News Bild Bischof Gerhard Ludwig Müller beim 38. Bayerischen Nordgautag - „Wir Christen stehen in der Mitte der Gesellschaft!“

Bischof Gerhard Ludwig Müller beim 38. Bayerischen Nordgautag - „Wir Christen stehen in der Mitte der Gesellschaft!“

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Die reiche Kultur des Nordgaus, der sich über weite Teile der Oberpfalz, des Eger- und Stiftlandes erstreckt, wurde vom Nachmittag des Fronleichnamstages bis zum Sonntag in Amberg deutlich sichtbar. In Vorträgen, Lesungen, Ausstellungen und Konzerten konnten sich die Besucher während der vier Tage ein differenziertes Bild machen. Besonders aber der farbenprächtige Festzug mit mehr als 100 Gruppen fasste die Kultur und das Brauchtum, Festspiele und Musik dieser Region eindrucksvoll zusammen. Beim Festakt am Sonntagvormittag wurden zudem die diesjährigen Nordgaupreise verliehen. Eingeleitet wurde der Abschlusstag durch Gottesdienste der beiden christlichen Konfessionen, wobei Bischof Gerhard Ludwig Müller den Festgottesdienst in der Amberger Basilika St. Martin zusammen mit Hunderten von Gläubigen feierte.

Auf die Kultur in unserer Region ging Bischof Müller in seiner Begrüßung ein. „Es gibt keine Kultur, die nicht vom Christentum und von unserem Menschenbild geprägt ist. Die Würde des Menschen kommt von Gott her“, machte er deutlich. Und dies ist für ihn auch die Basis für die Gemeinschaft in Kirche, Familie, in der Stadt und in der Heimat. In seiner Predigt erinnerte er an die tapferen etwa 500 Amberger, vor allem Frauen, die im Jahr 1941 gegen das Entfernen der Kruzifixe aus Schulen protestierten, womit sie auch erfolgreich waren. Und das trotz des damaligen Machthöhepunkts der NS-Machthaber und Hitlers sozialdarwinistischer Einstellung („Der Stärkere hat Recht“). Diese Haltung des NS-Führers steht für den Regensburger Oberhirten im strikten Kontrast zu dem, „was wir im Blick auf Jesus Christus lernen. Der unschuldig Verurteilte flucht nicht über die Menschen, sondern bringt uns die Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod“. So gilt der gekreuzigte Christus als „innere Mitte unserer Kultur und Lebensart und als Wegweiser dafür, wie wir uns im Leben verhalten“, so Bischof Müller weiter. Die Christen ermunterte der Oberhirte in ihrem Recht, in der Öffentlichkeit „unseren Glauben zu bezeugen und auszuüben“, zumal dies auch im Grundgesetz durch die Grundrechte fixiert ist.

Angesichts der aktuellen bundesweiten Kampagne von Atheisten wurde der Bischof deutlich. „Wir lassen uns von Gruppen des militanten Atheismus nicht aus der Gesellschaft hinausdrängen. Unser demokratischer Staat ist zwar weltanschaulich neutral, aber er ist aus christlichem Gedankengut erwachsen, und viele Christen haben sich vom christlichen Menschenbild her engagiert. Unser Staat wird bis heute wesentlich von Christen getragen, wir stehen in der Mitte der Gesellschaft! Er ist kein Eigentum des Laizismus und schon gar kein Instrument, um die Kirche zu knebeln.“ Darüber hinaus verwies der Bischof auf die Prinzipien der christlichen Soziallehre, bei deren Beachtung es die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht gegeben hätte. Hier habe ein von Egoismus geprägtes Menschenbild zugrunde gelegen und nicht das der Nächstenliebe, das erst ein „gedeihliches Zusammenleben“ ermöglicht. In Erinnerung an die mutigen Amberger von 1941 appellierte der Bischof an die Gottesdienstbesucher, den Glauben nicht als äußerliche Tradition zu sehen, sondern bewusst regelmäßig die Eucharistie zu feiern, ein sittliches Leben zu führen und sich „als Person vor Gott zu begreifen“ - konkret für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen. „Wir als Christen sind die Zeugen dieser alles verwandelnden und aufbauenden Liebe Gottes“, fasste der Diözesanoberhirte zusammen und ermunterte die Gläubigen, „nicht den Mut zu verlieren, sondern zuversichtlich sein in Jesus Christus, unserem Herrn“.

Beim Festakt im Amberger Congress Centrum betonte Emilia Müller, die Bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten den Wert der regionalen Kultur in den unterschiedlichsten Ausprägungen, verwies aber auch auf die Wichtigkeit der europäischen Integration. Der Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes, Regierungspräsident a. D. Dr. Wilhelm Weidinger, verlieh am Ende des Festaktes die diesjährigen Nordgaupreise an Raimund W. Sterl aus Regensburg im Bereich Musik, an Prof. Günter Dollhopf aus Amberg für Bildende Kunst, an die Architekten Peter und Christian Brückner aus Tirschenreuth im Bereich Architektur sowie an den Landtagspräsidenten a. D. Johann Böhm für Heimatpflege und Nordgauförderung.

Predigt des Bischofs im Wortlaut