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Erster Fastensonntag: Bitte wenden!

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In der Fastenzeit geht es nicht nur um Verzicht. Vielmehr soll der Mensch seinen Blick wenden und einen neuen Blick auf die Welt bekommen, schreibt unser Autor Benedikt Bögle.

Jeder kennt verfahrene Situationen. Man weiß nicht mehr weiter, findet keinen Ausweg. Das gibt es bei den großen Entscheidungen im Leben – klar. Aber auch im Alltag. Man sitzt vor Matheaufgaben und hat keine Ahnung, wie man zu einem Ergebnis kommen kann. Man hat sich in einer verwinkelten Stadt verfahren und rätselt, wie man zum Ziel kommen kann. Manchmal bekommt man einen so starren Blick auf die Dinge, dass man sie nur noch auf eine Weise sehen kann. Die Matheaufgabe ist ein unlösbares Gewirr von Zahlen und Buchstaben, die fremde Stadt ein undurchdringliches Dickicht.

Wenn man dann um Hilfe bittet, lichtet sich oft der Nebel: Die richtige Lösung der Aufgabe stand die ganze Zeit schon auf dem Papier, mit dem Auto hatte man sich zwar verfahren, aber bis zum Ziel sind es nur noch wenige Meter. Manchmal brauchen wir etwas, das unseren Blick wenden kann und eine neue Perspektive ermöglicht. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein: Eine Pause, ein geliebter Mensch mit einem guten Wort, ein kurzer Spaziergang.

 

Denk um!

Am ersten Fastensonntag spricht das Evangelium (Markus 1,12-15) von genau einer solcher Kehrtwende. Jesus sagt da: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Was im deutschen mit „kehrt um“ übersetzt ist, heißt im Griechischen „metanoiete“. Ganz wörtlich gemeint heißt das: Wendet euren Sinn! Es geht um genau diese Situationen unseres Lebens, in denen unser Blick so starr geworden ist, dass wir eigentlich nichts mehr sehen können. Jesus sagt: Denkt um! Und er hat einen Tipp. Jesus empfiehlt keine Pause und keinen Spaziergang. Vom Leben kann man auch schlecht eine Pause machen. Er empfiehlt schlicht: Das Evangelium. „Glaubt an das Evangelium!“ Das ist seine Botschaft.

 

Fasten ist zweitrangig

Das ist auch ein sehr wichtiger Aspekt für die Fastenzeit. Denn eigentlich geht es nicht um den Verzicht, zumindest nicht um das Verzichten als solches. Das Fasten kann dabei helfen, den Blick zu wenden. Wenn das aber unterbleibt, hat das Fasten keinen großen Wert. Jesus will den Blick auf die wichtigen Dinge lenken. Und das ist das Evangelium. Was er genau mit diesem Begriff meint, sagt er aber nicht. Übersetzt heißt Evangelium einfach „gute Nachricht“. Gute Nachrichten gibt es viele. Menschen werden gesund, die Arbeit vor dem Feierabend ist geschafft, das Auto hat es durch den TÜV geschafft – das sind alles gute Nachrichten, über die man sich normalerweise freut. Aber das meint Jesus nicht.

 

Jesus ist eine frohe Botschaft

Jesus meint mit der frohen Botschaft sich selbst. Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit den Worten: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus“. Auch Markus liefert keine Definition von „Evangelium“. Was auf diese Einleitung folgt, ist einfach die Geschichte von Jesus: Von seiner Taufe, seinen Predigten, seinen Wundern, seinem Leiden, Sterben und Auferstehen. Das alles ist die frohe Botschaft.

Natürlich stellt sich die Frage: Was bringt mir das? Gut möglich, dass Jesus gelebt hat, könnte man sagen; gut möglich, dass er vielleicht auch so etwas wie Wunder vollbracht hat. Auch dass er am Kreuz starb ist denkbar. Dass er auferstand? Wohl kaum. Selbst wenn – was bringt mir das? Ich sehe Jesus heute nicht, ich höre seine Predigten nicht, sehe nicht wie er Kranke heilt. Vielleicht war Jesus ein guter Mann, der das Andenken der Jahrhunderte überdauert hat. Doch – was bringt mir das?

 

Jeder muss umdenken

Im Leben Jesu lässt sich nichts beweisen. Es gibt zwar den ein oder anderen Grund, der darauf schließen lässt, dass er tatsächlich gelebt hat. Aber alles andere ist der Wissenschaft vermutlich für immer entzogen. Die Wunder können nicht bewiesen werden, ebenso wenig seine Auferstehung. Und doch gab es seit zwei Jahrtausenden und gibt es noch immer Menschen, die dem Aufruf Jesu gefolgt sind und ihr Leben geändert haben. Die einfach mal den Blick gewandt haben, eine neue Sichtweise auf die Welt und ihr Leben bekommen haben. Die Kirche feiert jedes Jahr die Fastenzeit, um sich dessen wieder bewusst zu werden: Dass wir immer wieder den Blick neu ausrichten müssen. Das muss jeder Christ, immer wieder. Die Fastenzeit ist für alle Menschen die große Chance, umzudenken. Wir kennen das, wenn man sich verfährt: Irgendwann nervt das Navi, wenn es wiederholt zu bedenken gibt, man möge doch bitte wenden. Aber meistens hat es recht.