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Zur Neuigkeit
Prof. Karlheinz Dietz legt neues Werk zum Turiner Grabtuch vor
Bleibender Dienst für Wissenschaft
Regensburg, 22. September 2026
Prof. Karlheinz Dietz und Bischof Dr. Rudolf Voderholzer verbindet eine besondere Leidenschaft: Das Turiner Grabtuch. Der emeritierte Geschichtswissenschaftler veröffentlicht dazu im Frühjahr 2027 ein rund 500-seitiges Werk, das in Regensburg verlegt wird. Für den Diözesanbischof war es eine Selbstverständlichkeit für den vorliegenden Band ein Grußwort zu stiften. Am vergangenen Dienstag besuchte der Autor den Bischof, um ihn das bereits fertig gesetzte Buch vorzulegen. Arbeitstitel des Werks: „Die Bulle. Der erste dokumentierte Streit um das Turiner Grabtuch“.
Historische Papstbulle zum Turiner Grabtuch neu untersucht
In seinem Buch widmet sich der Historiker Karlheinz Dietz einer Papstbulle Clemens’ VII. aus dem Jahr 1390, die seit mehr als einem Jahrhundert als Beleg dafür herangezogen wird, dass das Turiner Grabtuch bereits im Mittelalter als Fälschung erkannt worden sei. Dietz hinterfragt diese verbreitete Interpretation und untersucht die Entstehung, Überlieferung und historischen Hintergründe des Dokuments.
Grundlage seiner rund zwanzigjährigen Forschungsarbeit sind erhaltene Originalurkunden, bislang wenig beachtete Quellen und eine kritische Neubewertung der päpstlichen Verlautbarung. Dabei beleuchtet er insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen der päpstlichen Kurie in Avignon und den beteiligten kirchlichen Akteuren. Zahlreiche Dokumente werden erstmals in überarbeiteter Form ediert, übersetzt und kommentiert. Die Untersuchung will damit neue Erkenntnisse über die Geschichte des Turiner Grabtuchs liefern und die historische Aussagekraft der Papstbulle von 1390 neu einordnen.

Fundierte Grundlage für weitere wissenschaftliche Untersuchungen
Bischof Rudolf, der selbst ein sehr getreues Faksimile des Turiner Grabtuchs besitzt und dieses immer wieder in die Pfarreien des Bistums verleiht, würdigt in seinem Grußwort die jahrzehntelange Forschungsarbeit des Regensburger Historikers. Sein Buch leiste einen wichtigen Beitrag zur historischen Einordnung der Reliquie. Das Turiner Grabtuch, so der Bischof, gehöre zu den am gründlichsten untersuchten und zugleich am heftigsten umstrittenen Zeugnissen der Christenheit. Die katholische Kirche habe sich in der Frage seiner Echtheit bewusst zurückgehalten. Dennoch könne das Tuch Menschen zum Nachdenken über Leiden, Tod und Auferstehung Jesu bewegen. Besonders hebt der Bischof die wissenschaftliche Leistung von Dietz hervor.
Auf Grundlage historischer Quellen und neu aufgefundener Urkunden rekonstruiere dieser den ersten dokumentierten Streit um das Grabtuch im Jahr 1390. Dabei korrigiere er eine seit mehr als einem Jahrhundert verbreitete Darstellung. Die Behauptung, das Grabtuch sei bereits im Mittelalter als Fälschung entlarvt worden, könne Dietz nach Bischof Voderholzers Worten „als eine Verdrehung der Überlieferung ausweisen und somit widerlegen“. Das Werk biete damit eine fundierte Grundlage für weitere wissenschaftliche Untersuchungen und eine sachliche Urteilsbildung. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer dankt Dietz ausdrücklich für seine langjährige Forschungsarbeit und ist überzeugt: „Es wird der Wissenschaft und allen, die sich um das Grabtuch bemühen, einen bleibenden Dienst leisten.“ Und weiter: „Passenderweise erscheint es rechtzeitig zum Jubiläum 2028, wenn Turin des 450. Jahrestages der Ankunft des Tuches in der Stadt gedenkt.“
Prof. Karlheinz Dietz
Prof. Karlheinz Dietz ist studierter Geschichtswissenschaftler. Er lehrte von 1985 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2012 als Professor für Alte Geschichte an der Universität Würzburg. Der gebürtige Regensburger lebt nun wieder in seiner Heimatstadt. Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind die römische Kaiserzeit einschließlich der Spätantike, Geschichte, Geographie und Inschriften der Alpen- und Donauländer. Seit Jahrzehnten erforscht er die Geschichte des Turiner Grabtuchs.
Text und Foto: © Jakob Schötz
(jas)




