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Kritik von Bischof Voderholzer an der Leitung des Synodalen Weges

Vereinbarung der Vollversammlung ignoriert

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Die Leitung des Synodalen Weges setzt sich über protokollierte Absprachen mit den Delegierten hinweg. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer protestiert dagegen und fordert das Präsidium des Synodalen Weges auf, die getroffene Vereinbarung einzuhalten.

Die von der Leitung des Synodalen Weges erneut verschobene Debatte hat die Frage zum Gegenstand, ob die zu verabschiedenden Texte die auch außerhalb der Kirche höchst umstrittene Genderschreibweise verwenden sollen. Bei der zweiten Synodalversammlung im Oktober 2021 wurden die debattierenden Mitglieder auf die dritte Synodalversammlung im Februar 2022 vertröstet. In der nun eingegangenen Einladung teilte das Präsidium mit, dass die Debatte doch erst bei der vierten Synodalversammlung geführt werden soll. Aber die Behandlung der Frage drängt, hängen von den getroffenen Entscheidungen doch nicht nur Stil und Lesbarkeit der abzustimmenden Texte ab. "Sternchentexte" wären auch ein unmissverständliches Bekenntnis zur Genderideologie und damit ein Widerspruch zur biblisch begründeten Anthropologie.

Bereits in der Vergangenheit musste Bischof Voderholzer die Leitung des Synodalen Weges mehrfach dazu drängen, grundlegende demokratische Gepflogenheiten einzuhalten.
 

Offener Brief: TOP „Gendern“ bei dritter Synodalversammlung

Sehr geehrte Damen und Herren des Präsidiums des Synodalen Weges,       

am 3. Oktober 2021 wurde in der zweiten Synodalversammlung (u.a. von Bischof Dr. Gebhard Fürst) die Frage nach der Gender-Schreibweise in den Beschlusstexten des Synodalen Weges aufgeworfen. Kurz vor der Mittagspause gab die Moderatorin Frau Prof. Dr. Claudia Nothelle bekannt, dass ein entsprechender TOP bei der nächsten Synodalversammlung eingeplant sei. Wörtlich sagte sie: „Noch eine Rückmeldung gleich: Unsere nächste Vollversammlung hat schon den ersten Tagesordnungspunkt. Das Präsidium wird nämlich einen Vorschlag einbringen oder eine Vorlage, auf deren Grundlage wir dann über das große Thema ‚Gender / Gendersternchen‘, das ist ja deutlich mehr als nur die Sprache, sprechen und beraten können. Also das habe ich gerade schon, kann ich Ihnen mitgeben als Zusage für die nächste Versammlung.“

Das Protokoll der zweiten Synodalversammlung hält fest: „Die Moderation erklärt, dass das Präsidium bezüglich der Gender-Schreibweise einen Vorschlag erarbeiten wird, der in der nächsten Synodalversammlung besprochen werden könne.“ (Protokoll der zweiten Synodalversammlung, Abschnitt 5.1, Seite 26)

Am 3. Januar 2022 wurde vom Präsidium die Einladung und Tagesordnung zur dritten Synodalversammlung verschickt. Den angekündigten Tagesordnungspunkt sucht man vergeblich. In der Einladung wird darauf hingewiesen, dass das Erweiterte Präsidium – gegen den Wunsch der zweiten Synodalversammlung – beschlossen habe, die Debatte über die Gender-Schreibweise erst in der vierten Synodalversammlung zu führen. Begründet wird dies damit, dass erst dann die Beratungen über einen Handlungstext des Synodalforums IV über trans- und intersexuelle Personen stattfinden. Aus Sicht des Erweiterten Präsidiums kann die Synodalversammlung erst sinnvoll über die Gender-Schreibweise diskutieren, wenn das Synodalforum IV diesen Handlungstext vorgelegt hat.

Aus meiner Sicht ist diese Begründung nicht stichhaltig. Die Debatte über die Gender-Schreibweise wird schon seit Jahren in der Öffentlichkeit geführt. Wissenschaftliche Beiträge hierzu findet jeder in ausreichender Zahl. Um diese Debatte sinnvoll führen zu können, ist die Synodalversammlung nicht auf einen Beschluss des Synodalforums IV angewiesen.

Ich protestiere gegen diese Vorgehensweise. Wieder einmal setzt sich das Präsidium / Erweiterte Präsidium über einen Wunsch der Mitglieder der Synodalversammlung hinweg (vgl. z.B. bezüglich der Frage, ob die zweite Synodalversammlung im Frühjahr 2021 als Online-Veranstaltung durchgeführt werden soll, meine Briefe an das Präsidium vom 20. November 2020 und vom 3. Februar 2021).

Ich beantrage, dass die dritte Synodalversammlung, wie angekündigt und im Protokoll der zweiten Synodalversammlung festgehalten, in einem eigenen Tagesordnungspunkt das Thema „Gender-Schreibweise in Texten des Synodalen Weges“ behandeln wird. Diese Debatte muss logischerweise vor dem endgültigen Beschluss von Texten des Synodalen Weges geführt werden.

Im Gebet verbunden grüßt herzlich

Rudolf Voderholzer
Bischof von Regensburg

 

 

Titelbild: © Synodaler Weg/Maximilian von Lachner