Liturgischer Einzug in die Kirche

Bischof Rudolf Voderholzer feiert 90 Jahre Maria Immaculata in Bad Weißenstadt

„Wer nach dem Glück jagt, der verjagt es“


Bad Weißenstadt am See, 03. September 2026 

Einen besonderen Festtag hat die Pfarrgemeinde in Bad Weißenstadt am See am Sonntag gemeinsam mit Gläubigen aus der Pfarreiengemeinschaft Marktleuthen, Kirchenlamitz und Röslau gefeiert: Vor 90 Jahren wurde die Pfarrkirche Maria Immaculata geweiht. Zum Jubiläum besuchte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Gemeinde und feierte mit ihr einen festlichen Pontifikalgottesdienst. Auf den Tag genau vor 90 Jahren hatte der damalige Regensburger Bischof Michael Buchberger das neu errichtete Gotteshaus geweiht und unter den Schutz Mariens gestellt.

Der Bau der Kirche fiel in eine politisch schwierige Zeit. Vom 1. bis 16. August 1936 fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt, erinnerte Bischof Rudolf. Während die nationalsozialistischen Machthaber der Welt ein friedliches und weltoffenes Deutschland präsentierten, liefen bereits Kriegsvorbereitungen und der Einfluss der Kirche wurde durch ständige Verstöße gegen das Reichskonkordat zurückgedrängt. „Da war es ein großes Zeichen diese Kirche zu bauen, als eine Trutzburg mit ihren romanischen Elementen, um sich hier zu versammeln und im Glauben stärken zu lassen bis auf den heutigen Tag“, sagte der Bischof.

Ein Gotteshaus, das Generationen geprägt hat

Seit neun Jahrzehnten ist Maria Immaculata für die katholischen Christen in Weißenstadt und Umgebung ein Ort des Gebets und der Gemeinschaft, der Freude und der Trauer. Daran erinnerte zum Jubiläum auch ein kleiner „Geburtstagstisch“ vor einem Seitenaltar. Dort war neben der festlichen Dekoration die gerahmte Weiheurkunde zu sehen – ein sichtbares Zeichen für die Geschichte des Gotteshauses und der Menschen, die es seit 90 Jahren mit Leben erfüllen.

In seiner Predigt näherte sich der Bischof dem Evangelium, in dem Jesus zur Kreuzesnachfolge aufruft, mit dem Hinweis auf eine vielfach bezeugte Menschheitserfahrung: Glück und Zufriedenheit sind „Nebenwirkungen“ eines Lebens im Engagement für andere, im Dienst für etwas Gutes. Ein Zeugnis unter vielen ist Bertolt Brecht: „Wer nach dem Glück jagt, der verjagt es.“ 

Das Kreuz als Weg zum Leben

Ohne dem Wort Jesu von der Kreuzesnachfolge seinen Ernst zu nehmen, zeige doch bereits die Erfahrung der Menschheit, dass erfülltes Leben mit Hingabe zu tun habe. Jesus knüpft daran an und bezieht letztlich alles auf sich und das Hinter-ihm-Hergehen. „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer es aber um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“ (Mt 16,25) Kreuzesnachfolge bedeute also nicht Selbstvernichtung. Vielmehr sei sie die Einladung, das eigene Leben zu wagen und einzusetzen und gerade dadurch zu einem erfüllten Leben zu finden. 

Diese Botschaft, so Bischof Rudolf, lasse sich am 90. Weihetag auch an der Innengestaltung des Kirchenraums von Maria Immaculata ablesen. Der Blick wird sogleich auf den Altar gerichtet, auf dem das heilbringende Kreuzesopfer Jesu Christi Gegenwart wird in der Feier der Eucharistie. Das Altarbild zeigt Christus am Kreuz, dessen weit ausgebreitete Arme wie eine Umarmung der Menschheit wirken. Unter dem Kreuz stehen Maria, die Patronin der Kirche, und Johannes. Und das Thema des Kreuzes zieht sich hinein auch ins Kirchenschiff.

Zwölf Apostel – Säulen der Kirche aus „lebendigen Steinen“

Besondere Aufmerksamkeit schenkte Bischof Rudolf den zwölf Weihekreuzen und den zum Fest entzündeten Apostelleuchtern. Die Zahl Zwölf erinnert an die Apostel, auf deren Zeugnis und Lebenshingabe die Kirche als Gemeinschaft aus „lebendigen Steinen“ aufruht. Die Apostelleuchter sind in Weißenstadt jeweils zu zweit angeordnet, für Bischof Rudolf ein Hinweis, dass Berufung zum apostolischen Dienst keine Berufung zum Einzelkämpfertum sei. Schon Jesus habe seine Jünger vielfach zu zweit berufen, und zu zweit ausgesandt. „Jesus beruft in eine neue Geschwisterlichkeit hinein“, sagte Bischof Rudolf.

