bischof begrüsst die Gläubigen

Bischof Rudolf weiht neuen Altar in der sanierten Stiftskirche St. Johann

Ein Stein, der das lebendige Feuer trägt


Regensburg, 3. Mai 2026

Am Sonntag, dem 3. Mai 2026, feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zusammen mit dem Stiftskapitel von St. Johann in Regensburg, weiteren Konzelebranten und der Gemeinschaft der Gläubigen den Weihegottesdienst für den neuen Altar der Stiftskirche. Zahlreiche Geistliche, Gläubige, Handwerker, Künstler und weitere an den Renovierungsarbeiten Beteiligte nahmen an der Feier teil. Der Organist Thomas Gleißner und das Stiftsensemble St. Johann gestalteten den Gottesdienst musikalisch.

Umfangreiche Renovierungsarbeiten

Nach der Begrüßung durch den Stiftsdekan Prof. em. Dr. Dr. Johannes Hofmann dankte Bischof Rudolf ausführlich allen Beteiligten und Mitwirkenden an der Renovierung. Mitglieder des Bundes- und des Landtags, die Bischöfliche Finanzkammer, die Bayerische Landesstiftung sowie der Denkmalschutz, die Architekten, der Bauleiter und alle beteiligten Handwerker hätten durch ihren unermüdlichen Einsatz für die fristgerechte Fertigstellung gesorgt. Dieser waren umfangreiche Baumaßnahmen vorangegangen: Planung, Befundung und Bestandsaufnahme begannen bereits 2019. Nach den Ausschreibungen starteten die Arbeiten im Januar 2024 und konnten nun, abgesehen von kleinen Restarbeiten, erfolgreich abgeschlossen werden.

Neben dem Kirchenraum wurden auch Kunstausstattung, Gruft, Sakristei, Vituskapelle, Kapitelsaal und Orgel erneuert. Ein barrierefreier Zugang am Südportal, eine WC-Anlage im Bereich der Vituskapelle und ein Windfang wurden eingerichtet. Eine Besonderheit der Restaurierung stellt die Erneuerung der vorhandenen Putze bis zu einer Höhe von drei Metern dar. Dadurch konnten auch neue Erkenntnisse zur Bauhistorie gewonnen werden, wobei die Gebäudestrukturen bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Von der zwischenzeitlichen barocken Fassung der Raumschale waren nur zwei Fragmente sichtbar erhalten.

Um ein Gegengewicht zu den Resten der Wandmalerei über dem Zugang zur Sakristei zu schaffen, wurde südlich des Hochaltars ein entsprechendes Feld freigelegt, restauriert und dort, wo der frühere Bitumenanstrich die Substanz unwiederbringlich zerstört hatte, ergänzt. Die restaurierte Kunstausstattung wurde nach den Wünschen des Kollegiatstifts in reduzierter Form neu arrangiert. Das nicht mehr vorhandene Retabel des Kreuzaltars wurde neu geschaffen. Neben dem Zelebrationsaltar wurden auch der Ambo, die Priester- und Ministrantensitze sowie die Kredenz angefertigt.

Neuer Zelebrationsaltar

Vom 1689 geweihten ehemaligen St.-Anna-Altar von St. Johann stammen das Reliquiengrab mit den Reliquien der heiligen Mutter Anna sowie der heiligen Märtyrerinnen und Jungfrauen Generosa und Eugenia und der zugehörige Altarstein. Hinzu kommt in einer weiteren Kapsel eine Reliquie der heiligen Anna Schäffer. Neben dem bereits vorhandenen Reliquiar des heiligen Papstes Johannes Paul II. wurde ein neues Reliquiar der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta angebracht.

Der Altar und seine Bedeutung

In seiner Predigt ging Bischof Rudolf ausführlich auf die Bedeutung eines Altars für Kirche und Glaubensgemeinschaft ein. Zunächst handelte es sich bei einem Altar um einen Opferstein, überwiegend für die Darbringung von Feueropfern. Das „Opfer“ sei die Urgebärde der Religion, wobei nicht eindeutig ist, ob die Bitte oder die Dankbarkeit gegenüber Gott im Vordergrund steht. Jedenfalls werde beim Opfer das Kostbarste, nicht Überflüssiges, dargebracht. Im Sinne des Feueropfers ist der Stein freilich dafür prädestiniert, das Feuer aufzunehmen, ohne sich selbst zu wandeln.

Von dort führte Bischof Rudolf zum Glauben an Christus: Zentrum des christlichen Glaubens ist, dass Gott in Jesus Christus selbst dem Menschen entgegenkomme, ihm alle Opfer, die letztlich vergeblich waren, aus der Hand nimmt und durch das Kreuzesopfer Jesu selbst die Menschheit mit sich versöhnt. Am Abend vor seinem Leiden hat Jesus im Abendmahlssaal die Gedächtnisfeier seines Leidens und Sterbens eingesetzt. Und so werde im christlichen Altar der Opferstein gekrönt mit der steinernen Tischplatte, die in dem neuen Altar von St. Johann von einem Holzrahmen eingefasst sei. Weil aber der Altar, gemäß der kirchlichen Tradition aus Stein geformt ist, werden auch alle Schrift- und Gebetsworte, die Christus als Stein oder Fels bezeichnen, im Altar Wirklichkeit. Christus, symbolisiert im Altar, ist der Grundstein der Kirche, auf dem die Gläubigen als lebendige Steine sich zu einem geistigen Haus auferbauen lassen (wie in der 2. Lesung aus dem 1. Petrusbrief verkündet wurde). Christus ist aber auch der Eckstein, der, von den Bauleuten verworfen, zum Stein des Anstoßes (vgl. Ps 118,22) geworden ist, an dem alle menschlichen Allmachtsphantasien zu Fall kommen, so der Bischof. Schließlich ist Christus der Fels, von dem Paulus in 1 Kor 10,4 in geistiger Deutung des Buches Exodus (17,6) spricht, aus dem Ströme lebendigen Wassers hervorquellen, Sinnbild für die Sakramente der Kirche (vgl. die Präfation zur Messe bei einer Altarweihe).

Abschließend betonte Bischof Rudolf die stimmige Gestaltung und die formvollendete Verbindung von Tisch und Kreuz zum Altar hin. Dort wurden anschließend die Reliquien der Heiligen eingesetzt und versiegelt.

Freude in der Danksagung

Schließlich wurde der neue Altar festlich geschmückt und bedeckt, und Bischof Rudolf setzte die Feier der Eucharistie am neuen Altar fort. Danach verabschiedete und segnete er die Gläubigen ganz im Zeichen der Erneuerung – an diesem Tag auch im Bild des steingewordenen Glaubens.

Text und Fotos: Simon Färber

(jas/SG)



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