News Bild „Jugendlichen helfen einen eigenen Glauben zu entwickeln, der sich der katholisch-christlichen Tradition verbunden weiß“ - Fachtagung „Religiöse Bildung in der Kirchlichen Jugendarbeit“ / Abschluss des log!-Projekts

„Jugendlichen helfen einen eigenen Glauben zu entwickeln, der sich der katholisch-christlichen Tradition verbunden weiß“ - Fachtagung „Religiöse Bildung in der Kirchlichen Jugendarbeit“ / Abschluss des log!-Projekts

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Rund 50 Teilnehmer zählten die Verantwortlichen des Bischöflichen Jugendamts bei der Fachtagung „Religiöse Bildung in der Kirchlichen Jugendarbeit“ im Regensburger Diözesan-zentrum Obermünster, die gleichzeitig den offiziellen Abschluss des Pilotprojektes im Landkreis Cham mit dem Titel „log! lebst du nur oder glaubst du schon?“ bildete.

Nach der Begrüßung von Domkapitular Neumüller, der anwesenden Referenten und Teil-nehmer der Fachtagung durch den Diözesanjugendpfarrer und BDKJ-Präses Domvikar Thomas Pinzer moderierte der stellvertretende Jugendamtsleiter Gerhard Büchl die Veranstaltung. Und schon der Beitrag von Prof. DDr. Peter Beer, Leiter des Katholischen Büros in München bildete einen gelungenen Auftakt zur Veranstaltung. „Was ist eigentlich ‚religiöse Bildung’?“ war das Thema, das der Referent außerordentlich kurzweilig und geradezu hand-greiflich zu entfalten wusste: Indem er etliche Teilnehmer nach vorne holte und sie als Symbole immer wieder neu stellte und arrangierte, gelang es ihm auf sehr anschauliche Weise, die zentralen Begriffe (religiöse) Erziehung, (religiöse) Sozialisation und (religiöse) Bildung zu erklären.

Alle drei Grundkategorien pädagogischen Handelns seien notwendig, dürften aber niemals verabsolutiert werden, so Beer. Gerade in einer Zeit, da das Thema „Bildung“ in aller Munde sei und von allen zuständigen Trägern neu und konkret eingefordert würde, sei es entscheidend, sich zu vergewissern, was Bildung ist und dabei dürften die verschiedenen pädagogischen Handlungsformen nicht verwechselt werden. Der deutsche Begriff „Bildung“ betreffe den Menschen als ganzheitliche Person und ist schon im Mittelalter geprägt worden im Zusammenhang mit der Nachfolge Christi als konsequente Form der Gottebenbildlichkeit.

Im Anschluss an diese Begriffsklärung und Vergewisserung gab Christian Heitzer, Kirchlicher Jugendpfleger im Landkreis Cham, Einblicke in das Praxisprojekt religiöser Bildung mit dem Titel „log! lebst du nur oder glaubst du schon?“ (log!-Projekt), dessen Praxisphase im Schuljahr 2007/08 im Landkreis Cham lief. Dabei ging er zunächst darauf ein, wie es überhaupt zu diesem Pilotprojekt der Kirchlichen Jugendarbeit kam und welche Ziele damit verbunden waren. Anschließend erläuterte er den Verlauf und referierte zentrale Ergebnisse: Die Kath. Jugendstelle hatte es verstanden, 40 Projektpartner (darunter 18 Pfarreien/Seelsorgseinheiten,15 Schulen – von der Förderschule bis zum Gymnasium, die katholischen Jugendverbände, die Kath. Erwachsenenbildung und den Caritas-Verband) mit über 90 Gruppen für das Projekt zu interessieren.

Mehr als 2.500 „log!bücher“ (= Begleit- und Mitmachbroschüren zum Projekt) wurden an junge Menschen ausgegeben; die beiden regionalen Zeitungen kooperierten mit einer eigenen wöchentlichen Pressereihe („Was glaubt eigentlich…?“), in der 25 junge Menschen und Persönlichkeiten im Landkreis zu ihrem eigenen Glauben Stellung nahmen; über 50 Veranstaltungen, Aktionen und Termine auf unterschiedlichen Ebenen (Pfarreien, Dekanat und Landkreis) waren zusammengekommen und mehr als 1.000 Teilnehmer wurden gezählt; „log!“ habe sich quasi zu einer Marke Kirchlicher Jugendarbeit entwickelt.

Das Projekt wurde auch mittels zweier Fragebögen evaluiert. Über 800 Fragebö-gen mussten ausgewertet werden. Die Auswertung zeigt unter anderem, dass am Ende des Projektjahres für fast doppelt so viele Jugendliche „in Gesprächen mit Freunden Religion eine wichtige Rolle spielt“ und jedem Dritten (34%) „der Glaube an Gott jetzt wichtiger ist also zu Beginn“ des Projektjahres. Als erstes Ergebnis der wissenschaftlichen Reflexion des log!-Projekts stellte Heitzer anschließend eine Skizze für ein Modell religiöser Bildung in der Kirchlichen Jugendarbeit vor.

