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Zur Neuigkeit
Brauchtum in Ostbayern: Dienstbotenmärkte und Erntearbeit
Die Wachler
Regensburg, 15. Juli 2026
In früheren Tagen waren die Bezeichnungen „Heumond“ oder „Wärmemond“ für den Juli gebräuchlich. In diesem heißesten Monat des Jahres hatten die Bauern alle Hände voll zu tun, zum Feiern blieb im Juli – anders als heute – keine Zeit.
Erntehelfer in früherer Zeit
Wenn die Getreideernte vor der Tür stand, musste der Bauer vor allem dafür sorgen, dass genügend Erntehelfer zur Verfügung standen. Zwar gab es auf einem Bauernhof – je nach Größe – bis zu zehn Dienstboten, zur Erntezeit mussten aber mehr Helfer zupacken. Auf den großen Höfen im Gäuboden brauchte man oft Dutzende von zusätzlichen Arbeitskräften.
Um diese Zeit machten sich die Wachler, die Erntehelfer aus dem Bayerischen Wald, auf den Weg. Der Begriff „Wachler“ kommt von der Wachel, der bogenförmigen Auffangvorrichtung an der Sense. Jeder, der auf seinem kleinen Hof abkömmlich war, zog damals in den Gäuboden. Auch viele Handwerker gaben während der Erntezeit ihren Beruf auf, da sie in den vier Wochen als Erntehelfer mehr verdienen konnten.
„Arntkarl“ und „Arntmensch“
Ein wichtiger Tag im Bauernkalender war auch der Sonntag nach Mariä Heimsuchung, der „Dingsonntag“. Vor allem im Gäuboden strömten an diesem Tag scharenweise Knechte, Mägde und Tagelöhner in die Städte, um sich für die bevorstehende Erntezeit zu „verdingen“. Noch im Jahr 1925 schreibt Hauptlehrer Waltinger aus Deggendorf: „In Osterhofen stehen sie auf dem Marktplatz nach Geschlechtern getrennt rechts und links am Gehsteig entlang und harren der Dinge. Das sieht einem Warenmarkte nicht unähnlich, nur dass sich hier die Firanten selbst, das heißt ihre Arbeitskraft, auf eine bestimmte Zeit verkaufen.“
Viel Arbeit – wenig Schlaf
Auf den Erntedingmärkten, die in den größeren Städten wie Deggendorf oder Straubing abgehalten wurden, standen die Wachler und Wachlerinnen, um sich für ein paar Wochen dingen zu lassen. Die Bauern gingen durch die Reihen und suchten sich die Kräftigsten aus: Vor Ort wurden die Höhe des Lohnes, die Kost und die Biermenge ausgehandelt. Sobald die Erntehelfer auf dem Hof waren, bekamen sie vom Bauern ihre Arbeitsgeräte zugewiesen. Zum Schlafen gab es einen Platz in der Knechte- oder Mägdekammer. Aber es wurde eh wenig geschlafen während der Erntezeit. Die Arbeit war für die Dienstboten in der „guten alten Zeit“ beileibe kein Zuckerschlecken. In aller Früh, manchmal schon kurz nach 2 Uhr, wurden die Helfer vom Knecht durch ein laustes „Aaafsteh“ geweckt. Der Stall musste ausgemistet und die Tiere versorgt werden.
Harte Feldarbeit
Danach gab es die Morgensuppe, meist war das eine Milch- oder Wassersuppe oder eine „Eigriade“, eine weiße Suppe aus Mehl, Milch und geschnittenem Brot. Um 4 Uhr ging es dann hinaus aufs Feld. Streng nach Rangordnung wurde mit der Sense gemäht. Ebenso schwer war das Auf- und Abladen der Garben und des Getreides. Mittags kamen die Arbeiter wieder auf den Hof. Zu essen gab es während der Erntezeit meist Fleisch und eine Schüssel mit Knödel. Nach der leiblichen Stärkung ging es wieder an die Arbeit, und erst um 8 Uhr abends kamen die Erntearbeiter auf den Hof zurück. Nach dem Essen, inzwischen war es etwa 9 Uhr abends, ging man sofort in die Schlafkammer.
Ruhe am „Tag des Herrn“
Einziger arbeitsfreier Tag war der Sonntag, da konnte man ein bisschen Schlaf nachholen. Und da der Besuch der Sonntagsmesse Pflicht war, verschlief so mancher die Predigt. Wenn die Ernte eingebracht war, kehrten die Wachler zurück und kümmerten sich um ihre eigene Landwirtschaft. Doch schon bald ging es zum Hopfenzupfen in die Hallertau und anschließend wieder in den Gäuboden zum Kartoffelklauben. So waren manche Wachler fast den ganzen Sommer über unterwegs, um ihre Familien zu ernähren.
Text: Judith Kumpfmüller
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