News Bild "Da kann wirklich nichts mehr schief gehen!" - Wertvolle Antworten auf die Frage: „Und wie geht es weiter?“ beim Berufsorientierungstag im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum

"Da kann wirklich nichts mehr schief gehen!" - Wertvolle Antworten auf die Frage: „Und wie geht es weiter?“ beim Berufsorientierungstag im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum

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Wer die Schüler und Eltern beim Berufsfindungstag an den Infoständen im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum genau beobachtet hat, dem offenbarten sich schnell eine Menge gemischter Gefühle. Aufregung, Neugier, Tatendrang, aber auch Unsicherheiten waren da zu spüren.

Schließlich drehte sich an diesem Abend alles um die eine Frage: Wie geht es nach der Schule für mich weiter? Reinhard Mehringer, Gesamtleiter des Förderzentrums in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V., weiß um die kleinen und großen Sorgen seiner Schüler und deren Familien und bietet ihnen viel Hilfestellung an. Eine davon ist der Berufsfindungstag, bei dem externe weiterführende Schulen und Nachfolgeeinrichtungen über ihr Angebot informieren.

Welche Ausbildung ist die richtige für mich? Auf welche weiterführende Schule möchte ich gehen? Welchen Beruf möchte ich später einmal ausüben? Bekannte Fragen, für jeden ähnlich, für manche Schulabgänger des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums kommen jedoch noch eine Reihe anderer wichtiger Fragen hinzu. Eine Körperbehinderung, Einschränkungen in der Motorik, ein Anfallsleiden, eine schwere Erkrankung haben Einfluss darauf, was für den Einzelnen möglich und machbar ist. Mit dem Rollstuhl überall hinkommen, geht das? Eine behindertengerechte Unterkunft finden, eine Pflegekraft haben, die einem zur Seite steht – vieles muss bedacht und geplant werden. Die Spannbreite der Anforderungen an die Rahmenbedingungen ist so groß wie die behinderungsbedingten Möglichkeiten der Schüler. So ist auch das Informationsangebot beim Berufsfindungstag ein buntes und vielfältiges.

Ausbildung oder weiterführende Schule?
Das Berufsbildungswerk für Körperbehinderte im ICP München beispielsweise ist eine spezialisierte Einrichtung zur Ausbildung junger Menschen mit Cerebralparese (Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt), orthopädischer, neuroorthopädischer oder chronischer Erkrankung oder einer Lernbehinderung mit motorischen und/oder krankheitsbedingten Einschränkungen. Ebenso wie das Berufsbildungswerk St. Franziskus der KJF in Abensberg und das Berufsbildungswerk Wichernhaus Rummelsberg bietet es die Erstausbildung in einer Vielzahl von anerkannten Ausbildungsberufen an. Die Abschlussprüfung erfolgt abhängig vom erlernten Beruf vor der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer oder dem Amt für Landwirtschaft und Forsten. In diesen Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation sorgt ein Team von Fachleuten aus den Bereichen Ausbildung, Berufsschule, Internat, Sozialdienst, Medizinischer und Psychologischer Fachdienst und Verwaltung für die ganzheitliche Förderung behinderter junger Menschen. Ebenso ein starker Partner, wenn es um die Integration junger Menschen mit Behinderung auf den Arbeitsmarkt geht, ist die Lernwerkstatt der KJF in Regensburg. Sie stellt sich als ambulante Reha-Einrichtung vor, die in 12 Bereichen und 21 Berufen ausbildet. Die Lernwerkstatt kooperiert eng mit dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum und bietet den Schülern mit der vertieften Berufsorientierung eine gute Ausgangsbasis für weitere Entscheidungen.

Der Weg in eine Reha-Einrichtung führt immer über die Agentur für Arbeit bzw. über einen anderen Träger der beruflichen Rehabilitation. Aus diesem Grund hat Reinhard Mehringer auch Gerlinde Braun von der Agentur für Arbeit aus Regensburg ins Pater-Rupert-Mayer-Zentrum eingeladen. Sie ist im Förderzentrum kein unbekanntes Gesicht. „Zwei Jahre vor der Schulentlassung gehe ich in die Klassen und führe mit jedem Schüler und dessen Eltern ein Gespräch“, berichtet die Reha-Beraterin. Nach einer Phase betrieblicher Praktika und einer viertieften Berufsorientierung folgen weitere Beratungsgespräche. Der psychologische Dienst der Agentur für Arbeit klärt die individuellen Voraussetzungen, Ressourcen und Defizite ab, stellt fest, welche Unterstützungsleistungen notwendig sind.

Die Bayerische Landesschule für Körperbehinderte bietet im Rahmen ihrer weiterführenden Schulen eine Berufsfachschule für Bürokräfte – eine Spezialeinrichtung für körper- und mehrfachbehinderte Jugendliche – und eine integrative Wirtschaftsschule an. Letztere vermittelt eine zwischen den Angeboten der Hauptschule und des Gymnasiums liegende allgemeine Bildung und eine berufliche Grundbildung im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung, abgeschlossen wird mit der Mittleren Reife. Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf werden gemeinsam in integrativen Klassen unterrichtet.

Entscheidend ist, dass es gelingt, die jungen Menschen in das Arbeitsleben zu integrieren
Das, so Mehringer, ist Ziel der Förderung, der schulischen Bildung und begleitender Therapien im Förderzentrum. Das komplexe Maßnahmepaket ist dabei speziell auf die individuellen Bedürfnisse und Behinderungen der Schüler abgestimmt. Wenn die Inklusion behinderter Menschen in die Gesellschaft gelingen soll, dann ist der Übergang von der Schule in den Beruf die große Herausforderung. Diese Schwelle zu schaffen, kann nur gelingen, wenn professionell, spezialisiert und passgenau gefördert wird, ist sich der Gesamtleiter sicher. Zusätzlich zu den Angeboten der Schule, des Internats und der begleitenden Fachdienste findet im PRMZ eine eigene Berufsvorbereitung statt, in der Schlüsselqualifikationen aufgebaut, Praktika absolviert und Folgeeinrichtungen besucht werden.

Der Kontakt zur Agentur für Arbeit gehört selbstverständlich dazu. Seit Oktober 2007 arbeitet die Integrationsberaterin Andrea Zeitler vom Integrationsfachdienst Oberpfalz im PRMZ mit Schülern der Jahrgangsstufen sieben, acht und neun. Auch sie informierte am Berufsfindungstag über ihr Projekt zur vertieften Berufsorientierung. Vorrangiges Ziel dieses Projektes sei, Schüler und Eltern über die regionale Arbeitsmarktsituation zu informieren und zu beraten. Betriebspraktika werden durch die Akquise und Vermittlung geeigneter Praktikumsstellen und Praktikumsbegleitung vorbereitet. Eine standardisierte Diagnostik hilft den Schülern ein realistisches Selbstbild zu gewinnen. Darüber hinaus erwerben die Schüler in Gruppen Schlüsselqualifikationen und soziale Kompetenzen, die ihnen den Einstieg in Ausbildung und Beruf erleichtern.