Figur fällt unter dem Kreuz

In der trockenen Weite im Nordosten Kenias blüht das Evangelium

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 06. März 2026 

Ein Bischof spricht über seine Diözese in Nordwesten Kenias. Der Oberhirte von Lodwar spricht über Mission, Armut, weite Wege und Menschen, die sich nach dem Wort Gottes sehnen. Im Interview mit dem Portal der kenianischen Bischofskonferenz hat er seine Diözese vorgestellt. 

"Unsere Leute sind manchmal zwei oder drei Tage ohne Essen, kommen aber mit Freude zur Messe", beschreibt Bischof John Mbinda von der katholischen Diözese Lodwar die Widerstandsfähigkeit der Christen im weiten nordwestlichen Missionsgebiet Kenias. Das Bistum Lodwar umfasst den nördlichen zentralen Teil der ehemaligen Provinz Rift Valley, die heute Turkana County genannt wird. In der Diözese, die an den Südsudan und an Äthiopien und Uganda grenzt, leben rund 220.000 Katholiken. Diese stellen mit 18 Prozent knapp ein Fünftel der Bevölkerung. Ungefähr 1,18 Millionen Menschen leben auf dem Gebiet des Bistums. Der jugendlich wirkende Bischof ist 1973 geboren. Er gehört dem Orden der Spiritaner an, dem er 1993 beitrat. Außer Philosophie und Theologie, die er in Kenia studierte, hat er in Irland am Kimmage Development Studies Centre einen Master im Fach Entwicklungsforschung erworben. 2022 hat ihn Papst Franziskus zum Bischof von Lodwar ernannt. 

Ein Gespräch über sein Bistum 

Im Gespräch mit „The Catholic Mirror Online“ zeichnete der Bischof ein lebendiges Bild seiner Diözese. Geprägt wird das Leben der Menschen dort von Hunger, großen Entfernungen und finanziellen Belastungen. Dennoch sind die Menschen von tiefem Glauben und missionarischem Eifer getragen. Seine Diözese erstreckt sich über fast 77.000 Quadratkilometer im Turkana County. Das ist eine trockene und halbtrockene Region. Die Einwohner gehören überwiegend der Turkana-Gemeinschaft an. Die Temperaturen steigen regelmäßig über 37 Grad Celsius und Wasser ist knapp. Die Infrastruktur in der Landschaft bleibt außerhalb der Hauptstraße, die den Ort Kitale mit der Grenze zum Südsudan verbindet, sehr eingeschränkt. Nur 1,5 Prozent der Haushalte sind an die Stromversorgung angeschlossen. 70 Prozent der Einwohner leben als Nomaden. 

Die Kirche vor Ort muss eine Antwort auf die nomadische Struktur finden. Der Bischof berichtet im Gespräch darüber. Um nomadische Bevölkerungen zu erreichen, hat die Diözese nomadische Katecheten gebildet, die mit Viehhirtenfamilien auf der Suche nach Wasser und Weideland ziehen. "Sie evangelisieren weiterhin unterwegs", sagte Bischof Mbinda. Doch die Aufrechterhaltung dieser missionarischen Struktur ist kostspielig. Die Katechisten benötigen eine Ausbildung, sie brauchen Lehrbildung und stetige Fortbildung. Natürlich brauchen sie auch eine bescheidene Vergütung. Selbst die Einberufung eines einfachen Treffens seiner Mitarbeiter erfordert Transportmöglichkeiten für Reisende aus entfernten Gebieten. Lodwar ist nicht nur die Bistumsstadt, sie ist auch Hauptstadt des County. Turkana ist das flächenmäßig größte County in Kenia. Daher sind die Wege weit. 

Hier findet Erstverkündigung statt

Über sein Bistum sagt der Bischof: „Dies ist ein Bereich der ersten Evangelisierung“. Wir gehen zu den Menschen, bleiben bei ihnen. Erstverkündigung des Evangeliums ist eine mühsame Aufgabe. Wenn die Menschen etwas Gutes in der Kirche und in den Pastoren sehen, dann „beginnen sie, uns um Unterweisung und Bekehrung zu bitten“, beschreibt Bischof Mbinda den Ablauf der Mission. 

Die Diözese betreibt 33 Pfarreien. Viele davon liegen in äußerst abgelegenen Gebieten seines Bistums. Im Grunde müssten die Pfarreien den Unterhalt für ihre Seelsorger aufbringen. Der Bischof stellt im Gespräch schnell klar: „Unsere Pfarreien sind keine selbsttragenden Pfarreien. Sie sind kämpfende Pfarreien“, so nennt sie der Bischof, „die gegründet wurden, um das Wort Gottes dem Volk näherzubringen.“ Die Sonntagssammlungen in vielen Gemeinden, so berichtet der Bischof, reichen nicht einmal aus, um die Treibstoffkosten für Priester und Katecheten zu decken, die lange Strecken über unwegsames Gelände zurücklegen müssen. 

