News Bild Brücken bauen zu Menschen! Stiftskanonikus Helmut Huber spricht in seiner Predigt über die Steinerne Brücke

Brücken bauen zu Menschen! Stiftskanonikus Helmut Huber spricht in seiner Predigt über die Steinerne Brücke

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Prälat Stiftskanonikus Helmut Huber hat am vergangenen Sonntag in St. Kassian Regensburg während seiner Predigt interessante Bezüge zur Steinernen Brücke in Regensburg hergestellt, die in diesen Augenblicken für die Öffentlichkeit wieder komplett zugänglich gemacht wurde. Hier ist der Wortlaut der Predigt:

„Heute ist in Regensburg was los! Die Steinerne Brücke steht im Mittelpunkt. Nach langer Renovierung ist sie wieder frei. Diese Brücke brachte durch die Handelswege Wohlstand; sie verband die freie Reichsstadt mit Stadtamhof in Bayern; verband sogar Menschen, die lange „nicht über die Donau heirateten.“ Eine Brücke verbindet. „Brücken bauen!“ heißt ein Motto. Brücken zu Menschen. Und besonders zwischen Menschen, die getrennt sind. Zu Menschen auch anderer Nation oder Kultur. Nun sind solche Brücken auch oft genug (allzu oft) schadhaft – oder unterbrochen, wie es die Steinerne durch Sprengungen zeitweise war.

Was beschädigt oder zerstört die Brücke zwischen Menschen?

Ich denke: nicht Konflikte bewirken das. Verschiedene Interessen und damit Konflikte gibt es immer – muss es geben.  Die Verbindung zwischen Menschen wird erst geschädigt durch sündiges/schuldhaftes Verhalten bei einem Konflikt. Oder, wenn der Konflikt durch Schuld verursacht ist. Wie kann dann sozusagen die Brücke saniert werden? Die erste Lesung zeigt, wie es keinesfalls geht. Adam und Eva sind vor Gott schuldig geworden. Was machen sie? Sie verstecken sich. Ja, die Schuld verstecken. Das tät man gern. Aber das geht nicht. Als Gott sie zur Rede stellt, kommt die typische Reaktion: Ich bin nicht schuld. Adam: „Sie war’s.“ Eva: „Die Schlange war’s“. Adam gibt sogar Gott selbst eine Mitschuld: „die Frau, die Du mir gegeben hast.“

Nicht das zu tun, was gut ist und was Gott will, ist nur der eine Teil der Schuld – der andere (vermutlich der größere Teil!) ist: nicht zu dem zu stehen, was man falsch gemacht hat, und die Schuld auf andere zu schieben. Mit Adam und Evas „schuld sind immer die Anderen“ begann ein Kapitel der Menschengeschichte, das immer andauert: schuld an unerfreulichen Verhältnissen sind immer Andere. Und da findet man leicht Sündenböcke. In der Geschichte (z. B. die Juden) und Gegenwart.

Wer kann mitwirken, dass eine beschädigte Brücke zu Menschen saniert werden kann? Nur, wer seinen eigenen Anteil an der Konfliktsituation und an der Schuld zu erkennen und anzuerkennen vermag.

Brücken bauen zu Menschen!  Unser Auftrag – und als Christen tun wir das in der Perspektive, die die zweite Lesung ansprach: „wir starren nicht nur auf das Sichtbare, das vergänglich ist, sondern wir blicken nach dem Unsichtbaren aus, das ewig ist.“ Das wird oft bei Beerdigungen gelesen und bedacht. Aber das ist völlig fern vom Sterben zu bedenken: wir haben in dieser Welt einen Weg in eine andere hinein: eine Brücke zu Gott. Und diese ist mit der zu den Menschen mitzusehen und mitzugehen.

Papst Franziskus hat im März ein Schreiben veröffentlich, das diese Blickrichtung für unser gewöhnliches Leben beschreibt. Über unsere Berufung zur Heiligkeit. „Gaudete et exsultate“ heißt dieses Schreiben. „Gott erwartet mehr von uns, als dass wir uns mit einer mittelmäßigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufrieden geben.“  „Was ich in Erinnerung rufen möchte, ist vor allem der Ruf zur Heiligkeit, den der Herr an jeden und jede von uns richtet, den Ruf, den er auch an dich richtet: »Seid heilig, weil ich heilig bin« (Lev 11,44; 1 Petr 1,16) (Nr.19). Für einen Christen ist es unmöglich, an seine eigene Sendung auf Erden zu denken, ohne sie als einen Weg der Heiligkeit zu begreifen, denn das »ist es, was Gott will: eure Heiligung« (1 Thess 4,3). Worauf es ankommt, ist, dass jeder Gläubige seinen eigenen Weg erkennt und sein Bestes zum Vorschein bringt, das, was Gott so persönlich in ihn hineingelegt hat (Nr.11).“