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Zur Neuigkeit
Habt Mut, so lautete das Motto des ersten West Africa Youth Days
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 23. September 2026
Mehr als 3.000 junge Katholiken aus 16 Ländern hatten sich in Ghana zu den ersten West Africa Youth Days getroffen. In einer Region, in der fast zwei Drittel der Menschen jünger als 25 Jahre sind, standen die Themen Frieden, Migration, Arbeitslosigkeit, digitale Kultur und die Verantwortung einer Generation, die Westafrikas Zukunft prägen wird im Fokus.
In Accra, der Hauptstadt Ghanas, haben sich vom 7. bis 11. September 2026 erstmals mehr als 3.000 junge Katholiken aus 16 westafrikanischen Ländern zu den West Africa Youth Days versammelt. Organisiert wurde das Treffen von der Regional Episcopal Conference of West Africa (RECOWA), dem Zusammenschluss der katholischen Bischofskonferenzen Westafrikas. Es stand unter dem Leitwort „Habt Mut. Katholische Jugend als Akteure und Gestalter von Frieden und Hoffnung in Westafrika“.
Auf dem Programm standen Gebet, Katechesen, Eucharistiefeiern, kultureller Austausch und Gespräche über Frieden, politische Verantwortung, gesellschaftliche Konflikte und die Zukunft der jungen Generation. Papst Leo XIV. wandte sich mit einer Videobotschaft an die Teilnehmer. Er rief sie unter anderem dazu auf, niemanden auszugrenzen und Brücken zwischen Völkern, Kulturen und Religionen zu bauen.
Es war das erste regionale katholische Jugendtreffen dieser Größenordnung in Westafrika. Bei der Abschlussmesse wurde die Zahl von 3.071 Teilnehmern aus 16 Staaten genannt. Die Hauptveranstaltungen fanden an der traditionsreichen Achimota School in Accra statt. Das Treffen verband Begegnung mit geistlicher Vertiefung.
Westafrika ist sprachlich und kulturell stark gegliedert. Englisch, Französisch und Portugiesisch sind in vielen Staaten offizielle Sprachen oder wichtige Verkehrssprachen. Auch die Katechesen mussten dieser Vielfalt Rechnung tragen. Die Unterschiede gehen wesentlich auf die koloniale Geschichte der Region zurück.
Mut in einer unruhigen Region
Das Leitwort des Treffens stammt aus dem Johannesevangelium: „Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“ Die Organisatoren verbanden dieses Wort unmittelbar mit der Lage in Westafrika. In Teilen der Region prägen bewaffnete Konflikte, islamistischer Terrorismus, politische Instabilität, Arbeitslosigkeit und Migration das Leben vieler junger Menschen. Auch kirchliche Vertreter nannten Unsicherheit, irreguläre Migration, Arbeitslosigkeit und Armut ausdrücklich als Herausforderungen.
Papst Leo XIV. griff diese Lage in seiner Videobotschaft auf. Er sprach über Zweifel und Unsicherheit und warnte davor, Antworten auf die tiefsten Fragen des Lebens nur in digitalen Medien zu suchen. Fragen nach Identität, Berufung und Zukunft ließen sich nicht durch endloses Scrollen lösen. Der Papst rief die Jugendlichen dazu auf, Christus Raum zu geben und aus dem Glauben Hoffnung für ihre Umgebung zu schöpfen.
Auch Kardinal Michael Czerny, der frühere Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, hatte die Teilnehmer vor Beginn ermutigt. Seine Botschaft lautete: „Ihr seid nicht allein“. Mut sei besonders dort notwendig, wo junge Menschen Angst vor ihrer Zukunft hätten. Czerny hatte das Dikasterium bis Ende Juni 2026 geleitet. Seither ist Schwester Alessandra Smerilli dessen Präfektin.
Bischof Alexis Youlo Touabli von Agboville in der Elfenbeinküste, Präsident von RECOWA, machte bei der Eröffnung deutlich, dass das Treffen nicht folgenlos bleiben sollte. Die Jugendlichen seien nach Accra gekommen, um Christus zu folgen und Friedensstifter zu werden. Angesichts von Gewalt und gesellschaftlichen Krisen sei dies ein konkreter Auftrag.
Keine verlorene Generation
Einen der stärksten Akzente setzte der Apostolische Nuntius in Ghana, Erzbischof Julien Kaboré. Er widersprach der Vorstellung, Afrikas Jugend sei eine verlorene oder geopferte Generation. Junge Menschen sollten sich nicht nur als Opfer der Probleme ihrer Länder verstehen und nicht darauf warten, irgendwann Verantwortung übernehmen zu dürfen. Kirche und Gesellschaft brauchten sie schon heute.
