lage nüchtern beschrieben, wenn er von einem feindlichen Umfeld. Die Kirche in Asien reagiert auf Druck nicht mit Rückzug, sondern mit dem Aufruf, eine Brücke zu sein.
Kirche in Bedrängnis
Das verharmlost die Christenverfolgung in vielen asiatischen Ländern nicht. In mehreren asiatischen Ländern stehen Christen unter Beobachtung, werden durch Gesetze eingeschränkt, von Mehrheitsnationalismen bedrängt oder in ethnischen Konflikten verdächtigt. In Pakistan wirken Blasphemiegesetze wie ein Damoklesschwert über der christlichen Minderheit. In Indien erleben Christen in manchen Regionen Druck durch hindu-nationalistische Kräfte. In China ist kirchliches Leben staatlich kontrolliert. In Myanmar lebt die Kirche im Krieg mit Vertreibung und Militärgewalt. In Vietnam, Laos und anderen Ländern lebt sie unter enger politischer Aufsicht. Der friedliche Dialog ist in einem solchen Umfeld so wichtig, wie die Luft zum Atmen.
Er verlangt Standfestigkeit. Wer sich in einer Minderheitenlage auf Begegnung einlässt, muss wissen, wer er ist. Eine Kirche, die ihre eigene Mitte verloren hat, kann keine Brücke sein. Der Dialog, den die FABC meint, setzt daher Glaubensidentität voraus. Er ist nicht Selbstauflösung, sondern gelebte Nachfolge Christi in einer pluralen Welt. Das ist ein deutlicher Kontrast beispielsweise zum Buddhismus oder zum Isalm. Jakarta ist dafür ein bezeichnender Ort. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Aber die Kathedrale in Jakarta steht im Zentrum der Stadt direkt gegenüber der größten Moschee Ostasiens.
Ein Zeichen der Bischöfe
Das Land besitzt es mit Pancasila eine staatliche Grundphilosophie. Diese umfasst fünf Prinzipien. Der Glaube an den einen Gott, gerechte und zivilisierte Menschlichkeit, nationale Einheit, Demokratie durch Beratung und soziale Gerechtigkeit. Sie soll das religiös und ethnisch vielfältige Indonesien zusammenhalten, ohne den Staat auf eine einzelne Religion festzulegen. Kardinal Pablo Virgilio David von den Philippinen verwies auf diese gemeinsame Wertebasis und sprach davon, man solle Religionen nicht als andere Religionen betrachten, sondern als Nachbarreligionen. Der Nachbar ist nicht bloß der Fremde nebenan. Er ist der, mit dem man denselben Raum teilt, dieselbe Straße, dieselbe Sorge um Frieden.
Besonders eindrucksvoll soll das geplante Zeichen am Ende der Versammlung werden. Die Bischöfe wollen nach der Messe in der Kathedrale Unserer Lieben Frau von der Aufnahme in den Himmel die Istiqlal-Moschee gegenüber besuchen. Beide Gebäude sind durch den Tunnel der Freundschaft verbunden. Das ist architektonisch ein schönes Bild. Eine Kathedrale und die größte Moschee Südostasiens stehen nicht nur nebeneinander. Sie sind durch einen Weg verbunden, den Menschen gehen können. Dieser Tunnel ist wie ein Bild für die Aufgabe der Kirche in Asien. Es kann nicht darum gehen, die Unterschiede zu leugnen, sondern es gilt Wege zu öffnen, auf denen Menschen einander begegnen, ohne sich selbst aufzugeben.
Der dreifache Dialog
Die FABC spricht seit langem vom dreifachen Dialog der Kirche in Asien. Dialog mit den Religionen, Dialog mit den Kulturen und Dialog mit den Armen. In Jakarta wird diese Linie um den Dialog mit der Schöpfung erweitert. Auch das ist kein modisches Anhängsel. Asien kennt Umweltzerstörung, Überschwemmungen, Bergbaukonflikte, verschmutzte Flüsse und Städte, deren Wachstum die Armen an den Rand drängt. Eine Kirche, die Brücken baut, darf nicht nur zwischen Religionen vermitteln. Sie muss auch zwischen Armen und Mächtigen, zwischen Mensch und Schöpfung, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Vergangenheit und gemeinsamer Zukunft stehen.
Hier liegt die eigentliche Tiefe des Wortes Brücke. Eine Brücke steht an einem Riss. Wo kein Abgrund ist, braucht niemand eine Brücke. Die asiatischen Bischöfe sprechen also nicht aus einer heilen Welt. Sie sprechen in einen Kontinent hinein, der voller Brüche ist. Religiöse Mehrheiten und Minderheiten misstrauen einander. Ethnische Gemeinschaften tragen alte Verletzungen. Arme erleben Wachstum ohne Teilhabe. Kardinal David verband Synodalität ausdrücklich mit der Würde der Taufe. Vor der Weihe steht die gemeinsame Berufung aller Getauften. Das ist für Asien eine schlichte Realität. In kleinen Gemeinden tragen Laien die Kirche oft über weite Strecken. Wo Priester fehlen, wo Christen verstreut leben, wo öffentliche Präsenz begrenzt ist, wird die Kirche nicht automatisch ärmer.
Geistlich wachsen
Sie kann geistlich wacher werden. Familien, Katechisten, Ordensfrauen, Lehrer und einfache Gläubige halten den Glauben im Alltag lebendig. Sie sind nicht Randfiguren kirchlicher Pastoral, sondern Träger der Sendung. Wenn die FABC nun eine Kommission für Synodalität eingerichtet hat, dann ist das nur glaubwürdig, wenn die Wirklichkeit der Kirche damit ernst genommen wird. Synodalität hat ihren Ort nicht zuerst im Sitzungssaal. Sie beginnt dort, wo die Getauften lernen, gemeinsam auf den Heiligen Geist zu hören.
Die Kirche in Asien will nicht Brücke sein, weil sie schwach ist. Sie will Brücke sein, weil Christus selbst der Mittler ist. Er verbindet Gott und Menschen. Eine Kirche, die Brücke wird, tritt in die Gestalt Christi ein. Sie trägt Last, sie hält Spannung aus und sie verbindet Ufer, die einander misstrauen. Eine Brücke lebt davon, dass sie benutzt wird. In einem so zerrissenen Kontinent ist das kein kleiner Dienst. Es ist das Evangelium in seiner praktischen Anwendung.
Text: Peter Winnemöller
Foto: shutterstock




