Ein Mann dirgiert einen Chor

Die Jugend steht im Fokus der ostafrikanischen Bischöfe

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 29. Juli 2026 

Die Vollversammlung der Bischöfe der Region hat sich die Situation der Jugend genau angesehen und ein Konzept für die Jugendseelsorge erarbeitet. Dazu wollen die Bischöfe die Stimme der Jugend hören. Künftig steht die ganze Lebenswelt der jungen Menschen im Fokus der Kirche. 

Die 21. Vollversammlung der Association of Member Episcopal Conferences in Eastern Africa (AMECEA) hat vom 18. bis 26. Juli 2026 in Nairobi stattgefunden. Gastgeber war die kenianische Bischofskonferenz. Im Rahmen dieser Vollversammlung erklärten die Bischöfe die Sorge um junge Menschen zu einem gemeinsamen pastoralen Schwerpunkt in den kommenden vier Jahren in Ostafrika. Im englischen Original liest sich das so: „AMECEA’s Synodal Journey with Young People: Building Bridges of Communion, Hope, Justice, and Good Governance“. Es lässt sich so umschreiben: AMECEAs synodale Reise mit den jungen Menschen. Es gilt, Brücken der Gemeinschaft, der Hoffnung, der Gerechtigkeit und der guten Regierungsführung zu bauen. So formulierten es die Bischöfe in ihrem Leitwort. 

In ihrer Abschlussbotschaft, die am Ende der 21. AMECEA-Plenarversammlung veröffentlicht wurde, bekräftigten die Bischöfe der Region ihr Engagement, aufmerksam auf die Hoffnungen, Anliegen und das Leid junger Menschen zu hören, und versprachen konkrete Maßnahmen, die sie im Leben und der Mission der Kirche begleiten werden. Der neue AMECEA-Vorsitzende, Erzbischof Gervas John Mwasikwabhila Nyaisonga von Mbeya in Tansania, brachte den Anspruch auf den Punkt. 

Jugend stärken

Die Kirche, so der Erzbischof, schulde den jungen Menschen eine Antwort, die sich an Taten messen lasse. Es reiche nicht, politische Führer zu kritisieren. Auch kirchliche Strukturen müssen zeigen, ob junge Menschen wirklich gebraucht und gehört werden. Werden sie in Pfarreien ernst genommen? Bekommen sie Verantwortung? Werden junge Frauen gehört? Gibt es Schutz vor Übergriffen und Manipulation? Gibt es geistliche Begleitung, die nicht bevormundet, sondern stärkt? 

Die Bischöfe greifen mit ihrer Botschaft das Wort aus dem Ersten Timotheusbrief auf, wonach niemand einen jungen Menschen wegen seiner Jugend geringschätzen soll. Das ist nicht nur ein motivierender Spruch. Vielmehr ist es eine Korrektur kirchlicher Gewohnheiten, in denen junge Menschen erst dann ernst genommen werden, wenn sie die Sprache der Älteren übernehmen. Sie sind, so die Botschaft aus Nairobi, nicht erst wertvoll, wenn sie sich problemlos in bestehende Strukturen einfügen. Sie haben eigene Fragen, Begabungen, Wunden und Charismen. Die Kirche kann uns soll sie prüfen und begleiten, aber sie darf sie nicht geringschätzen.

Orientierung geben

Michael Kardinal Czerny, Präfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, leitete die Eröffnungsmesse und rief dazu auf, echte Brücken der Gemeinschaft zu bauen. Das Bild passt zu dieser Vollversammlung. Ostafrika braucht Brücken zwischen Generationen, zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Glauben und Arbeit, zwischen Pfarrei und digitaler Welt, zwischen politischer Verantwortung und moralischer Bildung. Junge Menschen stehen oft genug orientierungslos auf diesen Brücken. Sie leben zwischen Dorf und Stadt, Tradition und Moderne, Heimat und Migration, christlicher Katechese und den Verlockungen der Welt auf dem Smartphone.

Die Botschaft der ostafrikanischen Bischöfe versucht eine Antwort auf die großen sozialen, politischen und geistlichen Fragen Afrikas gemeinsam mit der Jugend zu finden. Nicht die Bischöfe geben vor, was geschieht, sondern sie hören der Jugend zu und lernen. Was geschieht mit einer jungen Generation, die einerseits von Politikern umworben, aber von Arbeitslosigkeit bedrängt, von digitaler Unruhe erfasst und von der Kirche oft viel zu spät ernst genommen wird? 

Eine junge Region

Schon die Zusammenstellung der Fragen und Schwerpunkte im Leitwort zeigt, dass die Bischöfe die Jugend nicht nur als eine innerkirchliche Zielgruppe betrachten. Sie sehen junge Menschen als Gläubige, als Bürger, als Arbeitnehmer und nicht zuletzt als künftige Verantwortungsträger. Jugendpastoral wird damit zu eine, Blick auf die ganze Gesellschaft. Ostafrika ist eine ausgesprochen junge Region, in der ein hoher Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahre alt ist. Rund 42 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Die 10- bis 24-Jährigen stellen etwa ein Drittel der Bevölkerung. Bildung, Arbeit, politische Teilhabe und kirchliche Jugendpastoral sind hier keine Randfragen, sondern Schlüsselthemen für die Zukunft ganzer Gesellschaften.

