Suche
Kategorien
Seiten
Nachrichten
Bilder
Videos
{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Seite{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Neuigkeit
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Portiunkulafest in der Franziskanerkirche Kelheim
„Wo Gott fehlt, fehlt es an grundlegender Orientierung“
Regensburg/Kelheim, 4. August 2026
Nicht alltäglich war der Anlass für den Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Kelheimer Franziskanerkirche. Das Portiunkulafest und die Erinnerung an den heiligen Franz von Assisi, dessen Todestag sich heuer zum 800. Mal jährt, bildeten den Hintergrund für die Messfeier. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt.
Auf diese Zusammenhänge ging auch Stadtpfarrer Reinhard Röhrner in seiner Begrüßung ein. Der Bischof freute sich über seine erste Messfeier in der Franziskanerkirche, deren Geschichte eng mit dem Wirken des Ordens verbunden ist.
Appell zur Achtung der Menschenwürde
Ausgangspunkt der Predigt war das Evangelium nach Matthäus (Mt 14,13–21). Nach der Hinrichtung Johannes des Täufers zog sich Jesus in eine einsame Gegend zurück. Die Menschen folgten ihm. Jesus heilte ihre Kranken und speiste die Menge mit fünf Broten und zwei Fischen. Alle wurden satt, zwölf Körbe blieben übrig.
Der Regensburger Oberhirte stellte der Speisung der Menge die Situation der Gegenwart gegenüber. Zwar gebe es weiterhin Armut, für die meisten Menschen bei uns bestehe jedoch kein Mangel an Nahrung. Die eigentliche Not liege darin, dass viele überzeugt seien, ihnen fehle nichts, wenn Gott in ihrem Leben keine Rolle spiele und die Kirche für sie bedeutungslos geworden sei.
In diesem Zusammenhang verwies Bischof Dr. Voderholzer auf Frankreich. Dort ist seit 2024 die Freiheit zum Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung verankert. Zudem hatte die Nationalversammlung am 15. Juli 2026 ein Gesetz über ein Recht auf Hilfe beim Sterben endgültig verabschiedet. Zum Zeitpunkt des Gottesdienstes lag das Gesetz dem französischen Verfassungsrat zur Prüfung vor. Bischof Dr. Voderholzer kritisierte außerdem die im verabschiedeten Text vorgesehene Einstufung eines Todes infolge dieser Hilfe als natürlichen Tod.
„Wo Gott fehlt, fehlt es an grundlegender Orientierung, ist alles erlaubt, und der Mensch gerät unter die Räder.“ Bischof Rudolf stellte zugleich klar, dass sich Menschenrechte auch philosophisch begründen ließen. Die Gegenwart Gottes und die Verantwortung vor ihm erleichterten es jedoch, die Würde und die Größe des menschlichen Lebens zu achten.
Franz von Assisi als Zeuge für Gott
Als Gegenbild nannte Bischof Dr. Voderholzer den heiligen Franz von Assisi. „Sein Leben war erfüllt von der Gegenwart Gottes, des Schöpfers und des Erlösers“, führte er aus. Im Sonnengesang habe Franziskus Gott für Wasser, Feuer, Luft und Erde gepriesen. Alles Geschaffene sei ihm zu einem Hinweis und zu einer Spur für den lebendigen Gott geworden.
Seine Liebe zu Christus habe Franziskus besonders in der Zuwendung zu Armen, Aussätzigen und Hilfsbedürftigen gezeigt. Diese Liebe habe ihn Christus so ähnlich werden lassen, dass er schließlich dessen Wundmale empfangen habe. Die Nachfolge Christi führe nicht unbedingt zu einem bequemen Leben, erfülle den Menschen aber mit einer tiefen Liebe.
Der Portiunkula-Ablass
Anschließend erläuterte der Regensburger Oberhirte den Hintergrund des Festes. Schuld und Sünde beträfen nicht nur den Einzelnen, sondern immer auch die Gemeinschaft. Umgekehrt komme auch das Gute, das ein Mensch tue, anderen zugute. Vor diesem Hintergrund sei der Ablass als Nachlass zeitlicher Strafen für Sünden zu verstehen, deren Schuld bereits vergeben sei.