Kaboré bezeichnete die jungen Teilnehmer als „Gegenwart Gottes“ in ihren Ländern. Er forderte sie auf, Freundschaften über ethnische und nationale Grenzen hinweg zu schließen und sich nicht von Angst bestimmen zu lassen. Sie sollten nicht nur darüber nachdenken, ihre Heimatländer zu verlassen, sondern auch darüber, wie sie diese mitgestalten könnten.
Dieser Gedanke prägte mehrere Katechesen. Die Bischöfe sprachen über Frieden, Gerechtigkeit, gesellschaftliche Einheit und die Verantwortung junger Christen. Glaube sollte in konkretes Handeln münden. Zu den Themen gehörten auch materielle Erwartungen und digitale Kultur. Bischof Touabli warnte davor, Wohlstand, Macht, Vergnügen oder Technik zu Ersatzreligionen werden zu lassen.
Der Wunsch nach Glück sei legitim, könne aber nicht durch Dinge erfüllt werden, die den Menschen letztlich nicht tragen. Die Warnung richtete sich auch an eine Generation, deren Alltag stark durch Smartphones und soziale Medien geprägt ist.
Lebensschutz und soziale Verantwortung
Die Eröffnungsmesse fiel auf den 8. September, das Fest Mariä Geburt. Der Vorsitzende der ghanaischen Bischofskonferenz, Bischof Matthew Kwasi Gyamfi, verband den Tag mit einem Appell für den Schutz ungeborenen Lebens. Jedes gezeugte Kind habe Würde und einen Platz im Plan Gottes. Er forderte die Jugendlichen auf, Abtreibung nicht als selbstverständlichen Bestandteil moderner Gesellschaften hinzunehmen.
Das Programm ging damit weit über klassische Jugendpastoral hinaus. Konflikte und Friedensarbeit standen ebenso auf der Tagesordnung wie Lebensschutz, Migration, digitale Kultur und soziale Verantwortung. Immer wieder ging es um die Rolle junger Katholiken in Gesellschaften, deren Zukunft besonders stark von ihrer Generation geprägt werden wird.
Westafrika gehört zu den jüngsten Regionen der Welt. Nach Angaben der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten, Economic Community of West African States (ECOWAS), sind fast 65 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre. Diese demografische Struktur macht Jugendfragen zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema der Region.
Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, Erzbischof von Kinshasa und Präsident des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar, bezeichnete die Jugendtage in einer Botschaft als historischen Augenblick für Westafrika und die Kirche des Kontinents. Das Leitwort „Habt Mut“ richte sich an eine Generation, die mit Gewalt, Arbeitslosigkeit, Armut und mangelnden Perspektiven konfrontiert sei. Jugendliche sollten sich nicht in Resignation zurückziehen, sondern Träger von Frieden und Hoffnung werden.
Grenzen überschreiten
Das Treffen hatte auch vor dem Hintergrund der Geschichte Westafrikas eine besondere internationale Bedeutung. Die heutigen Staatsgrenzen und Sprachräume der Region sind stark durch die europäische Kolonialherrschaft geprägt. Französischsprachige Länder liegen neben englischsprachigen Staaten wie Ghana und Nigeria. Hinzu kommen portugiesischsprachige Länder wie Guinea-Bissau und Cabo Verde.
In Accra begegneten sich damit junge Katholiken, deren Länder zwar derselben Region angehören, die im Alltag aber oft nur wenige direkte Berührungspunkte haben.
Bischof Touabli griff diese Erfahrung bei der Abschlussmesse auf. Seine Schlussbotschaft lautete: „Das Licht Afrikas, des neuen Afrikas, ist in euch“. Die Jugendlichen sollten ihre Begabungen und ihren Glauben einsetzen, um an einem geeinten und verantwortungsbewussten Afrika mitzuwirken.
Auch Nuntius Kaboré nahm das Leitwort zum Abschluss noch einmal auf. Christus sage den Jugendlichen nicht, ihre Schwierigkeiten seien belanglos. Christlicher Mut bedeute vielmehr, ihnen nicht allein gegenüberzustehen. Daraus leitete er den Auftrag ab, Gewalt, Hass und Manipulation zurückzuweisen und selbst Friedensstifter zu werden.
So endeten die ersten West Africa Youth Days nicht mit einem neuen Programm, sondern mit einer Sendung. Die Teilnehmer kehrten in ihre Länder, Diözesen und Gemeinden zurück. Ihnen war aufgetragen worden, dort fortzusetzen, was in Accra begonnen hatte.
Text: Peter Winnemöller
Foto: Shuttertsock




