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Zur Neuigkeit
Scientists for Future im Gespräch mit Bischof Voderholzer
Klimaschutz und Verantwortung für die Schöpfung
Regensburg, 23. September 2026
Über die Verantwortung von Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft angesichts des Klimawandels haben sich Vertreter der Regensburger Regionalgruppe der „Scientists for Future“ mit Bischof Rudolf Voderholzer ausgetauscht. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen Fragen nach der Rolle der Kirche in der öffentlichen Debatte, nach konkreten Möglichkeiten für mehr Klimaschutz und nach der Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.
Insgesamt 16.000 Menschen sind in diesem Jahr an den Folgen der Hitze in Deutschland verstorben. Die Hitzetoten sieht Dr. Andreas Kestler, ehemaliger Geschäftsführer des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg, in Verbindung mit dem Klimawandel. Der Mediziner engagiert sich ehrenamtlich bei den Scientists for future, sowie beim Verein Rafael, der sich um die medizinische Versorgung von bedürftigen Menschen in Regensburg kümmert. Der Regensburger Oberhirte verwies darauf, dass er seine Stimme gerade wieder in Berlin für den Lebensschutz erhoben habe, indem er persönlich zum zehnten Mal am Marsch für das Leben teilnahm. Er gebe seine Stimme denjenigen, die keine haben, oder selbst ihre Stimme nicht mehr erheben können. Dies schließe vor allem auch kranke und pflegebedürftige Menschen mit ein. Er machte auch klar, dass jedes Jahr in Deutschland über 100.000 Embryonen abgetrieben werden. Ebenso verwies er auf die Todesfälle durch assistierten Suizid. Gerade für diese Menschen engagiert sich die Kirche und gibt ihnen eine Stimme, so Bischof Rudolf. Gerade im Hinblick auf den assistierten Suizid formulierte Bischof Rudolf eine klare Botschaft, die auch in der Hospizbewegung ein Leitsatz ist: „Gehalten durch unsere Hand bis zum Tod, nicht durch unsere Hand“.
Im Zuge dieses Gesprächs hob er vor allem die professionelle und wichtige Arbeit der Caritas im Bistum Regensburg, sowie der katholischen Jugendfürsorge hervor. Die kirchlichen Verbände setzen sich vor allem für Bedürftige, Kranke und pflegebedürftige Menschen ein und versuchen sie in ihren Notsituationen zu unterstützen und mit ihrem Handeln christliche Nächstenliebe sichtbar zu machen. Bischof Voderholzer verwies dabei auf die wichtige Arbeit der Streetworker des Caritasdiözesanverbandes, die sich vor allem um Obdachlose und Drogensüchtige in der Domstadt kümmern. „In Regensburg muss keiner auf der Straße schlafen“, so Bischof Rudolf. Doch viele Obdachlose wollen bewusst keinen Platz in einem Wohnheim in Anspruch nehmen.
Klimaschutz betrifft jeden einzelnen Christen
Am Gespräch nahm auch Michael Sterner teil. Er ist Ingenieur und Professor für „Energiespeicher, Wasserstoff und erneuerbare Energiesysteme“ an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und Mitbegründer der Regensburger Regionalgruppe der Scientists for future. Er unterstrich die Bedeutung einer sachlichen und faktenbasierten Auseinandersetzung mit den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Der Zusammenschluss von Wissenschaftlern ist überinstitutionell, überparteilich und interdisziplinär. Angesichts der Gefahren der Nachhaltigkeitskrise, eines ungebremsten Klimawandels und des fortschreitenden Artensterbens engagieren sich die Mitglieder, dass wissenschaftliche Erkenntnisse angemessen in die politischen Debatten einfließen und bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft Berücksichtigung finden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das gesellschaftliche Engagement der Kirche. Die Teilnehmer betonten die Bedeutung eines offenen Austauschs mit unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft. Kirche könne dabei eine Brückenfunktion übernehmen und dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse, ethische Fragen und die Lebenswirklichkeit der Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Bischof Rudolf plädierte dafür, die Politik stärker in die Verantwortung zu ziehen, die auch in der Entscheidungsverantwortung für Klimaschutzziele, Baumaßnahmen und Fördermittel seien. Doch diese bedeute für ihn kein Rückzug aus der Verantwortung um den Klimaschutz. Ganz im Gegenteil. Jeder einzelne getaufte Christ steht in der Verantwortung seine Stimme für die Schöpfung einzubringen. Egal ob am Arbeitsplatz, in der Familie, der Politik und gerade auch der Wissenschaft. Christliche Werte müssen deutlich und klar das Maß des Handelns sein. So können alle gemeinsam die Schöpfung bewahren und die Welt für die zukünftigen Generationen erhalten.
Auch die Schöpfungsverantwortung des Bistums wurde thematisiert. Dabei ging es um die Frage, wie kirchliche Einrichtungen selbst Verantwortung übernehmen und Klimaschutz stärker im eigenen Handeln verankern können. Dazu hatte Bischof Rudolf auch Beate Eichinger, die Leiterin der Fachstelle Umwelt und ökosoziale Gerechtigkeit im Bistum Regensburg, sowie Klaus Hirn, Referent in der Fachstelle, zum Gespräch eingeladen. Beate Eichinger nahm unter anderem Stellung zu den konkreten Maßnahmen, die im Alltag von kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden umgesetzt werden können. Sei es der Umbau von Heizsystemen für Kirchen und Pfarrheime, oder die Installation von Photovolatikanlagen auf geeigneten Dächern der kirchlichen Gebäude im Bistum. Die Öko-Enzyklika ‚Laudato si' von Papst Franziskus ist ein Weckruf an alle Menschen. Schöpfungsverantwortung muss sich im eigenen Tun widerspiegeln. So macht sich die Diözese Regensburg offiziell seit dem 1. Januar 2019 im Rahmen eines vom BMU geförderten Klimaschutzprojektes auf den Weg, ihre Ökobilanz in den Handlungsfeldern Gebäude/Energie, Mobilität und Beschaffung kritisch zu beleuchten und ihre CO2-Bilanz zu verbessern.
Seit 2005 Schöpfungstag im Bistum Regensburg
Auch der Schöpfungstag rückt seit 2005 jedes Jahr die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Bewahrung in den Fokus. In diesem Jahr lädt der 22. Schöpfungstag, am Samstag, den 26. September 2026, unter dem Leitthema "Waldidylle – Industriekulisse“, nach Viechtach, in den Bayerischen Wald, ein. Journalist und Autor Herbert Pöhnl stellt im Festvortrag augenzwinkernd vor, wie sich in Viechtach der Naturerlebnisraum mit dem Selbstverständnis als traditioneller Industriestandort verbinden.
Interessierte können sich über diesen Link direkt für den 22. Schöpfungstag 2026 anmelden: Flyer und Anmeldung Schöpfungstag 2026
Text und Fotos: Christian Beirowski
(jas/chb)








