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Zur Neuigkeit
Maurice Rondeau – ein in Cham verstorbener französischer Märtyrer
In den gesalbten Händen gekreuzigt
Paris/Regensburg, 15. Mai 2026
Am 13. Dezember 2025 wurden in der Kathedrale Notre-Dame die „50 Märtyrer des Apostolats“ seliggesprochen. Die Prozession wurde vom Reliquiar des Priesters Maurice Rondeau (1911–1945) eröffnet, der zwar in seiner Heimat Meaux bestattet ist, aber auf dem Gebiet des Bistums Regensburg gestorben ist. Er verbrachte die letzten Wochen seines aufopferungsvollen Lebens zwischen Roding und Cham.
„Ein unvergesslicher Eindruck der Salbung der Hände: Ich strecke meine Hände zum Bischof hin, wie einst Jesus die seinige am Kreuz ausstreckte, in dem ich mich Ihm vereinte und mich ganz weihte“ - Mit diesen Worten beschrieb der am 13. Dezember 2025 selig gesprochene Maurice Rondeau (1911–1945) seine Priesterweihe am 29. Juni 1936 in der Stephanuskathedrale in Meaux in seinem geistlichen Tagebuch, das er seit Oktober 1933 bereits als Seminarist führte. Wie sein Herr, dem er sich geweiht hatte, gab er im Alter von 33 Jahren sein Leben für seine Schar hin und wurde somit, um den ebenfalls Priestermärtyrer Christian de Chergé (1937-1996) zu zitieren, ein „Märtyrer der Nächstenliebe“: jemand, der die Liebe bis zum Äußersten bezeugt hatte. Rondeau und Chergé teilten sich weitere Gemeinsamkeiten, etwa das Studium am Institut Catholique de Paris, eine tiefe Marienverehrung und den Heimgang gerade im Mai. Während Chergé besonders im muslimisch-christlichen Dialog und in Algerien beheimatet war und bleibt, ist Rondeau mit unserem Land, näherhin mit unserem Bistum, verbunden. Am 14. April erreichte Rondeau inmitten des unerhörten Grauens der sechs Tage zuvor begonnenen Räumung des Konzentrationslagers Buchenwald unser Bistumsgebiet, konkret das Konzentrationslager Flossenbürg, von wo er nun in einem Todesmarsch – vollkommen erschöpft, nachdem er sich bereits seit 1940 in Kriegsgefangenschaft mit immer schlimmeren Bedingungen befand – in Richtung Süden mit Tausenden weiterer geschickt wurde. Unweit von Roding wurde er am 23. April von anrückenden amerikanischen Truppen befreit und bald darauf ins Militärkrankenhaus in Cham verbracht. Hier starb er im Ruf der Heiligkeit am 3. Mai an der durch Erschöpfung nicht mehr heilbaren Lungentuberkulose.
Geboren wurde er am 25. August 1911 im beschaulichen Neuvy im Marne-Gebiet, an der Kulturgrenze zwischen der Wiege des französischen Staates im Île-de-France und der je von der Begegnung der Völker geprägten Region des Grand Est. Der kleine Maurice verlor seinen Vater im Februar 1915, zu Beginn der Argonne-Offensive im Moselgebiet, die die vom bayerischen Kronprinzen Rupprecht (1869-1955) kommandierten 6. Armee französische Truppen entgegenstellte. Schon hier hätte die Konfrontation unserer Völker seine Seele verdorben können, was jedoch nicht geschah. Zwischen 1924 und 1928 besuchte er das Kleinseminar in Meaux, wo er später selbst unterrichten sollte.
Zwischen Oktober 1936 und Juni 1939 diente der junge Priester – er war mit gerade 24 Jahren zum Priester geweiht worden – als Literatur- und Französischlehrer am Kleinen Seminar seiner Diözese. Parallel dazu begann er zum Wintersemester 1937 ein Studium der Literatur am Institut Catholique de Paris, die 1875 von den Bischöfen Zentral- und Nordfrankreichs ins Leben gerufene Hochschule.