Die Bischöfe haben diese Zukunft nicht romantisch verklärt, sondern sich der harten Realität der Jugend gestellt. Sie haben dazu junge Menschen zu Wort kommen lassen und deren Gedanken in ihrer Schlussbotschaft festgehalten. Jugendliche fühlten sich in Wahlkämpfen oft benutzt. Nach der Stimmenauszählung werden sie vergessen. Das ist eine der stärksten Aussagen aus Nairobi. Sie beschreibt eine Erfahrung, die in vielen Ländern Afrikas bekannt ist. 

Junge Menschen als Politikmasse

Junge Menschen werden mobilisiert, wenn Kundgebungen anstehen, wenn Kampagnen mitgetragen werden müssen oder politische Kämpfe auf der Straße ausgetragen werden sollen. Danach stehen sie da, wie zuvor wieder. Fehlende Arbeit, steigende Preisen, schlechte Bildung, politische Korruption und das Gefühl, dass ihre Stimme nur dann zählt, wenn sie anderen nutzt.

Die Kirche will dieser Logik widersprechen. Sie sagt nicht nur, junge Menschen seien die Zukunft. Die Bischöfe wollen, dass junge Menschen jetzt zur Sendung der Kirche gehören und sich diese zu eigen machen. Sie sollen nicht dekorativ als Sänger, Ordner oder Teilnehmer bei Großveranstaltungen erscheinen, sie sollen gehört, begleitet, geschützt und befähigt werden. Darin liegt der synodale Kern der Botschaft von Nairobi. Synodalität bedeutet nicht endlose Sitzungen und Kampfabstimmungen, sondern die Bereitschaft, aus dem Hören aufeinander praktische Konsequenzen zu ziehen.

Jugendstellen aufbauen und stärken

Bereits in Nairobi wurden die Bischöfe sehr konkret. Die Jugendstellen in den Bischofskonferenzen gestärkt oder aufgebaut werden, wo es noch keine gibt. Digitale Missionare sind auszubilden, Glaubensbildung zu vertiefen und Bildung zu fördern. Es wird für die jungen Menschen ein Mentoring geben, unter anderem um junge zu beruflich zu qualifizieren und Unternehmertum zu fördern. 

Dazu kommen Maßnahmen für psychische Gesundheit, gegen soziale Ausgrenzung, digitale Evangelisierung und die Förderung von missionarischen Berufungen. Damit haben sich die Bischöfe in Ostafrika ein breites Programm gegeben. Sie zeigen damit, dass sie verstanden haben, wie zersplittert die Lebenswirklichkeit junger Menschen in der Region ist. Am Ende ist es eine einfache Unterscheidung. Politik kann junge Menschen benutzen. Die Kirche ihre Berufung fördern. Politik kann sie als Masse benutzen. Die Kirche soll sie beim Namen nennen. Politik kann ihnen Parolen geben. 

Christus zeigen

Die Kirche soll ihnen Christus zeigen, der aus Hörern Jünger und aus Jüngern Zeugen macht. Wenn die Bischöfe der AMECEA diese Unterscheidung ernst nehmen, könnte Nairobi den Anfang eines pastoralen Paradigmenwechsels sein. In einer solchen Welt sind junge Menschen nicht die Warteschlange vor der Zukunft. Sie sind Gegenwart der Kirche. Sie sind nicht Wahlkampfmasse für Demagogen. Sie sind nicht billige Arbeitskraft für Ausbeuter. 

Sie sind auch nicht bloß Risiko, Unruhe oder statistische Herausforderung. Sie sind als Getaufte, Suchende, Verwundete, Begabte und Gesandte Kinder Gottes. In Nairobi haben die Bischöfe Ostafrikas versprochen, sie in den kommenden vier Jahren in die Mitte zu stellen. Es wird sich zeigen, ob aus dem Versprechen eine kirchliche Praxis wird.

Die AMECEA

AMECEA wurde 1961 in Daressalam gegründet und entstand aus dem Wunsch der ostafrikanischen Bischöfe, auf die politischen Umbrüche der Entkolonialisierung und die pastoralen Herausforderungen einer jungen Kirche gemeinsam zu antworten. AMECEA ist der Zusammenschluss der katholischen Bischofskonferenzen in Ostafrika. Zu ihr gehören unter anderem Eritrea, Äthiopien, Kenia, Malawi, Südsudan, Sudan, Tansania, Uganda und Sambia. Dschibuti und Somalia sind angeschlossen. 

Heute ist der Zusammenschluss eine der wichtigsten regionalen Stimmen der katholischen Kirche in Ostafrika und verbindet die Bischofskonferenzen von neun Ländern mit Dschibuti und Somalia als angeschlossenen Mitgliedern. Die Region ist jung, religiös lebendig und zugleich von schweren Herausforderungen geprägt. Arbeitslosigkeit, Migration, politische Gewalt, ethnische Mobilisierung, Armut, Bildungsdefizite, psychische Belastungen und schwache staatliche Strukturen gehören vielerorts zum Alltag. 

Text: Peter Winnemöller
Foto: shutterstock



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