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Zur Neuigkeit
Deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl Dr. Bruno Kahl besucht Regensburg
„Sie haben einen großen Schatz“
Regensburg, 9. März 2026
Nicht alle Tage kommt der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl nach Regensburg. Doch an diesem sonnigen Samstag nahm sich Dr. Bruno Kahl ausreichend Zeit, um auf den Spuren von Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) zu wandeln. Der Diplomat besuchte das ehemalige Wohnhaus von Joseph Ratzinger in Pentling sowie anschließend das „Institut Papst Benedikt XVI.“ in Regensburg.
Karl, der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, zeigte sich beeindruckt – sowohl von der persönlichen Führung durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer als auch von den privaten Wohnräumen Joseph Ratzingers, des ehemaligen Professors, Erzbischofs von München und Freising, Kurienkardinals und späteren Papstes, sowie von der Arbeit der wissenschaftlichen Forschungsstätte.
Ein Haus des Denkens: Besuch im ehemaligen Wohnhaus Joseph Ratzingers
Wer Joseph Ratzinger verstehen will, muss nicht nur seine Bücher lesen. Man muss auch die Räume sehen, in denen sie entstanden sind. Genau dorthin führte ihn der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Die private Führung begann im ehemaligen Wohnhaus Joseph Ratzingers in der Bergstraße 6, das nur wenige Kilometer südlich von Regensburg liegt und zum Institut Papst Benedikt XVI. gehört. Das Haus, in dem der spätere Papst während seiner Regensburger Professorenjahre lebte, wurde vom Institut erworben und behutsam umgestaltet. Heute dient es als Ort der Begegnung, als Archiv und zugleich als Erinnerungsstätte.
Begleitet wurde Dr. Bruno Kahl von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, zugleich Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI., von Dr. Albert Schmid, dem früheren Bürgermeister von Regensburg, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sowie dem Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern (2009–2017), und von Dr. Christian Schaller, dem stellvertretenden Direktor des Instituts.
Die Führung übernahm der Bischof selbst – und wer ihm zuhört, merkt schnell, dass es hier nicht nur um Architektur oder Möbel geht, sondern um eine geistige Biografie. Das Haus selbst, so erläuterte Bischof Rudolf Voderholzer während der Führung, wirke auf den ersten Blick zurückhaltend, beinahe unscheinbar. Gerade darin liege jedoch seine besondere Aussagekraft. Es handle sich um ein Wohnhaus, in dem ein Gelehrter lebte und arbeitete – ein Ort der Konzentration, an dem Denken seinen Raum hatte.
Besonders deutlich werde dies im ehemaligen Arbeitszimmer Joseph Ratzingers, einem Raum, der ruhig zum Garten liegt und bis heute etwas von der Atmosphäre eines Gelehrten bewahrt. Hier entstanden über Jahre hinweg zahlreiche wissenschaftliche Texte. Im Mittelpunkt steht der Schreibtisch – eine originalgetreue Kopie jenes Tisches, an dem Joseph Ratzinger über Jahrzehnte arbeitete. An diesem Arbeitsplatz entstanden zahlreiche seiner theologischen Texte.
Bischof Rudolf betonte, dass dieses Möbelstück zugleich eine ganze akademische Lebensgeschichte begleite. Ratzinger habe den Tisch bereits als junger Dozent im Priesterseminar in Freising erhalten und ihn anschließend auf alle Stationen seines wissenschaftlichen Weges mitgenommen: zunächst nach Bonn, dann nach Münster, später nach Tübingen und schließlich nach Regensburg. Auch nach seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising habe der Schreibtisch ihn begleitet, ebenso in den späteren Jahren in Rom. Über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg sei dieses Möbelstück Teil seines Arbeitsalltags geblieben.
Das Arbeitszimmer selbst sei, wie Dr. Voderholzer erklärte, erst nachträglich wieder in seiner ursprünglichen Funktion eingerichtet worden. Heute vermittelten die Bücherregale – ein System der damaligen „Wissenschaftlichen Buchgesellschaft“, wie es in vielen Gelehrtenwohnungen jener Zeit verbreitet war – wieder ein anschauliches Bild des wissenschaftlichen Alltags der 1960er- und 1970er-Jahre. Ein Teil der Bibliothek sei erhalten geblieben. In zahlreichen Büchern fänden sich handschriftliche Einträge Ratzingers. Besonders eindrucksvoll sei ein stark benutztes Exemplar des griechischen „Neuen Testaments“, das sich ebenfalls im Arbeitszimmer befinde. Viele Seiten seien unterstrichen, mit Randbemerkungen versehen oder mit kleinen handschriftlichen Zeichen kommentiert. An solchen Spuren lasse sich, so der Bischof, gut erkennen, wie der Theologe gearbeitet habe: nicht nur lesend, sondern im fortwährenden Gespräch mit dem Text.
