bischof voderholzer pilgert mit menschen durch die natur

Bischof Rudolf segnet Wolfgangweg in Mallersdorf

Jeder Pilgergang hat ein Ziel


Regensburg / Mallersdorf, 9. Mai 2026

274 Kilometer misst der historische Wolfgangweg vom bayerischen Regensburg nach St. Wolfgang in Österreich. Ein Weg, den bereits der heilige Wolfgang auf seinen missionarischen Reisen zu Fuß zurückgelegt haben soll. Die rund 40 Kilometer lange Teilstrecke von Regensburg nach Mallersdorf hat nun der Waldverein Regensburg e. V. an den jeweiligen Einstiegsportalen mit neuen Hinweisschildern versehen. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer besuchte am vergangenen Samstag eine Wegmarke in Mallersdorf und segnete an der Mallersdorfer Klosterkirche den geschichtsträchtigen Pilgerweg.

Treffpunkt für Bischof, Verantwortliche des Waldvereins, unter der Vorstandschaft von Karl-Heinz Albert, den Schwestern des Mallersdorfer Klosters, der Altötting-Pilgergruppe der Regensburger Pfarrei St. Wolfgang und weiteren Gläubigen, war das Missionskreuz im Forst Kugelstatt nahe Mallersdorf. Auch der Mallersdorfer Bürgermeister Christian Dobmeier, Landrat Tobias Beck, der Regensburger Kulturreferent Wolfgang Dersch, Susanne Kammer für das Landratsamt Regensburg und Dieter Lahme vom Waldverein, Sektion Lohberg, waren gekommen und spendeten Grußworte.

Sanierung des Pilgerweges bis nach Österreich

Dem Waldverein, so Albert, ist es ein Anliegen, den Pilgerweg wieder mehr zu beleben und durch die Hinweisschilder für möglichst viele Menschen attraktiv und gangbar zu machen. Neben Regensburg besteht der bayerische Waldverein aus mehreren Sektionen. Stück für Stück erneuern die Verantwortlichen nun die Hinweisschilder des Wallfahrtsweges bis nach Altötting. Damit aber nicht genug: In enger Verbindung mit anderen Vereinen, den Tourismusverbänden und engagierten Ehrenamtlichen soll der traditionelle Wolfgangweg bis nach Österreich in den kommenden Jahren wieder urbar und möglichst vielen Menschen bekannt gemacht werden. Für die „Altötting Fußpilgergruppe“ aus Regensburg ist der Pilgerweg von Regensburg nach Altötting allerdings nichts Neues: Zum mittlerweile 61. Mal pilgern sie diesen Weg von der Domstadt zur Schwarzen Madonna. 


Jede Pilgerreise ist ein Glaubenszeugnis

In seiner Ansprache an einem imposanten Wegkreuz im Wald bedankte sich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei allen helfenden Händen, die die Sanierung des Pilgerweges durch ihren Einsatz ermöglicht haben. Seit über 140 Jahren nimmt sich der Waldverein der Pflege der Wanderwege an, so der Bischof, der zugleich klarstellte, dass die Ursprünge von Wanderwegen stets Pilgerwege waren. Urlaub und Freizeitgestaltung war den Menschen in früheren Zeiten unbekannt. Seit jeher machten sich Menschen auf regionalen Pilgerwegen aber auch auf den großen, bekannten, wie nach Santiago de Compostela, auf, um Wallfahrtsstätten zu besuchen. Pilgerreisen in das Heilige Land, nach Rom oder zu den Apostelgräbern waren die ersten großen Wallfahrten. Das Wallfahrtswesen, so der Bischof weiter, kenne man bereits aus dem Alten Testament. Jesus selbst ist seit seinem 12. Lebensjahr sicher zwei- dreimal jährlich nach Jerusalem gepilgert. „Danke für die Pflege des Wolfgangweges und danke für die Erinnerung daran, dass Pilgern ein zutiefst geistliches Tun ist. Es erinnert uns daran, dass unser gesamtes Leben ein einziger Pilgerweg ist und dass es stets ein Ziel hat“, erklärte Bischof Rudolf Voderholzer den Anwesenden. Unser Leben, so der Bischof weiter, habe einen Anfang und ein Ziel. Wir gehen nicht orientierungslos durchs Leben. Wir werden vom Herrgott selbst auf einen Weg gesetzt. Dabei müssen wir darauf schauen, dass wir unseren Weg auch finden. Wichtig ist für jede Wallfahrt, dass sie ein Ziel hat, wie auch unser Leben letztlich ein Ziel hat. Am Ende einer Pilgerfahrt steht zuerst ein Fest, so wie beispielsweise bei der Altöttinger Fußwallfahrt die Eucharistiefeier in der St. Anna Basilika. Auch unser Lebensweg solle in einem Fest enden. „Der Herrgott hat uns nicht für das Grab und den Friedhof geschaffen, sondern für das große Fest in der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott“, hob der Diözesanbischof hervor. Das werde in jeder Pilgerfahrt nochmals dargestellt. Jede Pilgerreise ist ein Glaubenszeugnis und ein Element der Glaubensstärkung, so der Bischof abschließend.


Verbunden im Rosenkranzgebet traten alle Anwesenden zusammen mit dem Bischof den Fußmarsch zur Klosterkirche in Mallersdorf an. Hier segnete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer das Einstiegsschild des Wolfgangweges, um danach mit allen Gläubigen eine Andacht in der Pfarrkirche zu feiern. Der örtliche Kirchenchor unter der Leitung von Maria Dambacher gestaltete die Feier musikalisch. Orgel- und Violinenspiel unterstützte den Chor. Ein besonderer Dank galt auch der Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie zu Mallersdorf, die den Pilgern seit ihrem Bestehen in Mallersdorf Herberge sind. 

Heiliger Wolfgang für die Klosterkirche

In seiner Predigt bezog sich Bischof Rudolf auf den Heiligen Bischof Wolfgang und entfaltete anhand eines seiner herausragenden Attribute, dem „Wolfgangshackl“, dessen Vision und den daraus folgenden Bau einer Kirche am heutigen Wolfgangsee in Österreich. Wolfgang als großer Lehrer sei es, so der Bischof, aber nicht nur um den Bau einer steinernen Kirche gegangen, sondern insbesondere um den Aufbau einer lebendigen Kirche aus der Gemeinschaft der Gläubigen. In diesem Zusammenhang stellte Bischof Voderholzer fest, dass in der gesamten Klosterkirche St. Johann keine Abbildung des Bistumpatrons zu finden sei. An Pfarrer Pater Michel Raj gerichtet versprach er, dass man in Zusammenarbeit mit der Kunstkommission des Bistums diesbezüglich Abhilfe schaffen werde, denn in einer Kirche, die gleichzeitig einen wichtigen Einstieg zum geschichtsträchtigen Wolfangweges darstelle, müsse auch der Heilige zu finden sein. 

Den Abschluss des Treffens in Mallersdorf bildete ein gemeinsames Essen im angrenzenden Klosterstüberl mit der Gelegenheit, dem Bischof zu begegnen.

Text und Fotos: Jakob Schötz
(jas)



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