Dazu komme der Kreuzweg. Auch dessen 14 Stationen sind jeweils zu zweit zusammengefasst. Dadurch entstehe ein bemerkenswerter Rhythmus zwischen Apostelleuchtern und Kreuzwegstationen. Apostolischer Dienst und Nachfolge Jesu schrieben sich in den Kreuzweg Christi ein – nicht als düstere Botschaft, sondern als Weg zum Heil.

Nicht fragen: „Was habe ich davon?“

Damit führte die Betrachtung des Kirchenraumes unmittelbar zur Frage nach dem eigenen Leben. Kreuzweg und Apostelleuchter seien Sinnbilder dafür, wie christliches Leben gelingen könne. Dabei gehe es nicht darum, sich in eine düstere Kreuzesmystik zurückzuziehen. Entscheidend sei vielmehr die Bereitschaft, das eigene Leben einzusetzen, ohne ständig nach dem persönlichen Nutzen zu fragen.

Eine Gemeinde lebe von Menschen, die nicht zuerst danach fragten, was sie bekommen, sondern bereit seien, etwas zu geben: Zeit, Kraft, Aufmerksamkeit, Liebe, Verantwortung und Glauben.

Von einem Betsaal zur eigenen Pfarrkirche

Pfarrgemeinderatssprecherin Barbara Weiß erinnerte beim Jubiläum an die Anfänge der katholischen Gemeinde in Weißenstadt. „Es waren keine einfachen Zeiten, als die ersten katholischen Gläubigen in der evangelisch geprägten Stadt nach einem Ort suchten, an dem sie gemeinsam ihren Glauben leben konnten.“

Die Geschichte ist eng mit der aus Italien stammenden Familie Peruzzi verbunden, die für den Bau der Eisenbahnstrecke Hof-Regensburg nach Weißenstadt gekommen war. 1912 richtete die Familie in ihrem neuen Haus einen Betsaal ein und schuf damit für die wenigen Katholiken einen Ort des gemeinsamen Gebets.

Die Gemeinde wuchs. 1924 lebten bereits rund 150 Katholiken in Weißenstadt. 1934 konnte schließlich das Grundstück für eine eigene Kirche erworben werden, ein Jahr später begann der Bau. Erneut spielte die Familie Peruzzi eine entscheidende Rolle. Emil Peruzzi, der inzwischen ein eigenes Baugeschäft betrieb, mauerte gemeinsam mit seinen drei Söhnen die Kirche Stein für Stein. 1936 wurde das Gotteshaus durch Bischof Michael Buchberger geweiht.

„Und nun, 90 Jahre später, stehen die Menschen wieder hier - stolz auf ihre Marienkirche und dankbar für das, was in diesen Mauern über Generationen hinweg gewachsen ist“, sagte Barbara Weiß.

Ein offenes Haus für die Menschen

Auch Landrat Peter Berek und Bürgermeister Matthias Beck gratulierten der Pfarrgemeinde zum Jubiläum. Der Besuch des Bischofs sei ein besonderes Zeichen der Wertschätzung für die katholische Gemeinde. Bürgermeister Beck verband seine Glückwünsche mit einem Wunsch für die Zukunft: „Möge diese wunderschöne katholische Pfarrkirche auch in Zukunft ein offenes Haus bleiben - für die Menschen in Weißenstadt, für Einheimische und Gäste, für Jung und Alt und für alle, die hier ein Stück Heimat, Ruhe und Hoffnung suchen“.

Freude und Leid, Anfang und Abschied, Hoffnung und Zweifel haben die Geschichte der Marienkirche in den vergangenen 90 Jahren geprägt. Zugleich haben Generationen von Gemeindemitgliedern dafür gesorgt, dass sie nicht allein als Gebäude erhalten blieb, sondern ein lebendiger Ort des Glaubens wurde.

Der Pontifikalgottesdienst wurde vom evangelischen Posaunenchor, Organist Stefan Scheffel und Kantor Christian Peter Rothemund musikalisch gestaltet. Anschließend kamen Pfarrgemeindemitglieder und Ehrengäste im Pfarrgarten zum gemeinsamen Austausch zusammen. Zum Abschluss seines Besuchs trug sich Bischof Rudolf Voderholzer im Pfarrhaus in das Goldene Buch der Stadt Bad Weißenstadt am See ein.

Text und Fotos: Elisabeth Dobmayer
(jas)



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