Der Zweite Weltkrieg brachte eine Wende weit von seiner ruhigen Existenz zwischen Marne und Seine. Er wurde im August 1939 in das traditionsreiche 7. Infanterieregiment appelliert. Hier diente er im Rang eines Hauptmanns als Seelsorger und Sanitäter. Das Regiment, das bereits markante Erinnerungen an die Schlachten zwischen den Staaten Frankreichs und Deutschlands wie Fleurus (Juni 1794) und Bautzen (Mai 1813) trug, war wieder in einem Krieg zwischen diesen Nationen verwickelt. Im Juni 1940 wurde er selbst gefangen genommen und in das sogenannte „Stammlager VI G“, bei Duisburg interniert. Wenngleich er auch Zwangsarbeit leistete, waren die Haftbedingungen verhältnismäßig so gut, dass er nicht nur im engeren Sinne priesterlich (geistliche Konferenzen, Begleitung, Sakramentenspendung, usw.), sondern auch kulturpolitisch wirken konnte, entsprechend seiner kulturellen Ausstrahlung. Ab Juli 1941 gab er nämlich eine eigene monatliche illustrierte Zeitschrift heraus: L’Écho de la Hardthöhe. In der Septembernummer 1943 startete Rondeau den Abschiedsgruß an seine Leser mit folgenden Worten: „Ich verlasse die Redaktion der Zeitschrift, das Lager und die Gefangenschaft, um Zivilarbeiter zu werden, das einzige Mittel, um all den ehemaligen Gefangenen und aus Frankreich gekommenen Arbeitern meinen priesterlichen Dienst zu bringen. Ich erachte es als meine Pflicht, mitten unter den Tausenden zu sein, damit diejenigen, die dem Appell des obligatorischen Arbeiterdienstes gefolgt sind, einen Hirten vorfinden.“ In einem weiteren Beitrag sollte er diese drei Jahre hinter Stacheldraht als „Exerzitien“ bezeichnen. Am 28. August verließ er die Hardthöhe in Richtung Aachen. In der Tat wurden gerade an diesem Gefangenlager in Bonn französischen Gefangenen die Möglichkeit einer „Beurlaubung“ unter der Bedingung einer Verpflichtung als Zivilarbeiter eingeräumt. Sodann hatte das mit Hitler-Deutschland verbündete Vichy-Regime ab Sommer 1942 begonnen, „Arbeitsfreiwillige“ zu rekrutieren; am 4. September wurde dies zum Gesetz. Nachdem bereits 250.000 Franzosen –auch als Ersatz für einen zweijährigen Militärdienst – nach Deutschland gekommen waren, sollten nach dem Jahreswechsel weitere folgen. Parallel dazu verboten die Nationalsozialisten die Seelsorge für die Kriegsgefangenen und erschwerten sie für die requirierten Arbeiter.
Die französischen Bischöfe – angeleitet durch den Pariser Kardinal-Erzbischof Emmanuel Suhard (1874–1949) – beschlossen in der Folge Ende März 1943, mit expliziter päpstlicher Rückendeckung die Zusendung von Seelsorgern an die Arbeiter. Nicht nur Priester meldeten sich, sondern auch Seminaristen und andere engagierte Laien, vor allem aus den Milieus der Pfadfinder und der sogenannten Arbeiterjugend. In diesem Kontext fällt die Verlagerung von Rondeau in die Aachener Region auf. Er wurde der Glasfabrik Saint-Gobain in Stolberg zugeteilt – einer wichtigen Produktionsstätte für Panzerglas. Mit Hilfe des Fabrikverwalters konnte er Messen im Dachgeschoss feiern und später auch hier entlaufene Gefangene verstecken.
Indessen hatte die Euphorie der französischen Arbeiter anlässlich des Hochamts zum Gedenktag der Jungfrau von Orléans in der Berliner Piuskirche Mitte Mai die Machthaber bereits auf die Verfolgungspfade geführt. Am 3. Dezember 1943 unterzeichnete der oberste Jurist der SS, der in den Nürnberger Prozessen gerichtete Ernst Kaltenbrunner (1903–1946), das nach ihm benannte Dekret zum Verbot aller seelsorgerischen Aktivitäten unter den ausländischen Arbeitern und die „Rechtsgrundlage“ für eine ab dem darauffolgenden Sommer wütende Verfolgung. Die Argumentation: Die Pflege der katholischen Religion schützt vor den nihilistischen und fanatischen Zielen der Nationalsozialisten. Wenige Tage vor seinem 33. Geburtstag ist so weit. Angeklagt wegen „priesterlicher Tätigkeit, religiösen Aktivismus und Besuchs der Kranken“ wird Maurice Rondeau am 7. August um 15 Uhr verhaftet und über Deutz in die als Gefängnis dienenden Bauten der einstigen Abtei Brauweiler gebracht. Von dort geht es weiter zum berüchtigten Konzentrationslager Buchenwald, wo er am 17. September unter der Nummer 81805 erfasst wird.
