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Zur Neuigkeit
Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntagsevangelium
Weise und Unmündige
Vierzehnter Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 11, 25 – 30
„25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. 26Ja, Vater, so hat es dir gefallen. 27Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. 28Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. 29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. 30Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Jesus wendet sich im Gebet an seinen Vater. Er dankt ihm, „weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.“ Was „das“ ist, das den Weisen verborgen bleibt, führt Jesus nicht näher aus. Sind es die „Machttaten“, von denen Jesus zuvor in einer Drohrede spricht (vgl. Mt 11,20-24)? Ist es in einem umfassenderen Sinn die gesamte Botschaft Jesu von Nazareth vom kommenden Reich Gottes? Ist es das, was Jesus im folgenden Satz anspricht: Dass niemand den Vater kennt außer der Sohn – und damit eben, dass Jesus der Sohn Gottes ist? Womöglich dürfen wir unter diesem „das“ jenes verstehen, was den Kern der Sendung Jesu ausmacht: Dass er der Sohn Gottes ist, der gekommen ist, die Welt zu erlösen. Eben das aber soll den Weisen und Klagen verborgen bleiben, den Unmündigen aber offenbart werden.
Gott hat eine andere Logik als diese Welt. Die Botschaft vom Reich Gottes ist nicht denen vorbehalten, die über den größten Intellekt verfügen – den „Weisen und Klugen“. Jesu Botschaft wurde gerade den „Unmündigen“ offenbart. Diesen Gedanken hören wir auch in der Ersten Lesung dieses Sonntags (Sach 9,9-10): „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.“ (Sach 9,9). Auch das widerspricht menschlicher Logik: Der König kommt nicht wie erwartbar „machtvoll“, sondern „demütig“; nicht auf einem Kriegspferd, sondern auf einem harmlosen Esel. Und so wenden sich Jesu Reden eben nicht nur an die Klugen, sondern alle und ja: gerade an die „Unmündigen“.
Wenn nun die Botschaft Gottes den Weisen und Klugen verborgen bleibt, mögen wir Christen vielleicht etwas schlucken. Von Anfang an gehörte das gelehrte Nachdenken über die Botschaft des Glaubens doch zum Christentum, man spricht häufig auch von „Jerusalem“ und „Athen“ als zwei Orten des christlichen Glaubens: Aus Jerusalem kam die Offenbarung, die Verbindung des Christentums zum Judentum – aus Athen das von der Philosophie geprägte Nachdenken über den Glauben. Einige der größten Heiligen der Kirche prägten gerade das Miteinander von Glaube und Vernunft, etwa Augustinus, Hildegard von Bingen, Thomas von Aquin oder Albertus Magnus. Glaube und Vernunft sind keine Gegensätze – gerade Papst Benedikt XVI. betonte dies immer wieder.
Die Worte Jesu dürfen wir womöglich in eine andere Richtung verstehen. Sie sind nicht als Absage an jeden vernünftigen Diskurs, an alles Nachdenken über den Glauben zu verstehen. Jesus sagt: „Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ Der Glaube basiert auf der Offenbarung. Das ist etwas anderes – und mehr – als einfach eine Mitteilung über Tatsachen. Offenbarung bedeutet, dass Gott sich selbst mitteilt. Und eben das ist keine reine Sache des Verstandes. Das Christentum ist nicht den klugen Köpfen vorbehalten. Man muss weder lesen noch schreiben können, um dem Auferstandenen zu begegnen. Im Kern des Christentums steht, wie Papst Benedikt XVI. es sagt, die „Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person“ (Deus caritas est 1). Diese Begegnung mit dem Herrn schließt es nicht aus, auch mit den Mitteln des Verstandes über Gott nachzudenken; aber sie setzt keine besondere – gar akademische – Ausbildung voraus.
Text: Benedikt Bögle
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