Steinfigur am Kreuzweg

Kreuzweg des rumänischen Bildhauers Aurel Vlad lädt zum Meditieren ein

„Meine Werke sind auf Gott bezogen“


Regensburg, 30. März 2026 

Der „Kreuzweg“ des Bildhauers Aurel Vlad (* 1954 in Galati, Rumänien), der seit 1992 in Beratzhausener Skulpurenpark steht, unterscheidet sich stark von sonst geläufigen Kreuzwegen in Kirchen oder im Freien. Aber der Künstler stammt auch aus einer anderen christlichen Tradition. Auch künstlerisch hat er andere Bezüge. Doch in einem immer mehr zusammenwachsenden Europa hat auch ein solcher Kreuzweg seinen Platz.

Der Kreuzweg ist v.a. in der katholischen Kirche verbreitet und stellt in 14 Stationen (in künstlerischen Darstellungen oft auch mehr) den Leidensweg Jesu Christi von der Verurteilung bis zur Grablegung dar. Dabei fließen auch Ereignisse ein, die nicht biblisch belegt, aber in der Tradition über die Jahrhunderte dazugekommen sind. Der Kreuzweg ist also die bildlich-künstlerische Darstellung der 14 Stationen in Kirchen oder im Freien. Unter freiem Himmel sind die Kreuzwege meist in Richtung eines Gotteshauses angeordnet. Denn der „Kreuzweg“ ist auch die in der Fasten- bzw. Passionszeit (Zeit von Aschermittwoch bis Karsamstag) gebetete Andacht, bei der dann der Leidensweg Jesu durch Schriftlesung und mit Gebeten nachvollzogen wird. Eine Andeutung der Strapazen Jesu können die Teilnehmer beim Kreuzweg im Freien nachempfinden, denn meist führt der Weg bergauf zu einer höher gelegenen Kirche. In erster Linie dienen die Kreuzwege neben der beschriebenen Funktion auch zum persönlichen Gebet der Gläubigen während des übrigen Jahres. Natürlich hat der eine oder andere Kreuzweg wegen seiner künstlerischen Gestaltung auch einen kulturellen oder touristischen Wert.

Im Sommer 1992 geschaffen

Der letztgenannte Aspekt gilt – auch angesichts seiner Entstehung – für den hier näher zu betrachtenden „Kreuzweg“. Der rumänische Bildhauer Aurel Flad hat ihn beim Rumänischen Bildhauersymposium in Beratzhausen vom 4. Juli bis 30. August 1992 geschaffen. Seither steht er – mit weiteren zum gleichen Zeitpunkt und später geschaffenen Kunstwerken - im Skulpturenpark an der Laberwiese und kann das ganze Jahr über besichtigt werden. Natürlich lädt auch er zum Meditieren ein.

Verschiedene biblische Ereignisse eingearbeitet

Aurel Vlad selbst sprach während der Entstehung von einem „Kreuzweg mit dem Titel 'Troitza'“, was übersetzt „Dreieinigkeit“ heißt. Sein „Kreuzweg“ erinnert an einen Scherenschnitt. Aus zwei sich rechtwinklig überlappenden Steinplatten hat er eine Figurengruppe herausgearbeitet. Das Werk ist durchsichtig und filigran, aber auch sehr stark mit den Figuren besetzt. Für Interpretationen lässt er wenig Spielraum zu. Die Grundform ist die eines Kreuzes. In einem „Bild“ zeigt Vlad die Flucht Marias und Jesu auf dem Esel nach Ägypten, die andere Darstellung bildet die Kreuzabnahme (Pieta) ab. Damit wird ausgedrückt, dass das Leben, vom Anfang bis zum Ende, in gewisser Weise ein Kreuzweg ist. Das Werk basiert sehr stark auf Vlads byzantinisch-orthodox geprägten Welt und darf nicht nur vom Künstlerischen und Ästhetischen her gesehen werden. „Meine Werke sind auf Gott bezogen“, meinte der Künstler 1992 während der Arbeit. Angelehnt ist diese Skulptur auch an die traditionelle Sakralkunst Südosteuropas.

Licht und Schatten von Bedeutung

Die von ihm gedachte optische Wirkung erläutert der Bildhauer wie folgt: „Es handelt sich um zwei Figurengruppen, die sich kreuzen und so gestaltet werden, dass das Licht hindurch scheinen kann. Dadurch ergeben sich, je nach dem Stand der Sonne, veränderte Schattenbilder. Wie eine Sinfonie, mit wechselnden Motiven.“ 

In gewisser Weise bestehen auch Parallelen zu den in Bayern weit verbreiteten Marterln und Wegkreuzen, da es auch in Rumänien viele Heiligenfiguren gibt. An die Ausstrahlung dieser religiösen Volkskunst wollte Aurel Vlad ebenso mit seinem Werk anknüpfen. 

Text und Fotos: Markus Bauer
(chb)



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