Mit in Zigarettenschachteln und in Dosen versteckte Hostien versorgt er seine Mitgefangenen unaufhaltsam. Im Oktober erkrankt er an Scharlach und setzt seine „Glaubenskonferenzen“ in der Infirmerie fort. Halbwegs genesen wird er wieder „eingesetzt“ mit tagelangen Frondiensten (4 bis 20 Uhr), die er stets mit seelsorgerischen Gesprächen während und nach dem Appell beendet, und damit riskiert und verlängert. Tag für Tag, auch gänzlich erschöpft wie an einem Januartag 1945, hält er seine Mitgefangenen auf diesem unendlichen Kreuzweg.
Am Sterbebett bat er noch folgende Worte an seinen Bischof mitzuteilen: „Ich habe eine sagenhafte Erfahrung in Händen – jene meines Dienstes in Deutschland, sei es im Konzentrationslager, sei es bevor ich dort reingekommen bin…diese Erfahrung setzte eine komplette Hingabe des Selbst voraus, die mir dienend beigebracht wurde.“ Von Gram oder Wut war keine Spur, sondern weiterhin nur von seinem Eifer, Priester für die anderen zu sein. Am 2. Mai 1945 wurde ihm die letzte Ölung gegeben, bevor er am 3. Mai 1945 heimgegangen ist. Er wird vor Ort in Cham beerdigt und 1949 in das dortige Priestergrab in Meaux umbestattet. Auf seinem Grabstein in Meaux, lautet die Inschrift in etwa so:
„Hier ruht Maurice Rondeau, Priester, Lehrer am Kleinseminar in Meaux, Unterfeldwebel im 7. Infanterieregiment und Träger des Kriegskreuzes. Er starb am 3. Mai 1945 in Cham (Bayern) im Alter von 33 Jahren, erschöpft für die Anderen und das Apostolat. Gott hat seine Seele gegeben. Alles, was Christus gelitten hat, haben wir erlitten. Wir haben seine Passion durchlebt. Endlich sind wir zu einem anderen Christus geworden.“
Maurice Rondeau wirkte in gewisser Weise wie ein „Philipp Neri“ des 20. Jahrhunderts: in kompletter Hingabe an Christus, stets fröhlich und mit besonderer Sorge, Kindern und Jugendlichen als gutes Beispiel zu dienen. In seiner Diözese wird er als Fürbitter für die Bewahrung der Einheit in den Familien aufgerufen, unter anderem mit einer im März dieses Jahres eingeführten Novene. 1988 wurde der Seligsprechungsprozess eröffnet, der am 13. Dezember 2025 mit der Seligsprechung der 50 Märtyrer des Apostolats endete.
Text: Ignacio G. L. Bernstorff
(kw)
- ^ Timothée Croux/Marie-Laure Gordien: Le bienheureux Maurice Rondeau. Témoin ardent du Christ pour ses compatriotes, Gorges 2025 : Yeshoua Éditions, S. 11.
- ^ Er gab mehrere Priester in dem Gefangenlager; als Leiter der Seelsorge fungierte der Militärgeistliche der Diözese Laval Jean Piard (1912-1987).
- ^ L’Écho de la Hardthöhe (September, 1943), S. 1 und 3.
- ^https://www.bonner-geschichtswerkstatt.de/index.php/projekte/diverse/55-zwangsarbeit-in-bonn-1939-1945
- ^ Armand Duval, Missionnaires et martyrs. 51 témoins du Christ face au nazisme. Portraits spirituels, Paris 2005 : François-Xavier de Guibert, S. 181.






