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Zur Neuigkeit
Person der Woche: Sepp Barth, Cheforganisator des Bad Kötztinger Pfingstritts
Anker trotz digitaler Welt
Regensburg/Bad Kötzting, 22. Mai 2026
Im Rahmen unserer Reihe „Person der Woche” stellen wir jede Woche interessante Persönlichkeiten aus dem Bistum Regensburg und darüber hinaus vor. In diesem Beitrag geht es um Sepp Barth, den Cheforganisator des Bad Kötztinger Pfingstritts. Am Pfingstmontag setzen sich in Bad Kötzting wieder mehr als 600 Pfingstreiter in Bewegung. Sepp Barth ist Leitender Zugordner des Pfingstrittes und zuständig bei der Stadtverwaltung für die Abwicklung der gesamten Pfingstfeierlichkeiten, neben seiner Tätigkeit als Kurdirektor von Bad Kötzting.
Sehr geehrter Herr Barth, wo steht der Pfingstritt in diesem Jahr?
Der Kötztinger Pfingstritt steht in diesem Jahr genau da, wo er immer steht und zu stehen hat. Der Pfingstritt ist ein Glaubensbekenntnis zu Pferde und vor allem eine eucharistische Prozession. Das haben wir von Bischof Gerhard Ludwig Müller 2004 dekretiert zurückerhalten, nach der Abschaffung des eucharistischen Ritts 1869 durch Bischof Senestrey. Wir sind uns völlig bewusst, dass dies ein besonderer Auftrag und Verpflichtung ist. Für uns ist es wichtig, dass der Kötztinger Pfingstritt ein sichtbares, hörbares und spürbares Glaubensbekenntnis ist. Unser Grundsatz lautet: „Wir reiten dem Kreuz und der Heimat zu Ehr !“ Das ist für uns der entscheidende Auftrag. Seit dem Verbot von 1869 war es uns immer ein Anliegen, dass der Pfingstritt wieder zur eucharistischen Prozession erhoben wird. Deshalb wurden z.B. auch weiterhin die Laternen als Begleiter des Kreuzträgers an der Spitze des Pfingstrittes mitgeführt.
Was ist in diesem Jahr allerdings neu?
Wir freuen uns, dass Bischof Rudolf Voderholzer zum ersten Mal als Zuschauer dabei sein und dabei auch zu Beginn des Pfingstrittes die an ihm vorbeiziehenden Reiter segnen wird. In früheren Jahren war es so, dass der Bischof von Regensburg ein- oder zweimal in seiner Amtszeit gekommen ist, um sich den Pfingstritt anzuschauen. 2003 sah Bischof Gerhard Ludwig Müller erstmals den Pfingstritt und spürte sofort, welche Kraft und Bedeutung von diesem Glaubensbekenntnis zu Pferde ausgeht, aber auch die Gefahr bestand, dass der Pfingstritt zu einer allgemeinen Folkore absinkt und der religiöse Hintergrund verloren geht. Deshalb setzte er mit dem Dekret und seiner persönlichen Teilnahme ein deutliches und nachhaltiges Zeichen für die Stärkung des religiösen Gehalts beim Pfingstritt. Als Bischof nahm Gerhard Ludwig Müller achtmal am Pfingstritt und viermal als Präfekt/Kardinal teil.
Wie ging es also konkret weiter?
Für uns vor Ort war klar, dass diese aktive und langjährige Teilnahme von Bischof Gerhard Ludwig Müller ein Sonderfall war und wir da keine Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Bischof als seinem Nachfolger aufgebaut haben. Dies geschah nur seitens der überregionalen Medien. Für uns ist auch klar, dass die Diözese Regensburg groß ist und Pfingsten natürlich ein großer und wichtiger Festtag für Jubiläen und Besuche des Bischofs in seinem Bistum ist. Wir können nur mit Stolz sagen, dass wir diesem hohen kirchlichen Auftrag und Anspruch, den der Status „Eucharistische Prozession“ mit sich bringt, seit dem Jahre 2004 gerecht geworden sind.
Und wie schaut es jetzt aus?
Wir freuen uns wirklich sehr, dass uns nun heuer Bischof Rudolf Voderholzer die Ehre gibt und sich erstmals den Pfingstritt anschaut und dabei auch zu Beginn des Rittes die Reiter selbst segnet und im Anschluss nach dem Auszug der Reiterprozession mit der Bevölkerung den Festgottesdienst vor der Kirche St. Veit feiert.

Gut, danke. Und welche weiteren Neuerungen gibt es 2026?
Der Pfingstritt läuft alle Jahre gem. der überlieferten Tradition gleich ab. In diesem Jahr gibt es jedoch die Besonderheit, dass ein neuer Kreuzträger die Reiterprozession anführen wird. Der bisherige Kreuzträger (seit 1999) Sepp Schedlbauer gab dieses besondere Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen an seinen Sohn Stefan ab. Das Kreuz ist das sichtbare Zeichen des Kötztinger Pfingstrittes und führt die Pfingstreiter auf ihrem Weg nach Steinbühl. Deshalb haben wir auch diese Übergabe im Rahmen des Bittganges zum ersten Pfingstritt-Evangelium an Christi Himmelfahrt feierlich vollzogen, denn „wir reiten dem Kreuz und der Heimat zur Ehre“.
Wie wird die Tradition weitergegeben und dadurch erhalten?