Die Erlangung eines Ablasses sei früher oft mit weiten Wallfahrten nach Rom, Santiago de Compostela oder Jerusalem verbunden gewesen. Arme Menschen hätten sich solche Reisen kaum leisten können. Nach der Überlieferung erbat Franz von Assisi deshalb bei Papst Honorius III. einen vollkommenen Ablass für die Gläubigen, die die kleine Portiunkulakapelle bei Assisi besuchten. Der Papst entsprach der Bitte und gewährte den Ablass im Jahr 1216.
„Bis heute hält die Kirche am Portiunkula-Ablass am 2. August fest“, bekräftigte Bischof Dr. Voderholzer. Dieser sei kein Automatismus. Er setze die Bereitschaft voraus, das eigene Leben zu überdenken und in der Kraft des Heiligen Geistes einen Neuanfang zu wagen. Im Leib Christi seien die Menschen miteinander verbunden und könnten einander helfen und unterstützen.
Ferien sind keine Ferien von Gott
Mit Blick auf die beginnende Urlaubszeit erinnerte der Bischof daran, dass Ferien keine „Ferien von Gott“ seien. Das Internet mache es heute leicht, die Gottesdienstzeiten am Urlaubsort herauszufinden. Mit einem Augenzwinkern bemerkte er, dass dabei sogar künstliche Intelligenz hilfreich sein könne.
Ein Gottesdienst in einem anderen Land eröffne den Blick auf andere Formen der Liturgie und der Kirchenmusik. Zugleich werde erfahrbar, dass die katholische Messe weltweit in ihrer Grundstruktur dieselbe sei. Bischof Rudolf empfahl den Gläubigen deshalb, im Urlaub „den Horizont bezüglich des kirchlichen Lebens zu erweitern“. Abschließend wünschte er ihnen erholsame Ferien- und Urlaubstage und bat den heiligen Franz von Assisi um seine Fürsprache.
Außergewöhnliche Kirchenmusik
Der Kirchenchor Mariä Himmelfahrt und das Bläserensemble brachten besondere Werke zu Gehör. Dazu gehörten das „Ecce sacerdos magnus“ in Es-Dur von Johann Singenberger (1848-1924) und die „Messe in Es-Dur“ („Cantus Missae“), op. 109, von Joseph Gabriel Rheinberger (1839–1901).
Und wann erklingt schon einmal ein Akkordeon in einem Gottesdienst? Das von den deutschen Landesmusikräten zum Instrument des Jahres 2026 gekürte Instrument erklang, gespielt vom Kelheimer Josef Wallner, zur Begleitung des Psalms „Der Herr ist mein Hirte“. Als Meditation zur Kommunionausteilung war die „Vocalise“ in cis-Moll, op. 34, Nr. 14, von Sergei Rachmaninoff (1873-1943) zu hören. Außerdem begleitete das Akkordeon den Chor bei Johann Sebastian Bachs (1685-1750) „Jesus bleibet meine Freude“ sowie beim Lied „Großer Gott, wir loben dich“. Die Bearbeitungen stammten von Kirchenmusiker Roman Puck-Biersack, dem auch die Gesamtleitung oblag.
Segnung der Weinstöcke
In seinen Dankesworten verwies Stadtpfarrer Röhrner auf einen Kelch aus dem Besitz von Pfarrer Georg Diermeier. Dieser hatte 1878 seine Primiz gefeiert, seinen Ruhestand in Kelheim verbracht und den Kelch der Pfarrei vermacht. Nach dem festlichen Gottesdienst segnete Bischof Rudolf die im Umfeld der Franziskanerkirche wachsenden Weinstöcke. Anschließend konnten mehrere aus den dortigen Reben gewonnene Weine verkostet werden.
Text und Fotos: Markus Bauer
(SG)








