News Bild „Diese Schätze wollen gefunden werden.“ Neues Buch über Bischof Georg Michael Wittmann

„Diese Schätze wollen gefunden werden.“ Neues Buch über Bischof Georg Michael Wittmann

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Der Regensburger Bischof Georg Michael Wittmann (1760-1833) verstarb im Ruf der Heiligkeit. Er schenkte Generationen von Priesteramtskandidaten und Priestern Exerzitienvorträge, die Grundgedanken priesterlicher Spiritualität und seelsorgerlichen Einsatzes von zeitloser Gültigkeit enthalten. Sie offenbaren eine Tiefe, wie sie nur aus einer echten Gottverbundenheit und inneren Lauterkeit hervorgehen kann, so wie Wittmann sie selbst vorgelebt hat. Zusammen mit den Exerzitienvorträgen publizieren die Herausgeber zwei Beiträge, die für das Leben des Priesters ebenfalls bedeutsame Weisungen enthalten: Wittmanns Abhandlung über das Breviergebet und sein Schreiben über die geistliche Kleidung. Diese Schriften sollen die Priester in ihrer Pflicht zur Heiligung des Lebens, zum Beten der kirchlichen Tagzeiten und zum Tragen des geistlichen Gewandes ermutigen und stützen.

„Faszinierendes Priestertum“ lautet der Titel des jüngst erschienenen Buches. Die beiden Herausgeber, Domvikar Msgr. Georg Schwager, Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Bistum Regensburg, und Matthias Waldmann haben den Band kürzlich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer vorgestellt, der ein Geleitwort dazu verfasst hat.


Um das Buch zu erwerben, wenden Sie sich an Msgr. Georg Schwager, den Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse:

E-Mail: heilige@bistum-regensburg.de


König Ludwig I. von Bayern hatte Wittmann nach dem Tod des Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer am 1. Juli 1832 zu dessen Nachfolger ernannt. Noch vor dem Eintreffen der päpstlichen Bestätigung starb der aber am 8. März 1833 im Ruf der Heiligkeit.

Domvikar Msgr. Schwager beantwortet im Interview Fragen zum Inhalt des Buches und zu Bischof Wittmann.

Herr Domvikar Msgr. Schwager, was kann uns Bischof Wittmann heute noch sagen?

Seine Botschaft lautet ganz eindeutig: Der Glaube muss mit dem Leben gedeckt sein. Das gilt in erster Linie für die Priester. Es muss aber überhaupt für alle in der Seelsorge Tätigen, ja für alle Gläubigen gelten.

Was hat das mit „geistlichen Übungen“ zu tun; also mit den Exerzitien von Bischof Wittmann, die Sie herausgegeben haben?

Gerade in diesen geistlichen Übungen, die nun erstmals gut lesbar vorliegen, kann man diese Deckung von Glaube und Leben nicht nur lesen, sondern in einem tieferen Sinne lernen.

Für wen hat Bischof Wittmann diese Exerzitien gehalten?

Bischof Wittmann hat sie für den Klerus der Diözese Regensburg gehalten, also für die Priester dieses unseres Bistums. Übrigens hat er das in Absprache mit dem damaligen Bischof Johann Michael Sailer getan.

Seither ist aber eine ziemlich lange Zeit verstrichen.

Ja, das stimmt. Allerdings sind die Grundprobleme, denen wir in der Seelsorge begegnen, die gleichen geblieben. Es ist klar: Diese Grundprobleme sind immer noch aktuell und sie sind immer wieder aktuell.

Und das kann man „einfach so“ lesen?

Die Priester sollen diese Texte lesen, vor allem aber auch sollen sie sie beherzigen. Bischof Wittmann war bekanntermaßen ein großer Priestererzieher.

Sie wollen damit sagen, dass er die Priester überhaupt gut kannte? Früher gab es ja nicht so viele Möglichkeiten der Kommunikation bzw. war es schwieriger und mühsamer, zu kommunizieren!

O ja, er kannte das Herz seiner Priester sehr gut. Darum geht es doch: das Herz der Priester zu kennen, um ihre Nöte und Mühsal zu wissen. Aber das war durchaus nicht das einzige, was Georg Michael Wittmann sehr positiv kennzeichnete und bis heute kennzeichnet. Er musste die damals größte Pfarrei in der Diözese führen, die Dompfarrei. So hat er über Jahrzehnte hinweg aus seiner eigenen Seelsorgeerfahrung heraus den Diözesanklerus geprägt. Manche sagen, man würde seinen Einfluss in unserem Klerus bis heute bemerken können … das soll die vorliegende Publikation nun verstärken.

Sie würden sich demnach eine verstärkte Befassung mit seinen Schriften wünschen, Herr Domvikar?

Ja, das ist sehr wünschenswert. Anhand seiner Aufzeichnungen und Ansprachen, vor allem aber anhand seiner Lebensführung, über die wir ziemlich genau bescheid wissen, hat sich der Ruf der Heiligkeit Bischof Wittmanns gezeigt. Es ist schon bemerkenswert, dass über 100 Jahre nach seinem Tod – Bischof Wittmann war 1833 gestorben – das Verfahren zu seiner Seligsprechung eröffnet worden ist. Das war im Jahre 1955.

Wie steht es derzeit um das Verfahren?

Die Forschungen dafür sind allesamt abgeschlossen. Wir bräuchten allerdings eine auffallende Gebetserhörung. Das würde dann den Weg zur Seligsprechung ebnen.

Herr Domvikar Schwager, könnten Sie bitte zusammenfassen, wieso jemand dieses Buch lesen sollte? Zu lesen gibt es ja genug...

Weil es wahre geistliche Schätze bietet, die man sich durchaus nicht entgehen lassen sollte. Deshalb haben wir sie für unsere Zeit wieder zugänglich gemacht, das war unsere Absicht.

Und das für heute?

Ja, natürlich ist nicht alles leicht. Aber das Eigentliche will auch heute und gerade heute erst entdeckt werden. Darum müssen wir uns vor allem bemühen. Das wussten Menschen früher sehr genau, auch wenn es heute nicht mehr gerne so gesagt wird und deshalb heute auch nicht mehr so oft zu hören ist. Aber ich gebe Ihnen nur ein Zitat aus den Exerzitien, das sehr vieles verdeutlichen kann: „Christus hat besonders den geistlichen Stand seiner Zeit übel notiert des Ehrgeizes wegen, der alles verdirbt. Diesen Ehrgeiz nennt er einen Sauerteig.“ Und: „Wir werden vor Gottes Gericht auch einen harten Stand haben wegen unserer priesterlichen Würde.“ Natürlich wird man das nicht gerne hören. Aber ist es deshalb weniger wahr? Und viele Menschen erahnen sehr schnell, dass es doch gar nicht anders ist bzw. sein wird. Dennoch – oder gerade deshalb ist das Priestertum faszinierend! Die Schätze, die uns dieser Bischof vorstellt, müssen erst gesucht werden. Aber dann lassen sie sich finden.

 

Faszinierendes Priestertum. Eine Sammlung geistlicher Werke des Bischofs Georg Michael Wittmann, Georg Franz Schwager, Matthias Waldmann (Hg.), Patrimoniumverlag Aachen/Heimbach, 2016, 352 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 978-3-86417-054-6.