Fronleichnam 2026

Bischof Rudolf feiert mit zahlreichen Gläubigen das Hochfest Fronleichnam

„Das, was hier gefeiert wird, das geht alle an!“


Regensburg, 4. Juni 2026

„Das, was hier gefeiert wird, das geht alle an!“, so fasste Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Donnerstagmorgen das Geschehen des Hochfestes des Leibes und Blutes Christi, im Volksmund kurz Fronleichnam genannt, bei der Begrüßung zum Pontifikalamt im Hohen Dom St. Peter zusammen. Deshalb verlasse man am heutige Festtag auch den bergenden Raum der Kathedrale. Schon zu Beginn waren Vertreter vieler kirchlicher und weltlicher Institutionen, katholischer Verbände und Vereinigungen im Dom zur gemeinsamen Feier der Heiligen Messe versammelt. Zahlreiche Mitglieder des Domkapitels, darunter Dompropst Prälat Dr. Franz Frühmorgen sowie Domdekan und Generalvikar Msgr. Dr. Roland Batz, konzelebrierten das Festhochamt gemeinsam mit den Weihbischöfen Reinhard Pappenberger und Dr. Josef Graf. Vertreter der beiden Stiftskapitel Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle und St. Johann hatten im Chorgestühl Platz genommen; Domministranten, Priesterseminaristen und die Teilnehmer der Schnupperwoche im Seminar übernahmen den liturgischen Dienst bei Messe und Prozession.

 

Weltchristen zeigen ihren Glauben

Bischof Rudolf spricht gerne von „Weltchristen“, wenn er die sogenannten Laien in der Kirche meint. Die große Vielfalt des weltchristlichen Engagements im Bistum Regensburg wurde an diesem Fronleichnamstag deutlich sichtbar. Fahnenabordnungen der Hospitalité Notre-Dame de Lourdes und der Marianische Frauenkongregation (MFC) des Malteser Hilfsdienstes und der Caritas, des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, der Deutschen Jugendkraft, der Katholischen Arbeiterbewegung und des Kolpingwerkes sowie der Studentenverbindungen Agilolfia, Rupertia und Regina boten nicht nur ein farbenprächtiges Bild, sondern zeigten auch, wo Christen ihren Glauben lebendig werden lassen und Zeugnis ablegen. Nicht fehlen durften die Familiaren des Deutschen Ordens und die Damen und Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die heuer ihr 25-jähriges beziehungsweise 50-jähriges Bestehen im Bistum Regensburg feiern können. Premiere bei der Prozession hatte eine große Abordnung der Katholischen Hochschulgemeinde, die mit ihrem Pfarrer und ihrem Pastoralreferenten gekommen war. Stadtspitze, Stadt- und Kreisräte sowie Vertreter der Regierung der Oberpfalz, der Polizei und des Fürstenhauses zeigten durch ihr Kommen ihre Wertschätzung.

„In der Kirche gibt es keine Ausländer“

Dieser Satz von Bischof Rudolf war an diesem Feiertag auf vielfältige Weise erlebbar. Ordensmänner und Ordensfrauen aus Polen, Seminaristen aus verschiedenen afrikanischen Staaten, Studenten aus Süd- und Mittelamerika, ein griechisch-katholischer Priester mit Ehefrau und Kindern aus der Ukraine sowie Messbesucher und Prozessionsteilnehmer aus zahlreichen Ländern der Erde machten die weltweite Dimension der Kirche sichtbar. Die Messe war bereits sehr gut besucht, gilt doch in Regensburg der alte Grundsatz: „Fronleichnam fängt bei uns schon morgens im Dom an.“ Die Prozession selbst führte über die Segensaltäre an der Karmelitenkirche St. Josef, der Stiftspfarrkirche St. Kassian und der Basilika St. Emmeram hin zum Südportal des Domes. Viele Zuschauer säumten den Prozessionsweg und bekreuzigten sich beim Vorüberziehen des Allerheiligsten, zogen den Hut oder machten eine Kniebeuge.

Christus in die Stadt hineintragen

Das sei, so Bischof Rudolf in seiner Predigt zum Abschluss der Prozession, das Hauptanliegen des Fronleichnamsfestes. Im Zeichen des 750-jährigen Domjubiläums, das heuer im Bistum gefeiert wird, nannte er den Dom einen Ort des Gebetes und der Eucharistiefeier. Der eucharistische Herr solle aber nicht im Dom verbleiben, sondern in die Stadt hinausgetragen werden, damit die Gläubigen Zeugnis für ihren Glauben ablegen. „Was für eine Demo ist das denn?“, würde vielleicht der eine oder andere Zaungast fragen. Vielleicht sei die Fronleichnamsprozession sogar die Urform der De-„monstration“, weil in der „Monstranz“, dem kostbar gestalteten Schaugefäß, Christus im Altarsakrament sichtbar durch die Straßen getragen werde, eine Demo nicht gegen jemanden, sondern für Christus.

 

Bischof Rudolf richtete zuerst Worte des Dankes an die Politik, die mit dem arbeitsfreien Feiertag die Feier von Fronleichnam am Vormittag ermögliche. Jene, die den religiösen Sinn des Feiertages nicht mittragen könnten, sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie diesen freien Tag den Katholiken verdankten. Ein Vergelt’s Gott richtete der Bischof an das Technikteam, an die Vorbeter und Vorsänger, an die Polizei für die Sicherheit und das würdige Geleit, an die Blasmusik, an die Domspatzen, an die Mädchenkantorei und an Domkapellmeister Christian Heiß für die musikalische Gestaltung des Festhochamtes am Morgen im Dom. Allen dankte er für das öffentliche Glaubensbekenntnis. Mit dem Te Deum und der Bayernhymne schloss die Fronleichnamsprozession 2026 in Regensburg unter weiß-blauem Himmel.

Fronleichnam – von Lüttich über Benediktbeuern nach Regensburg

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, das im deutschen Sprachraum Fronleichnam genannt wird. Der Name kommt vom mittelhochdeutschen „vrône lîcham“ und bedeutet „Leib des Herrn“. In Bayern hat dieses Fest unterschiedliche Namen; so ist zum Beispiel vom Prangertag die Rede. Dieser Name bezieht sich auf die Prachtentfaltung, das „Prangen“ zur Ehre des eucharistischen Herrn.

Erstmals gefeiert wurde das Fest im Jahr 1246 im Bistum Lüttich; es geht auf die Vision der heiligen Ordensfrau Juliana von Lüttich zurück. In ihrer Vision habe ein dunkler Fleck auf dem Mond auf das Fehlen eines Festes zu Ehren des Altarsakraments hingewiesen. Papst Urban IV. erhob Fronleichnam 1264 zum Fest der Gesamtkirche. Christus ist in der Eucharistie leibhaftig gegenwärtig. Das ist das Festgeheimnis, das an diesem Tag mit einer großen Prozession durch Dörfer und Städte gefeiert wird.

In Deutschland ist Fronleichnam nur in den überwiegend katholisch geprägten Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, etwa in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und im Saarland. Bereits 1273 fand die erste Fronleichnamsprozession in Bayern statt, nämlich in Benediktbeuern. Die Domstadt Köln erlebte 1279 ihre erste Prozession; das 750-jährige Jubiläum wird dort 2029 gefeiert werden. Für die freie Reichs- und Bischofsstadt Regensburg ist erst um 1408 eine Prozession bezeugt, an der aber bereits die 23 Zünfte der Stadt teilnahmen.

Text und Fotos: Carl Prämaßing

(SG / sig)



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