Blick in die neun Meter hohe frühere Galluskapelle, hell und offen

Geschichtsträchtiges Gebäude wird Institut für religiöse Alltagskultur

Forschung in historischen Mauern


Regensburg, 4. März 2026

Die Einweihung des Forschungszentrums erfolgt in wenigen Wochen, dann ist auch die zweistöckige Galluskapelle wieder in ihrer ganzen Höhe erlebbar. Eineinhalb Jahre war das Gebäude in der Schwarze-Bären-Straße meist hinter Baugerüsten verborgen. Nun strahlt es frisch saniert in Weiß und hellem Gelb, die ursprüngliche Gliederung ist wieder deutlich erkennbar. In den „Ehrenfelser Hof“ zieht das Institut für religiöse Alltagskultur.

„Das wird ein Ort der Sachkulturforschung“, erläutert Christa Haubelt-Schlosser. Sie leitet die Fachstelle für Religiöse Volkskunst und wird in Zukunft von ihrem Büro aus im neuen Institut arbeiten. „Es entsteht ein Zentrum für Forschung und Dialog“, führt die Wissenschaftlerin aus. Neben Büros entstehen eine kleine Fachbibliothek, ein Raum für Austausch und Vorträge sowie ein Schaudepot. Die Forschungsstelle hat keine freien Öffnungszeiten, steht jedoch Wissenschaftlern und Gästen nach Anmeldung offen.

Adelsgeschlecht der Ehrenfelser

Ursprünglich gehörte der Ehrenfelser Hof dem Kloster Rott. Der Name geht auf Konrad von Ehrenfels zurück. Der Domkanoniker und Probst der Alten Kapelle lebte dort bis 1280 und ist der früheste nachweisbare Bewohner. Er stammte aus dem weitverzweigten Adelsgeschlecht der Ehrenfelser. Eine Burg der Familie stand bei Beratzhausen.

Das im Barock umgebaute Gebäude ist noch älter. Die Keller stammen aus dem 12. Jahrhundert, die imposanten romanischen Gewölbe sind dort noch erhalten. Der ganze Komplex befindet sich mitten im früheren römischen Legionslager und an der römischen Hauptstraße, was Bodeneingriffe heute sehr schwierig macht. Von der Schwarze-Bären-Straße aus ist nur ein kleiner, schmaler Teil erkennbar, die gesamte Dimension des Komplexes erschließt sich Besuchern erst im Inneren. Das Haus umfasst Nebengebäude, Hof und Garten, Gewölbekeller und Dach. Das Kaltdach ist rund 700 Jahre alt und in gutem Zustand, doch es musste neu gedeckt werden. Die Forschungsstelle wird das Erdgeschoss sowie den ersten Stock beziehen.

Eindrucksvolles Portal an der Straße

In der Straße befand sich im 17. Jahrhundert an der Ecke zur heutigen Salzburgergasse das Gasthaus „Zum Schwarzen Bären“, woher der Straßenname stammt. Es zählte damals zu den ersten Adressen in der Stadt und bestand bis 1830.

Noch heute weist das eindrucksvolle Portal an der Straße auf die große Hauskapelle hin. Die fast neun Meter hohe romanische Galluskapelle stammt ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert. Geweiht ist sie dem Mönch und Einsiedler Gallus, bekannt als Gründer des Klosters St. Gallen in der Schweiz. Er wirkte im frühen Mittelalter als Missionar. Wenige Kirchen im Bistum Regensburg sind dem heiligen Gallus geweiht, etwa in Sandharlanden. In Mainburg erinnert der jährliche Gallimarkt im Oktober an den Heiligen, das Fest wird seit dem 14. jahrhundert gefeiert. In der Kapelle sind Fragmente der farbigen Wandbilder aus dem 14. Jahrhundert erhalten und freigelegt. Sie zeigen die Versuchung Christi und den Einzug in Jerusalem.

