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Zur Neuigkeit
3.500 Gläubige feierten den großen Anna-Schäffer-Gebetstag in Mindelstetten
„Anna Schäffer ist eine Heilige der kleinen Leute“
Mindelstetten, 29. Juli 2026
Rund 3.500 Gläubige kamen am Sonntagabend bei gutem Sommerwetter zum großen Anna-Schäffer-Gebetstag nach Mindelstetten. Festprediger und Hauptzelebrant war Abt Thomas Freihart OSB von der Benediktinerabtei Weltenburg. In seiner Predigt würdigte er die heilige Anna Schäffer als „eine Heilige der kleinen Leute“, die unzähligen Menschen in ihren unterschiedlichsten Lebenssituationen vom Krankenbett aus Trost, Rat und Hoffnung geschenkt habe. „Sie zeigt uns bis heute, welche Kraft im Gebet und in der innigen Verbundenheit mit Gott liegt“, betonte der Abt.
Gemeinsam mit mehr als 20 Priestern zog Abt Thomas vom Pfarrhaus aus durch die von den Ortsvereinen gebildete Spaliergasse zum festlich mit Sonnenblumen geschmückten Altarpodium. Pfarrer Josef Schemmerer erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass die Pfarrkirche Mindelstetten beim Anna-Schäffer-Gebetstag 2025 durch ein Dekret von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Diözesanheiligtum erhoben wurde. Damit werde die lebendige Wallfahrt gewürdigt, die Jahr für Jahr zahlreiche Pilger nach Mindelstetten führe.
Sein besonderer Gruß galt dem Festprediger Abt Thomas Freihart. „Wir haben den Benediktinern und den anderen Ordensgemeinschaften viel zu verdanken. Sie haben den Glauben in unserer Heimat gefestigt und unsere Kultur entscheidend geprägt. Bis heute sind die Klöster geistliche Zentren und Oasen, in denen Menschen bei Gott Ruhe und Frieden finden können“, sagte Pfarrer Schemmerer.
Willkommen hieß er außerdem die Konzelebranten sowie die Vertreter des öffentlichen Lebens, wie etwa Landrat Alexander Anetsberger und Bürgermeister Alfred Paulus.
Bei Anna Schäffer ist man nie allein
Abt Thomas bekannte zu Beginn seiner Predigt, dass er bei Fahrten durch die Region nach Möglichkeit immer das Grab der heiligen Anna Schäffer besuche. „Das Erstaunliche ist: Man ist hier nie allein. Immer sind Menschen im Gebet versammelt“, sagte der Abt. Dabei denke er an die Worte der Heiligen zu ihrer Nachbarin kurz vor ihrem Tod: „Geh nur an mein Grab, ich verstehe dich schon!“ Auch heute dürften die Gläubigen alles, was sie bewege – Sorgen, Leid, Trauer, Fragen oder Dank –, an ihr Grab bringen. Dabei gehe es nicht in erster Linie um ihre sterblichen Überreste, sondern um die Gewissheit, dass Anna Schäffer als Heilige Anteil am österlichen Leben des auferstandenen Christus habe.
Abt Thomas bezeichnete Anna Schäffer als „Heilige der kleinen Leute“. Sie habe selbst zu den Armen und Einfachen gehört, sei eine Heilige der Kranken und Behinderten gewesen und habe in schlichten Worten vom Wesentlichen gesprochen. Gerade in Mindelstetten, wo sie lebte, litt, starb und begraben wurde, spreche sie auch hundert Jahre nach ihrem Tod die Menschen noch an und gebe ihnen Orientierung.
