priester am altar

Bischof Rudolf betet in der Schottenkirche St. Jakob um geistliche Berufe

Berufung ist Geschenk Gottes an die Menschen


Regensburg, 2. Juli 2026

„Heute am ersten Donnerstag im Monat Juli sind wir verbunden im Geiste mit vielen Beterinnen und Betern weltweit um geistliche Berufe“, so grüßte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Donnerstagabend die Gläubigen in der Schottenkirche St. Jakob, der Hauskirche des Priesterseminares St. Wolfgang. Die Konzelebranten stammten allesamt aus zwei Einrichtungen, die eng mit dem Thema Berufung verbunden sind: zum einen das Priesterseminar mit Regens Dr. Daniel Stark, Subregens Christoph Leuchtner und Spiritual Matthias Effhauser, sowie von der Diözesanstelle für Berufungspastoral Pfarrer Franz Pfeffer und Diakon Johann Graf. 

Sozusagen „die Frucht des Gebetes um geistliche Berufe“ war Neupriester Klaus Schülein, der am vergangenen Samstag im Regensburger Dom zum Priester geweiht worden war. Welt- und Ordenschristen waren in die geschichtsreiche Schottenkirche St. Jakob gekommen um zu beten, „dass der Herr Arbeiter in die Ernte schicken möge“. Die Seminar-Schola gestaltete die Messfeier kirchenmusikalisch.

„Warum besuchte Maria eigentlich Elisabeth?“

Diese Frage stellte Bischof Rudolf zu Beginn seiner Predigt am Fest Visitatio Mariae, dass im Volksmund Mariä Heimsuchung heißt, und an ihren Besuch bei ihrer Verwandten Elisabeth erinnert. Drei mögliche Gründe könne man sich vorstellen: So habe der Erzengel Gabriel bei der Verkündigung der Geburt des Gottessohnes Maria die Schwangerschaft ihrer Verwandten Elisabeth als ein Zeichen dafür genannt, dass für Gott nichts unmöglich sei. Ein zweiter Grund war beispielsweise dem Reformator Martin Luther wichtig: Maria kommt, um Elisabeth bei den Vorbereitungen für die Geburt zu helfen, ein Zeichen ihrer Demut und Dienstbereitschaft. Und schließlich habe Maria über die große Berufung, den Sohn Gottes zur Welt bringen zu dürfen, wohl mit niemandem reden können, da sei das Gespräch mit einer Frau, die ebenfalls ein Kind erwartete, der richtige Weg gewesen. Als Maria dann von Elisabeth bestätigt bekommt, „Mutter des Herrn“ (= Gottesmutter) zu sein, bricht Maria in Jubel aus und stimmt das Magnifikat an „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“.

Was betete Maria eigentlich auf dem Weg zu ihrer Verwandten?

„Der fromme Katholik würde vielleicht sagen“, bemerkte Bischof Rudolf mit einem Schmunzeln, „natürlich den Rosenkranz“. Auf jeden Fall habe der Gruß des Engels, „Gegrüßet seist Du Maria“ bei ihr nachgeklungen. Als junge Frau aus einer frommen jüdischen Familie habe sie mit Sicherheit unterwegs ins Bergland von Judäa die Psalmen gebetet. Und so hat sie, am Ziel angekommen, aus den Motiven der Psalmen einen neuen Psalm, das Magnifikat, gestaltet, aus den Fäden des alttestamentlichen Lobpreises sozusagen einen neuen Psalm gewebt. Der frühere Münchner Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber, Professor für Altes Testament, habe das Fest Mariä Heimsuchung deshalb auch das „Fest des Magnifikat“ genannt. Wenn heuer der Gebetstag für geistliche Berufe mit dem Fest der Heimsuchung zusammenfalle, sei dies eine schöne Fügung. Denn es erinnere uns daran, dass wir bei allem Bitten um geistliche Berufungen das Danken und den Lobpreis nicht vergessen dürfen. „Jede Berufung ist ein Geschenk Gottes an die Menschen“.

Eucharistische Anbetung und Gruß an die Gottesmutter

Der Messfeier an diesem Donnerstagabend folgte die Eucharistische Anbetung, in der auch um Berufungen gebetet wurde und für all jene, die ihrer Berufung gefolgt sind, Papst und Bischöfe, Priester und Ordenschristen. Diese Gebetsgemeinschaft setzte sich zusammen aus Weltchristen, Seminaristen und Mitgliedern der Orden der Dominikanerinnen, Franziskaner und Prämonstratenser, Passionisten und Mariannhiller Missionare, sowie der Marien- und Josefs-Schwestern und der Armen Schulschwestern. Bischof Rudolf spendete zum Abschluss den Eucharistischen Segen und mit dem Lied „Maria zu lieben“ wurde die Gottesmutter gegrüßt.

Vom „Priesterhilfswerk“ zur „Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche“

Der Gebetstag um geistliche Berufe wird immer am ersten Donnerstag des Monats begangen und trägt im katholischen Volksmund den Namen „Priesterdonnerstag“. Heute ist er eine Gebetsinitiative der „Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche“, die auf eine Gründung aus dem Jahr 1926 in Freiburg im Breisgau zurückgeht. Damals hatte Prinzessin Marie Immaculata, Herzogin zu Sachsen, das „Frauenhilfswerk für Priesterberufe“ ins Leben gerufen, das 1936 im Bistum Regensburg vom damaligen Erzbischof Michael Buchberger als „Priesterhilfswerk“ eingeführt worden war. Im Jahre 1941 wurde es durch Beschluss von Papst Pius XII. zu einer weltweiten Gebetsgemeinschaft. Den „Weltgebetstag für geistliche Berufe“ führte der sel. Papst Paul VI. im Jahre 1964 ein. Aus dem „Päpstlichen Werk für geistliche Berufe“ (PWB) wurde dann schließlich 2001 die „Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche“.

Text und Fotos: Carl B. Prämaßing
(jas)



Nachrichten