Bischof Dr. Voderholzer erinnerte während der Führung auch daran, dass die Regensburger Jahre zu den besonders fruchtbaren Phasen von Joseph Ratzingers wissenschaftlicher Arbeit gehörten. In diese Zeit fallen zahlreiche Beiträge für die Internationale Theologische Kommission ebenso wie die Mitbegründung der internationalen theologischen Zeitschrift „Communio“. Ratzinger war einer der Mitbegründer dieser Zeitschrift, die 1972 gemeinsam mit den renommierten Theologen Hans Urs von Balthasar, Henri de Lubac und anderen ins Leben gerufen wurde. Auch mehrere wichtige Veröffentlichungen entstanden in jenen Jahren.
Als Papst Paul VI. Joseph Ratzinger am 25. März 1977 zum Erzbischof von München und Freising ernannte, arbeitete dieser, wie Bischof Rudolf erläuterte, noch an mehreren theologischen Texten in Pentling. Dazu zählten unter anderem „Tochter Zion“ sowie sein Beitrag zur „Kleinen katholischen Dogmatik“. Beide Texte tragen das Datum Christi Himmelfahrt 1977. Die Bischofsweihe empfing Ratzinger am 28. Mai im Münchner Dom.
Besuch im „Institut Papst Benedikt XVI.“
Nach dem Besuch in Pentling führte der Weg zurück in die Regensburger Altstadt zum „Institut Papst Benedikt XVI.“ am Bismarckplatz. Auch hier übernahm Bischof Rudolf die Führung und nutzte die Gelegenheit, dem Gast nicht nur die Räume, sondern auch die Entstehungsgeschichte dieser besonderen Forschungseinrichtung zu erläutern
Der Ursprung des Instituts, so erklärte Bischof Rudolf, liegt im Jahr 2007. In jenem Jahr vereinbarte der Herder-Verlag mit Papst Benedikt XVI., eine Gesamtausgabe seiner theologischen Schriften herauszugeben. Der Papst selbst hatte persönlich darum gebeten, einen deutschen Herausgeber einzusetzen. Seine Wahl fiel dabei auf den damaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der daraufhin das „Institut Papst Benedikt XVI.“ gründete – eine Forschungsstätte, die die wissenschaftliche Betreuung und organisatorische Durchführung der Gesamtausgabe übernehmen sollte. Für den Aufbau des Instituts wurden Theologen gewonnen, die sich bereits intensiv mit dem Werk Ratzingers beschäftigt hatten. Eine Gesamtausgabe eines Theologen, der zugleich Papst gewesen war, stellte ein editorisches Projekt dar, das in dieser Form bislang kaum existierte, so Bischof Rudolf.
Wie der Regensburger Oberhirte erläuterte, musste daher zunächst eine tragfähige Struktur entwickelt werden, die der Vielfalt und dem Umfang des Werkes gerecht werden konnte. In enger Abstimmung mit dem sogenannten Schülerkreis Ratzinger entstand schließlich ein Editionsplan mit insgesamt sechzehn Bänden, der vollständig mit Benedikt XVI. selbst abgestimmt wurde.
Seither sammelt und erschließt das Institut systematisch die Schriften Joseph Ratzingers. Die Edition der „Gesammelten Schriften“, so Bischof Rudolf, ist mittlerweile nahezu abgeschlossen. Lediglich der abschließende Registerband mit bibliographischen Übersichten steht noch aus. Ergänzend ist ein weiterer Band mit Texten aus der Zeit des emeritierten Papstes vorgesehen.
Doch damit ist die Arbeit des Instituts bei weitem nicht ausgeschöpft. Wie Bischof Rudolf betonte, sind im Umfeld des Projekts auch weitere wissenschaftliche Publikationsreihen entstanden. Dazu gehören insbesondere die „Ratzinger-Studien“, in denen Beiträge aus internationalen Symposien ebenso veröffentlicht werden wie ausgewählte Dissertationen. Hinzu kommt ein Jahrbuch, das regelmäßig Einblick in die laufende Forschungsarbeit gibt.
