Tabletten, Dose mit Totenkopf-Symbol

Caritas fordert schnellere Hilfe für junge Süchtige

Drogentote: dramatischer Anstieg


Berlin / Regensburg, 21. Juli 2026

Mit Blick auf den Internationalen Gedenktag für drogengebrauchende Menschen warnen der Deutsche Caritasverband (DCV) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Caritas Suchthilfe (BAG CaSu), dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene durch das bestehende Hilfesystem fallen.

Angesichts der stark gestiegenen Zahl junger Drogentoter fordert die Caritas einen deutlichen Ausbau altersgerechter Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene, bessere Unterstützungsangebote für Eltern sowie eine stärkere Früherkennung psychischer Belastungen und riskanten Konsums in Schulen.

Die Anfang Juli veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung zeigen eine alarmierende Entwicklung: Im Jahr 2025 starben bundesweit 2.150 Menschen infolge ihres Drogenkonsums. Besorgniserregend ist der starke Anstieg bei jungen Menschen. Jeder vierte Drogentote war jünger als 30 Jahre. Bei den unter 20-Jährigen hat sich die Zahl der Drogentoten seit 2021 nahezu verdoppelt.

Dazu Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: „Neue Substanzen und neue, digital gestützte Vertriebswege machen Drogen leichter verfügbar und gefährlicher als je zuvor. Viele wissen nicht, welche Wirkstoffe sie tatsächlich konsumieren. Gerade junge Menschen brauchen frühzeitig Unterstützung. Rapide Verelendung fordert schnelle Intervention.“ Nach Beobachtung der Caritas verändern sich Konsummuster und Drogenmärkte rasant. Besonders Kokain, Crack und synthetische Opioide gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig nimmt der Mischkonsum zu. 

Mehr als vier von fünf Drogentoten starben 2025 im Zusammenhang mit mehreren gleichzeitig konsumierten Substanzen. Die Einrichtungen der Caritas erleben diese Entwicklung unmittelbar. Auch in Regensburg ist es durchaus nötig, Drogenabhängige zu beraten und zu stützen. Das geschieht in Anlaufstellen für Erst- oder Akutberatung, in stationären Einrichtungen und Fachklinken sowie in ambulanten Angeboten zur Nachsorge. Wir haben dazu eine Liste auf unserer Bistums-Webseite aufgeschaltet.

Eine Caritas-Fachambulanz für substitutionsgestützte Behandlung existiert natürlich auch in München. Dort begleitet das Projekt „SubPort“ junge opioidabhängige Menschen zwischen 16 und 21 Jahren. Bundesweit existieren für diese Zielgruppe bislang nur zwei dieser ambulanten Angebote. „Neben der leichteren Verfügbarkeit von Suchtmitteln, verstärkt auch über soziale Medien, beobachten wir vor allem einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen bei jungen Menschen. Häufig stehen Angst- und Panikstörungen am Beginn einer Abhängigkeitserkrankung“, sagt Rüdiger Krause, Leiter der Fachambulanz für substitutionsgestützte Behandlung in München.

„Der Einstieg geht dann über opioidhaltige Medikamente, die betäuben und beruhigen sollen“, so Krause weiter. Nach seiner Erfahrung bestehen erhebliche Versorgungslücken. Minderjährige Abhängige fänden oft weder in der Suchthilfe noch in der Jugendhilfe passende Angebote. Gleichzeitig seien die kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen vielerorts überlastet. Er fordert: „Wir brauchen dringend spezialisierte Behandlungs- und Wohnangebote für diese jungen Menschen.“

Immer wieder erleben Helfer einen engen Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Suchtentwicklung. „Wir erleben häufig einen Bewältigungskonsum. Viele junge Menschen greifen zu Alkohol oder Drogen, weil sie keine anderen Strategien kennen, mit belastenden Gefühlen umzugehen“, sagt Sozialpädagogin Magda Bittner vom Berliner HaLT-Team. Prävention muss deshalb früher ansetzen. Bereits in Kitas und Schulen sollten Kinder lernen, mit Stress, Ängsten und belastenden Situationen umzugehen. 

Gleichzeitig brauchen Eltern mehr Unterstützung, um ihre Kinder in schwierigen Situationen gut begleiten zu können. Zudem ist ein niedrigschwelliger Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung notwendig. Deutscher Caritasverband (DCV) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Caritas Suchthilfe (BAG CaSu) unterstreichen deshalb: Wer jungen Menschen frühzeitig passende Hilfe anbietet, verhindert schwere Suchterkrankungen und rettet Leben. Jeder Drogentote ist einer zu viel.

Auch in und um Regensburg ist die Caritas mit zahlreichen Fachambulanzen für Suchtberatung vertreten. Wenn Sie Probleme haben oder Beratung suchen, wenden Sie sich an eine der Caritas-Suchtambulanzen im Bistum Regensburg.


Text: Deutscher Caritasverband

(sig und SG)

Weitere Infos

Zum Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige: 

Den Gedenktag gibt es seit 1998. Er geht auf die Initiative der Mutter eines jungen Drogentoten aus Gladbeck zurück. Dort wurde eine Gedenkstätte für ihn und andere verstorbene Drogengebrauchende errichtet. In den folgenden Jahren entstanden weitere Orte des Erinnerns und Mahnens. Der erste Gedenktag für Drogentote fand 1998 statt. Das Motto 2026 lautet: „Verändern, um Leben zu retten“. In Deutschland beteiligen sich mehr als 100 Städte, darunter auch Regensburg mit einer Veranstaltung der Caritas.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Caritas Suchthilfe (BAG CaSu) ist das Fachnetzwerk der Caritas für Suchthilfe. Sie vertritt die Interessen von rund 200 Einrichtungen der Suchtberatung, -behandlung und -prävention. DCV und BAG CaSu sind Mitglied im Vorstand der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).



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