Demnach beinhalte religiöse Bildungsarbeit drei Dimensionen – dargestellt als drei konzentrische Kreise: Der innerster Kreis stellt die existenzielle Dimension dar, indem religiöse Bildungsarbeit der Lebensbewältigung und Lebenskompetenz der (jungen) Menschen diene; der mittlere Kreis steht für die „theologische“ Dimension, worin es um die Notwendigkeit der Entwicklung eines eigenen Glaubens (Glaubensbildung) durch religiöse Erfahrung und in der Auseinandersetzung über Gott und die Welt geht; der äußere der drei Kreise symbolisiert die konfessionelle Dimension, womit religiöse Bildungsarbeit deutlich machen will, dass zu einem reifen Glauben neben der Erdung im Leben (existenzielle Dimension) und einem durch die Auseinandersetzung mit Gott und der Welt erworbenen eigenen Glauben (theologische Dimension) auch die Verankerung in einer konkreten religi-ösen Tradition (hier die katholisch-christliche) gehöre. Insgesamt, so Heitzer, stehe religiöse Bildung in der kirchlichen Jugendarbeit dafür, „Jugendlichen Räume und Gelegenheiten zu geben, einen eigenen Glauben zu entwickeln, der sich der katholisch-christlichen Tradition verbunden weiß“.

Abschließend stellte Christian Heitzer noch einige Thesen vor und machte konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung der Kirchlichen Jugendarbeit (in der Diözese Regensburg).

Nach einem Mittagessen war für die Teilnehmer der Fachtagung Gelegenheit, sich im Foyer des Konferenzraums anhand von Stellwänden und mit Hilfe von Laptops selbst einen Eindruck vom Verlauf und den Ergebnissen des log!-Projekts zu verschaffen. Anhand zweier Bausteine aus dem log!-Projekt zeigte dann noch einmal Christian Heitzer sehr praktisch auf, wie im Rahmen des Projekts versucht wurde, für die Jugendlichen Gelegenheiten zu schaffen, sich der persönlichen Glaubensspuren und -überzeugungen bewusst zu werden und zu entdecken, welche Erfahrungen auch religiös gedeutet werden können. Der dritte und die Fachtagung inhaltlich abrundende Beitrag war Prof. Dr. Martin Lechner, Inhaber des Lehrstuhls für Jugendpastoral an der Philosophisch-theologischen Hochschule in Benediktbeuern, vorbehalten. Anhand eines Blicks in die Geschichte Kirchlicher Jugendarbeit seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zeigte er „Perspektiven religiöser Bildung in der Kirchlichen Jugendarbeit“ auf.

Entscheidend sei dabei der Wechsel im Offenbarungsverständnis von einem instruktions- zu einem kommunikationstheoretischen Modell: Gott offenbare sich den Menschen in, unter und durch die Menschen – was in der Menschwerdung durch Christus sein entscheidendes Datum finde. Gerade in einer postmodernen individualisierten und pluralistischen Gesellschaft könne der Glaube nur über authentische Menschen („personales Angebot“ heißt das im Synodenbeschluss von 1975) und im Modus der Kommunikation, also des Mitteilens und Miteinander Teilens, vermittelt bzw. von den jungen Menschen selbst angeeignet werden. Einen engen Begriff von Katechese, der das Interesse der Menschen in die konkrete Einweisung in die entsprechende Tradition voraussetzt, muss die Kirchliche Jugendarbeit auf die Gemeinde verweisen. Für einen weiten Katechesebegriff („das oberste Ziel des katechetischen Wirkens besteht darin, dem Menschen zu helfen, dass sein Leben gelingt, indem er auf den Zuspruch und den Anspruch Gottes eingeht“, Papier von afj/BDKJ von 1976) sei sie allerdings durchaus ein geeigneter Ort.

Zum Schluss der Veranstaltung bot eine Diskussionsrunde noch einmal Gelegenheit zum Austausch und zur Rückmeldung. Ausdrücklich wurde dabei die logische und inhaltliche Stimmigkeit der Fachtagung gelobt. - Unter dem Titel „katalog!“ gibt es übrigens eine ausführliche Dokumentation des log!-Projekts. Sie ist inklusive einer CD mit vielen Ergebnissen, Audio- und Videobeiträgen zum Projekt und konkreten Praxiskonzepten für 13 EUR ab sofort im Bischöflichen Jugendamt Regensburg erhältlich.