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Zur Neuigkeit
Notunterkunft für obdachlose Frauen im Caritas Marienheim
Neuanfang am Nullpunkt
Regensburg, 30. März 2026
Vor einem Jahr öffnete in Regensburg das Caritas Marienheim: 31 Zimmer für wohnungslose Frauen. Die Notunterkunft im Erdgeschoss ist die erste und einzige in der Oberpfalz – und bietet Raum für einen Neuanfang.
Die Einrichtung vereint drei Hilfsformen unter einem Dach – Notunterkunft, Wohngruppe und Nachsorge. Es gibt in dem dreistöckigen Haus Einzelzimmer sowie Zimmer, die sich zwei oder drei Frauen teilen. Die Notunterkunft im Erdgeschoss hat dreißig Betten. Knapp 7700 Übernachtungen verzeichnet Diplom-Sozialpädagogin Michaela Sigl, Leiterin der Notunterkunft, fürs erste Jahr. Das sind 7700 Frauennächte unter einem schützenden Dach.
„Zu uns kann jede jederzeit kommen. Wir sind da“
„Wer zu uns kommt, hat alles verloren“, sagt Sigl. „Die Frauen haben ein Bett, ein Regal, einen Spind“. Wenig Platz eröffnet dort viel Raum. „Die Frauen finden bei uns ein Zuhause auf Zeit – und drücken den Reset-Knopf.“
134 Frauen im Alter von 19 bis 84 Jahren hat sie seit dem 1. April 2025 aufgenommen. Sie kommen häufig aus problematischen Beziehungen und sind finanziell abhängig von einem Partner. Viele haben Gewalt erlebt, manche sind drogenabhängig, andere psychisch erkrankt. Die Notunterkunft ist die letzte Anlaufstelle. Sigl sagt: „Zu uns kann jede jederzeit kommen. Wir sind da.“
Sandra (Name geändert), 48, kam als eine der ersten und lebt nun schon seit einem Jahr in der Notunterkunft. In ihrem Spind hat sie einen Rucksack und „Knabberzeugs“, in ihrem Regal stehen Thriller und Fantasyromane neben Shampoo, Make-Up, Wimperntusche. Sie schläft in Bett Nummer 25 in Zimmer 10, das sie mit einer anderen Frau teilt. Sandra rief in einer Nacht vor etwa einem Jahr die Polizei. Ihr Partner, alkoholabhängig, verprügelte sie. In ihre Wohnung kehrte sie nie zurück, seither schläft sie in der Notunterkunft. „Ich bin mein eigener Mensch geworden“, sagt sie.
Ein Schutzraum für Frauen
Das Caritas Marienheim, in dem die Notunterkunft untergebracht ist, versteht sich als Ort des Neuanfangs. Der beeindruckende Bau in der Regensburger Stadtmitte, unweit der Donau, wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und diente früher als Altenheim für Pfarrhaushälterinnen. Bald nahm die Einrichtung auch Männer auf, zuletzt war es ein Heim für Demenzerkrankte. Ende 2023 musste es wegen Personalmangels schließen.
Wie bei seiner ursprünglichen Nutzung wird das Marienheim heute wieder ausschließlich von Frauen bewohnt – ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Arbeit in der Wohnungslosenhilfe: Wenn Frauen Gewalt erlebt haben, erklärt Einrichtungsleiterin Sigl, meiden sie Hilfsangebote, bei denen sie auf Männer stoßen. Die Regensburger Notunterkunft für Frauen ist die erste und einzige ihrer Art in der Oberpfalz – und schließt damit eine Versorgungslücke.
Margarete (Name geändert), 70, lebt seit Juli 2025 in der Ostengasse 36, Zimmer 5, Bett 12. Im Regal: Tupperware, Hygienebeutel, Pullover und T-Shirts. Im Bett: ein Stoffkrokodil. Ihre Geschichte, sagt sie, sei lang und kompliziert, zu lang, um sie zu erzählen. Was auch immer sie herbrachte – das Marienheim ist ihr Zuhause auf Zeit geworden. „Es ist wie das Leben in einer Großfamilie, mit allen Höhen und Tiefen“, sagt sie.
„Wir tun alles, damit sich die Frauen wieder aufrichten können“
Die Caritas Regensburg arbeitet im Marienheim mit einem Mehrphasenmodell – vom Unterbringen in akuter Notlage über die Stabilisierung bis hin zur Wiedereingliederung. Die Notunterkunft gilt als Phase eins: Schutz und Sicherheit. „Wir tun alles, damit sich die Frauen wieder aufrichten können“, sagt Sigl.

Anika Mrazek und Flutura Alihajdaraj, die beiden Sozialpädagoginnen der Notunterkunft, bieten psychosoziale Unterstützung, beraten also bei persönlichen Herausforderungen. Sie unterstützen bei der Entwicklung eines strukturierten Alltags und vermitteln lebenspraktische Fähigkeiten wie Ordnung halten oder Essen zubereiten. Zudem helfen sie beim Beantragen von Sozialleistungen und bei der Job- und Wohnungssuche. „Ich möchte Frauen auf ihrem Weg in ein stabiles Leben begleiten“, sagt Mrazek. „Wir entwickeln gemeinsam mit den Klientinnen Perspektiven und gehen kleine, realistische Schritt in Richtung Stabilisierung“, sagt Alihajdaraj.
Zehn Frauen wurden seit Eröffnung des Marienheims in eigene Wohnungen vermittelt. „Die, die wollen, schaffen das“, sagt Leiterin Michaela Sigl. Der Neuanfang beginnt am Nullpunkt – mit einer Nacht im Caritas Marienheim.
Text: Caritasverband für die Diözese Regensburg e.V.
(SSC)

Weitere Infos
Die Caritas Regensburg arbeitet in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe mit dem NOAH-Mehrphasenmodell:
Phase null bezeichnet die aufsuchende soziale Arbeit, also die Kontaktaufnahme mit den Klientinnen und Klienten durch Streetwork oder mobile soziale Arbeit oder andere Vermittlungswege.
In Phase eins geht es um die Grundversorgung und das Sichern der Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, ein Bett zum Schlafen und die Möglichkeit, sich zu waschen. Das leistet im Marineheim die Notschlafstelle für Frauen und der Tagesaufenthalt.
Phase zwei ist die stationäre Hilfe. Dafür gibt es die Wohngruppe St. Rita für Frauen. Dort werden die Klientinnen rund um die Uhr begleitet, leben in einer Wohngruppe, werden sozialpädagogisch betreut.
Phase drei, die letzte Phase vor dem eigenständigen Wohnen, gleicht einem betreuten Wohnen und wird mit der NOAH-Nachsorge abgedeckt.
Phase vier ist die gelungene Resozialisierung. Natürlich bleibt auch nach gelungener Resozialisierung der Anschluss ans Hilfesystem erhalten.
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Ihre Spende stärkt Frauen. Erfahren Sie mehr zum Projekt auf der Webseite: www.caritas-marienheim.de
Caritasverband für die Diözese Regensburg e.V.
Liga Bank Regensburg
IBAN: DE94 7509 0300 0000 0007 60 Swift-BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Caritas Marienheim