Der Abt erinnerte an den tragischen Arbeitsunfall im Jahr 1901 in der Waschküche des Forsthauses in Stammham. Anna Schäffer rutschte mit beiden Beinen in einen Kessel mit kochender Lauge und erlitt schwerste Verbrennungen. Trotz intensiver ärztlicher Behandlung heilten ihre Verletzungen nie vollständig. Bis zu ihrem Tod litt sie unter offenen Wunden, starken Schmerzen, Krämpfen und Kopfschmerzen. 24 Jahre lang war sie an ihr Bett gefesselt. Dennoch habe sie sich nicht von Bitterkeit bestimmen lassen. Mit dem Blick auf das Kreuz habe sie stets gebetet: „Herr, dein Wille geschehe.“ Im Vertrauen auf Gott sei sie an ihrem Leid nicht zerbrochen, sondern innerlich gewachsen. Sie verband ihre Schmerzen mit dem Leiden Christi und wurde dadurch vielen Menschen zur Trösterin und geistlichen Begleiterin.
Fun ist nicht alles im Leben
Mit Blick auf die heutige Gesellschaft stellte Abt Thomas fest, dass Freizeit, Erlebnis und Genuss vielfach im Mittelpunkt stünden. Krankheit, Leid und Tod gehörten jedoch weiterhin untrennbar zum menschlichen Leben. Gerade deshalb könne das Beispiel Anna Schäffers Orientierung geben. Wer sich – wie sie – am leidenden Christus festhalte, erfahre Kraft und Hoffnung. Aus einem Brief Anna Schäffers aus dem Jahr 1919 zitierte der Abt: „Aus dem Gebet kommen Kraft und Stärke für die schweren und leidvollen Situationen und Stunden des Lebens.“ Besonders in schwierigen Zeiten brauche es einfache Formen des Gebets, an denen sich Menschen festhalten könnten. Deshalb warb Abt Thomas für den Rosenkranz sowie für die Wiederentdeckung des Morgen- und Abendgebets, des Angelus, des Tischgebets und christlicher Zeichen wie Weihwasser oder des Herrgottswinkels in den Wohnungen.
Ebenso hob er die Bedeutung der Volksfrömmigkeit hervor. Gerade sie habe in Zeiten schwerster Verfolgung – etwa während des Kommunismus in Osteuropa – den Glauben bewahrt und an die nächsten Generationen weitergegeben. Deutschland sei heute erneut Missionsland geworden, in dem auch im ländlichen Raum vieles an religiöser Praxis verloren gegangen sei. Zum Abschluss seiner Predigt rief der Festprediger dazu auf, die Impulse der heiligen Anna Schäffer neu aufzugreifen: „Beginnen wir neu mit einem gelebten Glauben im Alltag.
Jedes menschliche Leben ist kostbar
Von Anna Schäffer lernen wir, dass menschliche Größe nicht von Leistung oder Genuss abhängt. Jedes menschliche Leben ist kostbar, weil es Gottes Geschenk ist.“ Gerade vor diesem Hintergrund seien Diskussionen über Euthanasie und Sterbehilfe besonders nachdenklich zu führen. Abschließend ermutigte er die Gläubigen, weiterhin zur heiligen Anna Schäffer zu beten und auf ihre Fürsprache zu vertrauen.
Abt Thomas zelebrierte den Festgottesdienst gemeinsam mit mehr als 20 Konzelebranten, darunter Regionaldekan Johannes Hofmann, der bischöfliche Offizial Dr. Peter Stier sowie Pfarrer Josef Schemmerer. Die musikalische Gestaltung übernahm der Kirchenchor Mindelstetten unter der Leitung von Wolfgang Schauer.
Pfarrer Josef Schemmerer dankte dem Festprediger für seine ermutigenden Worte, die den Gläubigen Kraft für den Alltag schenken würden. Sein besonderer Dank galt den zahlreichen Helferinnen und Helfern aus der Pfarrgemeinde, die den Gebetstag über viele Tage hinweg vorbereitet hatten.
Den feierlichen Abschluss bildete der Primizsegen des Neupriesters Klaus Schülein. Bis weit in die Nacht hinein verweilten zahlreiche Pilger in der Pfarrkirche zur eucharistischen Anbetung und zum stillen Gebet am Grab der heiligen Anna Schäffer.
Text und Bilder: Martin Haltmayer
(chb)






