Kreuzverehrung durch den Bischof

Bischof Rudolf Voderholzer feiert am Karfreitag die Feier vom Leiden und Sterben Christi

Gemeinsam Aufstehen für verfolgte Christen


Regensburg, 3. April 2026

Um 15 Uhr begann am Karfreitag im Regensburger Dom St. Peter die traditionelle Feier vom Leiden und Sterben Christi. Es ist die überlieferte Todesstunde Jesu Christi. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer stand der Feier vor, zu der zahlreiche Gläubige in die Kathedrale gekommen waren.

Im Zentrum der Trauermette stand die gesungene Johannespassion in einer Vertonung von Hermann Schroeder, die den Leidensweg Jesu in eindrucksvoller Weise musikalisch vergegenwärtigt. Ein besonderer Moment war die feierliche Enthüllung des Kreuzes, die in drei Schritten durch den Diözesanbischof vollzogen wurde. Daran schloss sich die Kreuzverehrung durch Bischof, Priester und Gläubige an. Dabei wurde das Kreuz vom Diakon durch den Mittelgang getragen.

Am Altar feierten mit dem Diözesanbischof Weihbischof Dr. Josef Graf, das Regensburger Domkapitel, das Stiftskapitel St. Johann sowie Diakon Michael Weißmann. Die Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß gestalteten die Feier musikalisch.

Gemäß katholischer Tradition bleiben die Kirchenglocken an Karfreitag und Karsamstag stumm. Als Ausdruck der Trauer schweigen sie vom Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternacht. Man sagt, die Glocken „flögen nach Rom“.

Weltweit mehr als 388 Millionen verfolgte Christen

In seiner Predigt blickte Bischof Rudolf auf die weltweit verfolgten Christen, die ihren Glauben nicht frei ausüben können: „Wir hier in Regensburg können es in Freiheit, in Frieden! Wir müssen nicht befürchten, dass wir wegen unseres Glaubens bedrängt, verfolgt, angezeigt oder sogar getötet werden. Dass manche über uns den Kopf schütteln, oder gar auslachen, halten wir aus, schulden wir doch einer orientierungslos und hoffnungslos gewordenen Welt das Zeugnis eines frohen Glaubens“, so der Bischof.

Nach neuesten Informationen von Open Doors, einer überkonfessionellen Organisation, habe sich die Verfolgung weltweit gegenüber dem Vorjahr weiter leicht verschärft, berichtete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Weltweit seien mehr als 388 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. In den 50 Ländern mit dem höchsten Verfolgungsgrad gelte dies sogar in einem sehr hohen bis extremen Maß. Davon betroffen seien 315 Millionen der dort lebenden Christen. Unmöglich, ein Kreuz um den Hals zu tragen, eine Bibel auch nur besitzen, geschweige denn, öffentlich den Glauben zu praktizieren. Hinzu kämen Schikanen und Diskriminierung. Beispiele seien dafür Nordkorea, Pakistan oder der Norden Nigerias.


Christliches Abendland zu neuer Ausstrahlung und Lebenskraft verhelfen

Hinzu komme der Eindruck, so der Diözesanbischof weiter, dass das Christentum in den westlich geprägten Zivilisationen am Absterben sei, keine Lebenskraft mehr habe, auch keine Widerstandskraft, nicht nur kulturell, sondern auch was die Demographie beträfe. Daraus leiteten entsprechende Kräfte in den besagten Ländern die Legitimation ab, auch dort schon gegen die Christen als Anhänger einer ohnehin untergehenden Religion vorzugehen.  „Wir werden diese Situation nicht von heute auf morgen und durch unsere Aktivitäten ändern können. Ein erster Schritt wäre natürlich schon der, unserem müde und schlapp gewordenen alten christlichen Abendland zu neuer Ausstrahlung und Lebenskraft zu verhelfen. Was wir aber darüber hinaus tun sollten: Viel öfter und entschiedener auf dieses Faktum der Christenverfolgung hinweisen, protestieren, das Leid und die Not unserer Schwester und Brüder im Glauben in Erinnerung zu halten und beim Namen nennen“, so der Appell des Bischofs. 


Die Situation im Heiligen Land

Bei der Auflistung der Länder mit Christenverfolgung komme ein Land nicht vor, weil dort zwar tatsächlich Christen nicht verfolgt werden. Es ist das Heilige Land selbst, Israel, vor allem die West-Bank mit Betlehem, dem Geburtsort Jesu, der Gaza Streifen. Die Lebenssituation für die dortigen Christen verschlechtere sich derart, dass die Gefahr besteht, dass es bald gar keine Christen mehr dort geben werde, berichtete der Bischof. Die Lebensbedingungen dort würden immer unerträglicher werden, Pilger blieben aus, Kontrollen und zum Teil äußerst rigide Sicherheitsvorkehrungen schränkten die Bewegungsfreiheit massiv ein und viele junge Leute überlegten, von dort auszuwandern. 

Vom Kreuz kommt Frieden und Versöhnung

„Woher kommt Hoffnung? Hoffnung, dass im Heiligen Land, an den Orten des Wirkens, des Todes und der Auferstehung Jesu auch weiterhin Christen präsent sein werden? Ich sehe keine andere Hoffnung als das Kreuz und die konsequente Nachfolge des Gekreuzigten. In einer mindestens so dramatischen Situation – Jerusalem war besetzt – hat im Jahr 1220 der heilige Franz von Assisi das Heilige Land besucht. Der Armut aber und der Wehrlosigkeit seiner konsequenten Christusnachfolge konnte selbst der Sultan nicht widerstehen. Und so sind Franziskaner bis auf den heutigen Tag die Wächter der heiligen Stätten“, erklärte Bischof Rudolf Voderholzer.

Und abschließend: „Wo sonst sollten Frieden und Versöhnung herkommen können, außer vom Kreuz; von dem, der am Kreuz sogar für seine Peiniger gebetet hat. Und so beugen wir vor dem Kreuz unser Knie, und mit dem heiligen Franz von Assisi sprechen wir: Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ, hier und in allen Deinen Kirchen auf der ganzen Welt, und wir preisen Dich, denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst“, so der Bischof abschließend in seiner Predigt.

Text und Fotos: Jakob Schötz
(jas)



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