Vincent van Gogh: Weizenfeld

Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntag

Saatgut


15. Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 13, 1 – 23

1An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 4Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 8Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. 9Wer Ohren hat, der höre! 10Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? 11Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben. 12Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. 13Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. 14An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen. 15Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile. 16Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. 17Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. 18Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. 19Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen. 20Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; 21er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall. 22In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 23Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.“

Wie so viele Gleichnisse Jesu bewegt sich aus das Gleichnis vom Sämann in einer Bilderwelt, die für die ersten Zuhörer Jesu ganz eingängig und selbstverständlich war. Da hörten Fischer und Landwirte die Worte Jesu. Für uns sind die Bilder vielleicht immer noch verständlich, sie stammen aber häufig nicht aus unserer unmittelbaren Lebenswelt. Wie oft säen wir etwas? Haben wir Erfahrung mit der Senfpflanze (vgl. Mt 13,31)? Wer von uns setzt noch selbst Sauerteig an (vgl. Mt 13,33)? Wie viele Hirten kennen wir, die verlorenen Schafen nachsteigen (vgl. Lk 15,3ff.)? 

Doch wir kennen sicherlich Vergleichbares wie das, was dem Sämann im Gleichnis des heutigen Sonntags geschieht. Wir bemühen uns und wollen etwas im Leben erreichen – beruflichen Erfolg, wirtschaftlichen Erfolg, Glück in der Familie. Und wir machen die Erfahrung, dass wir uns manchmal umsonst bemühen. Etwas gelingt nicht, und wir können uns womöglich gar nicht erklären weshalb – die Sat fällt auf den Weg, die Vögel fressen sie und der Erfolg bleibt aus. Manchmal dagegen merken wir, wie eine glückliche Verkettung von Umständen zum Erfolg führt – wir säen vielleicht nur ein wenig und doch können wir reiche Frucht ernten, „teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.“ 

Die Kirche deutet dieses Gleichnis auch mit den Worten der ersten Lesung an diesem Sonntag (Jes 55,10-11): „Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“ Gott ist es, der das Vollbringen schenkt. Ohne seinen Willen – ohne seinen Schnee und sein Wasser – kann nichts wachsen. Und so ist es auch mit dem Wort Gottes: Er kehrt nicht leer zurück, es ist nicht umsonst in die Welt gekommen. 

Jesus selbst deutet das Gleichnis des heutigen Sonntags für seine Jünger. Der Samen ist das Wort Gottes. Bei einigen verhindert der Böse, dass das Wort Gottes wächst. Andere sind vielleicht gleich Feuer und Flamme, der Glaube hat aber keine Wurzeln. Wieder andere lassen sich von den Sorgen und Nöten so ersticken, dass das Wort Gottes nicht wachsen kann. Und nur bei einigen schlägt der Glaube Wurzeln und kann dauerhaft wachsen. Dieses Gleichnis kann für uns ein Ansporn sein, jederzeit freudig von unserem Glauben Zeugnis zu geben, selbst für Gott zu säen. Das wird nicht immer zum Erfolg führen; oft genug wird unser Zeugnis belächelt werden und keine Frucht tragen. Manchmal sehen wir vielleicht einen Erfolg, merken, dass unsere Botschaft zünden konnte – doch nicht dauerhaft. Manchmal aber wird Gott selbst den Erfolg schenken – er, dessen Wort nicht leer zu ihm zurückkehren kann. 

Wir brauchen dafür nicht viel. Schon der kleinste Same kann reiche Frucht bringen. Manchmal ist es vielleicht schon unser bloßen Leben, eine Kleinigkeit vielleicht – wie wir über andere sprechen, was wir tun oder nicht tun –, das bei anderen einen bleibenden Eindruck hinterlässt, das zu einem Samen werden kann, der am Ende immer weiter wächst. Wir haben das nicht alleine in der Hand, wie auch der Sämann alleine das Wachsen seiner Pflanzen nicht garantieren kann, sondern auf „Regen und Schnee vom Himmel“ angewiesen ist. Wir dürfen den Erfolg in die Hände Gottes legen. Sein Wort wird das erreichen, wozu er es ausgesandt hat.

Text: Benedikt Bögle

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