Im 30-jährigen Krieg wurde die Galluskapelle durch schwedische Truppen beschädigt, angeblich wurde darin sogar vorübergehend eine Fleischbank eingerichtet. Domherr Graf von Herberstein restaurierte die Kapelle im 17. Jahrhundert im Stil des Barock. Sie wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts profaniert, gleichzeitig bauten die Besitzer eine Zwischendecke sowie mehrere Wände ein. Nach dem zweiten Weltkrieg zogen Läden in die frühere Kapelle, die dann durch die Aufteilung nicht mehr in ihrer Größe und Bedeutung erkennbar war. Bis zur Sanierung blieben die Zwischendecke und die Wände bestehen, unterschiedliche Geschäfte nutzen den früheren sakralen Raum. Zuletzt befand sich die Selig- und Heiligsprechungsstelle im Haus, es stand vor der Sanierung leer.

Haus des Naturforschers Konrad von Megenberg

Der Ehrenfelser Hof teilt sich in ein weiß gestrichenes Haupthaus mit romanischer Kapelle und einen gelben Wohn- und Bedienstetentrakt. Auch diese Wohnungen wurden saniert und können bezogen werden. Entstanden sind drei Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 40 und 60 Quadratmetern.

Zu den berühmtesten Bewohnern des Hauses zählt der Naturforscher Konrad von Megenberg (1309 bis 1374). Er gilt als großer Gelehrter und Schriftsteller seiner Zeit und verfasste theologische, politische und moralphilosophische Schriften. Megenberg studierte an der Sorbonne in Paris und lehrte dann an der Domschule St. Stephan in Wien. 1342 zog er nach Regensburg, wo er bis zu seinem Tod als Domherr lebte. Megenberg ist in der Niedermünsterkirche begraben. Sein bekanntestes Werk, das „Buch der Natur“, wurde vermutlich 1350 in Regensburg im Ehrenfelser Hof von ihm vollendet. Die staatliche Bibliothek Regensburg besitzt eine gedruckte Ausgabe dieses Werkes von 1499. Gleich nach dem Tod Megenbergs bewohnte Georg Auer Teile des Hauses. Er zählte zum Regensburger Patriziat und gehörte zum adeligen Geschlecht der Auer zu Brennberg. Bischof Konrad VI. schenkte 1381 den Ehrenfelser Hof dem Domkapitel. Danach wohnten für Jahrhunderte Mitglieder des Domkapitels darin. Nun wird die neue Forschungsstelle darin einen zentralen und offenen Ort finden mit ausreichend Raum für Wissenschaft, Austausch und Präsentation.

Bischof Rudolf Voderholzer war in die Entstehung und das Konzept eng eingebunden und freut sich auf die Eröffnung. Er segnet das neue Forschungszentrum für religiöse Alltagskultur am 25. März.

Text: Claudia Erdenreich

(kw)

Weitere Infos

Institut für religiöse Alltagskultur

In der Schwarzen-Bären-Straße 2 wird Ende März nach mehrjähriger Sanierungszeit das Institut für religiöse Alltagskultur eröffnet. Es gehört zu den Kunstsammlungen des Bistums und wird gleichzeitig Schaudepot und Forschungsstelle. Angeboten werden Workshops, Kurse und Seminare, ebenso wird eine große Bandbreite an religiöser Volkskunst präsentiert, darunter vor allem Krippen, Klosterarbeiten, Hinterglasmalerei und Rosenkränze. Die derzeitige Sammlung beläuft sich auf rund 5.500 Objekte, von denen rund 2.000 in das neue Institut kommen.

Für Bischof Rudolf Voderholzer ist die Glaubensvermittlung mit anschaulichen Objekten sehr wichtig. Als großer Krippenfreund sieht er sie als Möglichkeit, den Glauben zu stärken. Untergebracht wird das Institut im denkmalgeschützten „Ehrenfelser Hof“, die Sanierungsarbeiten begannen in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege im November 2024. Eigentümer des Gebäudes ist das Domkapitel Regensburg, Mieter das Bistum.



Nachrichten