Das alles ist für den Bischof eine große Last, wie er im Interview zugab. „Wir müssen Priester, Ordensbrüder und -schwestern, Katecheten und Laienhelfer unterstützen, damit die Diözese funktionieren kann.“ Er äußerte Besorgnis darüber, dass die finanzielle Unterstützung für die pastorale Arbeit abnimmt. „Heutzutage will niemand mehr die pastorale Arbeit finanzieren. Niemand will von der Finanzierung eines Fahrzeugs für Evangelisierung oder die Ausbildung von Katecheten hören“, sagte er. „Es gibt nur noch wenige Partner, die nur sehr wenig, um die pastoralen Bedürfnisse des Bistums zu finanzieren.“ Mit dem Gespräch verband der Bischof den Appell an besser ausgestattete katholische Gemeinden, die Missionsgebiete zu unterstützen, in denen die Evangelisierung noch immer eine Erstverkündigung ist. „Wir brauchen Hilfe, um Mitarbeiter der Evangelisierung unterhalten zu können und den Glauben zu verbreiten.“

Viel Sozialarbeit der Kirche

Über die reine Evangelisierung hinaus, also die Verkündigung des Wortes, nimmt die Diözese sehr viel öffentliche Sozialarbeit wahr. „In diesen abgelegenen Gebieten“, erklärt Bischof Mbinda, „ist die Kirche die manchmal die stärkste Präsenz. Wir kommen in vielen Fällen dorthin, wo selbst die Regierung noch nicht angekommen ist.“ Der Bischof wird konkret. Die Diözese betreibt mehr als 18 Gesundheitseinrichtungen in abgelegenen Teilen Turkana County. Der Übergang zum neuen Sozialversicherungssystem in Kenia hat jedoch finanzielle Probleme verursacht. Das System ist massiv unterfinanziert und in vielen Fällen in Zahlungsverzug. Erst jüngst hatte das Gesundheitsministerium hatte die Nationalversammlung dringend um finanzielle Unterstützung in Höhe von 53 Milliarden Schilling (ca. 350 Millionen Euro) gebeten, um ausstehende Anträge auf die Primärversorgung zu.

"Wenn wir den Service leisten und keine Rückerstattung erhalten, wird es sehr schwierig, die Einrichtungen zu betreiben", erklärte der Bischof. Einige Zentren stünden nun wegen unbezahlter Erstattungen und steigender Betriebskosten vor einer möglichen Schließung. Wasserprojekte, so Bischof Mbinda, blieben eine weitere Kernpriorität. Die Diözese bohrt und unterhält Brunnen in Wüstengemeinden. „Wasser ist eines der größten Geschenke, die man einem Volk unter solchen Bedingungen machen kann“, sagte er und betonte die Bedeutung von Umweltschutz und Baumpflanzinitiativen in der Nähe von Wasserstellen, die das Bistum ebenfalls unterstützt.

Die Diözese betreut außerdem eine der größten Flüchtlingssiedlungen Afrikas, das Kakuma-Flüchtlingslager, das mehr als 250.000 Flüchtlinge beherbergt. „Wir sind voll in das Leben der Flüchtlinge eingebunden“, sagt Bischof Mbinda und hebt die Zusammenarbeit mit dem UNHCR und anderen Partnern hervor. Religiöse Gemeinschaften, darunter die Salesianer von Don Bosco, bieten technische Ausbildung an, während Ordensfrauen Schneiderkurse und Allgemeinbildung für die Flüchtlinge anbieten. Die jüngste weltweite Mittelkürzung hatte zur Folge, dass die Lebensmittelrationen im Lager reduziert wurden, was zu Spannungen führte. „Die Kirche tut hier ihr Bestes“, versichert der Bischof.

Trotz der überwältigenden Anforderungen bleibt Bischof Mbinda hoffnungsvoll. „Das größte Potenzial, das wir haben, ist die Sehnsucht der Menschen, dass wir Ihnen das Evangelium verkünden“, sagte er. „Sie wollen etwas über Christus lernen. Sie wollen Teil des katholischen Glaubens sein.“ In der trockenen Weite von Turkana, wo materielle Ressourcen knapp sind, ist der Glaube und die Sehnsucht nach dem Evangelium reichlich vorhanden. In den Worten von Bischof Mbinda klingt er nach, dieser anhaltende Hunger nach Christus, der die Mission der Kirche in Lodwar trägt.

Text: Peter Winnemöller
Foto: shutterstock



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