Kopie des Turiner Grabtuches

Bischof Voderholzer eröffnet Ausstellung zum Turiner Grabtuch

„Wer ist der Mann auf dem Tuch?“


Landshut/Regensburg, 10. März 2026

In der Abtei der Zisterzienserinnen in Seligenthal wurde von den Maltesern eine Sonderausstellung konzipiert, die den Besuchern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leiden Jesu vor Augen führt. Nach dem Pontifikalgottesdienst in der Klosterkirche segnete Bischof Rudolf Voderholzer das Faksimile des Turiner Tuches und eröffnete im Beisein vieler Besucher die Ausstellung. Die Kuratorin, Historikerin Baronin Sophie von Bechtolsheim, erklärte das Zustandekommen der Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch – Eine Spurensuche“.

Bei einer Pilgerreise in das Heilige Land besuchten Führungskräfte der Deutschen Malteser in Jerusalem eine Ausstellung, die sich mit dem Turiner Grabtuch befasste. Bernd Falk, in leitender Funktion beim MHD in Köln tätig, entwickelte nach bewegenden Eindrücken eine Vision, die er entschlossen zum Leben erweckte. Seiner Ansicht nach gehöre eine derartige Ausstellung unter das Dach des Malteserordens, dessen Leitspruch nicht nur „Hilfe den Bedürftigen“, sondern auch „Bezeugung des Glaubens“ laute. Er fand in der Ausstellung um das Turiner Grabtuch eine Vereinigung beider Grundsätze auf eigene Art, ebenso wie sie Glauben und Wissenschaft verbindet. Am vorläufigen Ende einer fast sechsjährigen, sehr intensiven Projekt- und Glaubensarbeit konnte im Jahr 2013 eine Ausstellung in Köln eröffnet werden. Es war der Anfang einer ausgedehnten Wanderschaft, die seither weltweit viele Tausende Menschen berührte. Eine spanische Ausstellungsversion wandert durch Südamerika; eine weitere ist in Kasachstan zu sehen. In Regensburg war die von Bettina Trott zu Solz kuratierte Ausstellung vom 19. August bis 10. Oktober 2016 in St. Ulrich zu sehen. Landshut-Seligenthal ist nun die 51. Station im deutschsprachigen Raum. Nikolaus Freiherr von Lüninck sowie Pia und Peter Scherkamp von den Maltesern München begleiteten die Eröffnung, auch um die Schirmherrschaft des Bischofs, der ebenfalls ein Malteser ist, zu würdigen.

Annäherung an Jesus

Sophie von Bechtolsheim nahm vorweg, dass die Frage der Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“, die Theologen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen beschäftigt, bis heute nicht eindeutig beantwortet ist. Die Auseinandersetzung mit dem Tuch beinhalte nicht zwangsläufig eine Entscheidung für oder gegen die Echtheit. Vielmehr ziele sie auf eine intensive Beschäftigung mit dem Leiden, das Jesus für alle Menschen auf sich nahm. Es eröffne sich ein spiritueller Weg, den jeder auf seine eigene Weise beschreiten könne. Für die Baronin drückt sich die Annäherung an die Wesenheit Christi im Psalm 27 aus: „Mein Herz denkt an dein Wort: ‚Sucht mein Angesicht!‘ Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Ich bin gewiss, zu schauen die Güte des Herrn im Land der Lebenden.“ Bei der ersten Betrachtung sei sie enttäuscht gewesen von all den Löchern und davon, dass sie nichts erkannt habe, so Sophie von Bechtolsheim. Nach langer Zeit intensivster Beschäftigung mit der Thematik sei es für sie nicht relevant, ob das Tuch echt sei oder nicht. Jedenfalls berühre es sie zutiefst.

Das Turiner Tuch ist ein 4,40 Meter langes und 1,13 Meter breites kostbares Leinentuch mit einem angenähten Saum, gewebt in einem aufwändigen Fischgrätmuster. Verwahrt wird es in der Kathedrale von Turin. Das Faksimile der Ausstellung umfasst nicht die volle Länge; darauf zu sehen ist das Abbild eines Mannes in Vorder- und Rückansicht. In einem weiteren Raum findet sich eine Nachbildung des Mannes: eine lebensgroße, schlanke Figur mit vor dem Körper gekreuzten Händen und zahlreichen Wunden. Der 3D-Korpus wurde aus den Markierungen des Tuches erstellt. In sieben Vitrinen und dazugehörigen Stelen sind die Leidenswerkzeuge und Folterinstrumente zu sehen, deren Spuren im Tuch zu finden sind und mit denen der dort abgebildete Mann gequält wurde.

Mit Gottes Hilfe

Für die Zisterzienserin Sr. Immaculata Fendt, Koordinatorin und Ansprechpartnerin, erfüllte sich am Sonntag mit der Ausstellungseröffnung ein Herzensanliegen. Seit September letzten Jahres war sie darum bemüht, hochrangige Referenten für die Zeit bis zum 19. April zu finden. Sie sagt, die Möglichkeit, zusammen mit ihren Mitschwestern und vielen anderen dieses geistliche Ereignis in Seligenthal vorzubereiten, sei ihr eine riesige Freude. Sie danke dem Herrn; sehr oft habe sie seine Hilfe spüren dürfen. Die von den Maltesern konzipierte Ausstellung ermögliche es den Besuchern, Religion und Wissenschaft hautnah zu erfahren. Wer sich darauf einlasse, den erwarte ein großes Staunen mit Parallelen zum Evangelium. Sr. Immaculata ist überzeugt: „Der Herr war auf der Erde, er hat das Tuch zurückgelassen, das den Glauben stärkt.“ Die Begegnung mit ihm und den letzten Schritt müsse jeder selbst machen. Mit der Ausstellung im Kreuzgang des Klausurbereichs könne dies, besonders in der jetzigen Fastenzeit, auf außergewöhnliche Weise geschehen. Wer die Ausstellung mit offenem Herzen betrete, werde bereichert und mit Segen wieder herausgehen. „Schauen, schweigen, staunen, sich vom Gebet tragen lassen und den Heiligen Geist um Begleitung bitten“, rät Sr. Immaculata. Neben dem Besuch der Ausstellung lohne sich auch die Teilnahme an den Vorträgen; die Dozenten der kommenden Woche hätten vieles zu sagen. Sr. Immaculata wünscht allen Gästen, dass sie mit Freude dem Herrn in die Augen blicken und in ihrem Glauben an die Auferstehung bestärkt werden.

Text und Fotos: Agnes Wimmer

(jas und SG)

Weitere Infos

Die Ausstellung in der Abtei Seligenthal in Landshut, Bismarckplatz 14, ist bis zum 19. April geöffnet. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen für Gruppen und Führungen nimmt Schwester Immaculata entgegen: sr.immaculata(at)abtei-seligenthal.de, mobil: 0160 99 14 03 76.

Öffnungszeiten:

  • Geöffnet ist die Ausstellung sonntags von 10.30 bis 11.30 Uhr und von 14.00 bis 16.30 Uhr.
  • Von Montag bis Samstag ist der Zugang an den Vormittagen nur nach Anmeldung bei Sr. Immaculata möglich; am Nachmittag besteht freier Zugang von 14.00 bis 16.30 Uhr.
  • Nicht geöffnet ist die Ausstellung am 28. und 29. März, am Karfreitag während der Karfreitagsliturgie sowie am Ostermontag, 6. April 2026.


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