Von besonderem Interesse sind darüber hinaus zahlreiche studentische Mitschriften aus Ratzingers Vorlesungen, die seine Schüler akribisch aufgezeichnet haben, sodass es von manchen Vorlesungen sogar drei verschiedene Mitschriften gibt. Diese und Audio-Mitschnitte seiner Predigten werden heute im Archiv des Instituts aufbewahrt. Die zahlreichen Zeugnisse erlauben, so Bischof Voderholzer, einen ungewöhnlich unmittelbaren Blick auf seine Tätigkeit als Professor – auf jene Jahre also, in denen sich viele seiner Gedanken formten, die später in sein intellektuelles Werk Eingang fanden. Am Ende der Führung zeigte sich Botschafter Bruno Kahl sichtbar beeindruckt von der Arbeit des Instituts und der Sorgfalt, mit der hier das geistige Erbe Joseph Ratzingers bewahrt und erschlossen wird. „Sie haben hier einen großen Schatz“, sagte er.
Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl: Bruno Kahl im Kurzporträt
Dr. Bruno Kahl wurde am 12. Juli 1962 in Essen geboren und wuchs im Rheinland auf – in einer Region, in der katholische Tradition und politische Kultur seit jeher eng miteinander verwoben sind. Sein Abitur legte er am Bonner Kardinal-Frings-Gymnasium ab, benannt nach dem Kölner Erzbischof Joseph Frings, der einer der prägenden Gestalten des deutschen Katholizismus in der Nachkriegszeit war.
Nach dem Wehrdienst bei der Bundeswehr studierte Kahl Rechtswissenschaften in Bonn und Lausanne; Referendariat und zweites Staatsexamen folgten. Darüber hinaus absolvierte er eine Ausbildung an der katholischen Journalistenschule ifp in München. Der heutige Botschafter kennt daher nicht nur die Welt politischer Institutionen, sondern auch die Mechanismen öffentlicher Kommunikation. Nebenberuflich promovierte er 2008 in Bonn zum Dr. jur. mit einer Arbeit zum Frühwerk des Staatsrechtlers Carl Schmitt. Bei dieser Arbeit, so Kahl, hatte er sich auch mit der „Eschatologie“ Ratzingers beschäftigt.
Nach einer ersten beruflichen Station bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände führte Kahls Weg in die unmittelbare Nähe der politischen Entscheidungszentren. Während der Kanzlerschaft Helmut Kohls trat er 1995 als Referent in das damalige Bundeskanzleramt in Bonn ein. Von dort wechselte er 1996 zur CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wo er im Umfeld des damaligen Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble tätig war und dessen Arbeit unterstützte.
Größere öffentliche Aufmerksamkeit erlangte Kahl später als Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Von 2016 bis 2025 leitete er den deutschen Auslandsgeheimdienst. Seine Amtszeit fiel in eine Phase wachsender internationaler Spannungen, geopolitischer Rivalitäten und neuer digitaler Bedrohungslagen. In diesen Jahren wurde der Dienst organisatorisch weiterentwickelt – eine Arbeit, die selten im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung steht, deren Wirkung jedoch langfristig spürbar bleibt.
Mit der Übergabe seines Beglaubigungsschreibens an Papst Leo XIV. am 11. Oktober 2025 im Apostolischen Palast trat Bruno Kahl sein Amt als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl offiziell an. Der Heilige Stuhl ist nicht nur die oberste Leitungsinstanz der katholischen Kirche, sondern zugleich ein eigenständiges Subjekt des Völkerrechts. Als einer der ältesten diplomatischen Akteure der Welt unterhält er ein weltumspannendes Netz von Nuntiaturen, das politische Entwicklungen aufmerksam verfolgt und zugleich moralische Perspektiven in internationale Debatten einbringt.
Sein Besuch in Regensburg führte den neuen Botschafter schließlich an zwei Orte, die auf stille Weise miteinander verbunden sind: ein Haus in Pentling und ein Institut am Bismarckplatz. Orte, an denen sichtbar wird, dass Denken Räume braucht – und dass manche Gedanken weit über die Räume hinausreichen, in denen sie einst entstanden sind.
Text und Fotos: Dr. Dr. Stefan Groß
(SSC)