Die Pfingsttradition und das Pfingstbrauchtum sind die große identitätsstiftende Klammer in den Herzen unserer Bevölkerung, weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus. Wir haben die Aufgabe, das Erbe und die Tradition unserer Vorfahren zu pflegen und zu bewahren und auch so an die künftigen Generationen weiterzugeben. Dies ist eine schöne und wichtige Verpflichtung, der die Menschen im gesamten Kötztinger Land schon immer gerne und mit großer Leidenschaft nachgekommen sind.
Wie schafft man es überhaupt, Jahr für Jahr mindestens 600 Reiter buchstäblich auf die Beine zu bekommen?
Die Stadt Bad Kötzting und die katholische Kirche in Bad Kötzting sind gemeinsamer Träger des Pfingstritts. Die Stadt mit der Unterstützung und Einbindung von vielen engagierten und traditionsbewussten Bürgerinnen und Bürgern organisieren das Ganze mit den dazugehörigen umfangreichen Vorbereitungen. Zum Pfingstritt gibt es keine Anmeldungen. Jeder, der die Überzeugung hat, beim Pfingstritt aus der Tradition und aus dem Bekenntnis zum christlichen Glauben heraus dabei sein zu wollen, der ist uns herzlich willkommen, er muss nur entsprechend gekleidet sein. Der Pfingstmontag ist der größte Fest- und Feiertag bei uns und dazu gehört dann auch die entsprechende Kleidung. Aus der Geschichte heraus ist der Pfingstritt eine reine Männerwallfahrt. Der Legende nach – die aber einen sehr wahren Kern hat – war es eben ein Versehgang, bei dem Kötztinger Burschen das Allerheiligste begleitet und den Geistlichen geschützt haben. Dennoch oder gerade deshalb sind auch die Frauen eingebunden. Im Anschluss an den Pfingstritt wird nämlich das weltliche Pfingstbrauchtum mit der Pfingsthochzeit gelebt und gefeiert, bei dem dann die Pfingstbraut im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht.
Machen Sie eigentlich auch eine Werbung für den Pfingstritt?
Der Pfingstritt ist seine eigene Werbung. Er ist kein Touristenspektakel, wir brauchen keine Teilnehmer- und Zuschauerrekorde, sondern für uns ist es wichtig, dass der Pfingstritt alle Jahre würdig als eucharistische Prozession und somit als katholisches Glaubensbekenntnis stattfindet. Das zählt für uns und wir tun alles dafür, dass es so sein kann und ist und auch so bleibt. Natürlich freuen wir uns, wenn viele Ritt-Teilnehmer und Zuschauer zum Pfingstritt kommen – entscheidend dabei ist aber für uns, dass sie dabei den Charakter, den Sinn und die Bedeutung der Wallfahrt zu Pferde erkennen.
Hat die Bedeutung der Pfingstbrauchtums für Bad Kötzting nachgelassen?
Nein – die Pfingstbegeisterung und die Pflege der Tradition ist für unsere Stadt und die gesamte Region auch emotional sehr wichtig. Ich habe den festen Eindruck, dass die Bedeutung von Pfingstritt und Pfingsttradition nach wie vor sehr hoch ist und eher noch zugenommen hat. Das Pfingstbrauchtum ist die große, verinnerlichte und geschätzte Möglichkeit der Identitätsstiftung. Dieses Brauchtum und diese Tradition verbinden seit jeher schon Generationen und Familien. Das ist deshalb auch seit Jahrhunderten in den Herzen der Bürgerschaft tief verwurzelt. „Pfingsten in Bad Kötzting“ wird gelebt und gefeiert, es ist der Mittelpunkt im Jahresablauf. Bei uns ist eigentlich das ganze Jahr Pfingsten, drum heißt es ja bei uns auch so schön „nach Pfingsten ist vor Pfingsten“ !
Wie kann das im Jahr 2026 sein?
Gerade in unserer globalisierten Multi-Kulti-Welt, wo niemand mehr weiß, wo er herkommt und wo er hinkommt, ist es eminent wichtig, einen Anker zu haben, etwas, das uns erdet und wo man sicher zumindest daran erinnert, wo die Wurzeln liegen. Das Pfingstfest und die Pfingsttradition sind da einfach diese große generationsübergreifende verbindende Klammer. An Pfingsten wollen alle „dahoam“ sein, das ist so. Dann ist man zumindest für eine Woche wieder bei seinen Wurzeln „geerdet“. Gerade in unserer Zeit, in der modernen, schnelllebigen und digitalen „Wahnsinnswelt“, wenn ich das einmal so nennen darf, ist es ganz wichtig, dass man diese Erdung hat und umso schöner, wenn sie alle gleichzeitig an Pfingsten in der Heimat wieder finden und gemeinsam begehen und feiern.
Wie schaut es mit der Gemütlichkeit aus? Zelt, Bier und Brotzeit?
Zu den Pfingstfeierlichkeiten in Bad Kötzting gehört auch seit 1949 das Pfingstvolksfest, wo wir alle dann eine Woche unser Pfingstfest feiern – es ist unsere 5. Jahreszeit. Die Attraktivität des Pfingstfestes ist untrennbar mit der Pfingsttradition und -begeisterung verbunden. „Nach der Mess‘ die Maß“ feiern wir dann intensiv – aber im Bewusstsein, dass der Kötztinger Pfingstritt der Mittelpunkt und das wichtigste Ereignis der Pfingstfestwoche ist und auch künftig so bleibt !
Die Fragen stellte Veit Neumann von der Katholischen Sonntagszeitung.
Fotos: Christa Rabl-Dachs
(chb)
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