bischof mit kindern

Bewegender Festtag mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer für die Filialgemeinde Obermünchen

Thomas, der „Sonntags-Apostel“


Obermünchen, 3. Juli 2026

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feierte am Freitagabend mit der Filialgemeinde Obermünchen im Landkreis Landshut einen Pontifikalgottesdienst anlässlich des Abschlusses der Außenrenovierung der Kirche St. Stephanus und Laurentius. Für die Eucharistiefeier war im Freien ein schöner Altar mit prächtigem Blumenschmuck aufgebaut worden; das kleine Gotteshaus hätte die Vielzahl der Gläubigen nicht fassen können. Der Kirchenchor Obersüßbach-Weihmichl unter der Leitung von Hubert Hornung und die „Meinrad-Buam“ übernahmen mit der Missa brevis Nr. 7 von Charles Gounod und weiteren Stücken die musikalische Gestaltung.

Mit sichtbarer Freude nahm Bischof Rudolf den fröhlichen Willkommensgruß des Kinder- und Jugendchors unter der Leitung von Alexandra Grünberger entgegen, in dem es hieß: „Hallo du, hör mal zu, es ist schön, dich heute zu seh’n.“ Vom Bläserklang der „Meinrad-Buam“ begleitet, zog der Bischof danach mit den Konzelebranten Pfarrer Martin Popp und Präfekt Daniel Nowak, Pastoralreferent Sebastian Göttl sowie den Ministranten zum Ort der Gottesdienstfeier. Der Ortsgeistliche Pfarrer Martin Popp erinnerte in seiner Begrüßung an den kurzen Besuch des Bischofs bei der Kirchenbaustelle vor exakt einem Jahr, am 3. Juli 2025, nach der Firmspendung in der Pfarrkirche St. Jakob in Obersüßbach. Beeindruckt vom großen Engagement der Kirchenverwaltung und der Dorfgemeinschaft versprach der Regensburger Würdenträger damals, er werde zur Wiedereröffnung persönlich kommen.

Lebendige Bausteine

Das Pontifikalamt eröffnete Bischof Rudolf Voderholzer mit dem Asperges. In Erinnerung an die Taufe spendete er allen Mitfeiernden Weihwasser. Anschließend segnete er den Innenraum der Kirche und umschritt mit dem Altardienst das renovierte Gebäude. Dabei erklärte er, jeder Getaufte und Gefirmte sei ein lebendiger Baustein der Kirche und dazu berufen, in der Welt Zeugnis für Gott zu geben. Der steinerne Zeigefinger an der Kirche sei das in den Himmel weisende Zeichen.

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ richtete er an alle, die an Planung, Ausführung und Finanzierung beteiligt waren, sich nicht entmutigen ließen und so viel dazu beitrugen, dass das Werk gelingen konnte. Es sei bemerkenswert, wie sich eine Dorfgemeinschaft mit so großem Eifer für den Erhalt ihres Gotteshauses einsetze, auch wenn aufgrund der Größe der Pfarreiengemeinschaft „Furth-Obersüßbach-Neuhausen-Weihmichl-Schatzhofen“ nur an „Stefani“, an „Laurenzi“ und einmal im Monat an einem Werktag eine Eucharistiefeier stattfinden könne. Bischof Rudolf empfahl die vielen Gottesdienstformen wie Maiandachten, Kreuzweg, Rosenkranz und Gebet für die Verstorbenen, die unter der Woche auch eigenständig ohne Priester in der Filialkirche gestaltet werden können.


Auf das Evangelium hören

Ehe Präfekt Daniel Nowak zur Verkündigung des Evangeliums nach Johannes (Joh 20,24–29) hervortrat, wies Bischof Rudolf die zahlreich anwesenden Kinder an, sehr gut hinzuhören und auf den bestimmten Wochentag im Text zu achten, weil er danach fragen werde. Zu Beginn seiner Predigt nahm er mit Blick auf den Zusammenhang des Johannesevangeliums den Satz auf: „Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen versammelt waren …“, und die Formulierung „acht Tage danach“. Welcher Tag denn nun damit gemeint sei, wollte der Bischof wissen. Mit der Antwort der Kinder war er nicht ganz zufrieden, denn sie tippten auf den Montag.

Nein, nach maßgeblichem biblischem Verständnis ist der Sonntag der erste Tag der Woche. Es ist der Tag der Auferstehung, an dem Jesus den Jüngern am Abend erschienen ist. Bekannt ist nicht, warum Thomas nicht dabei war, so der Bischof. Vielleicht war er so niedergeschlagen, denn was ihm das Wichtigste war im Leben, schien begraben, aus, vorbei. Die anderen sind da, sie sagen es Thomas, und acht Tage danach ist er dabei.

Vermutlich handelt es sich bei diesem Evangelium mit dem heiligen Thomas um eines der ältesten Zeugnisse dafür, dass sich die Christen von Anfang an am ersten Tag der Woche, am Sonntag, versammelt haben. Die Heiligung des Sabbats, des siebten Tages, gehört zu den Zehn Geboten. Das umstürzende Ereignis, die Auferstehung Jesu hat als neuer Feiertag den alten abgelöst. Durch Kaiser Konstantin wurde er vom normalen Arbeitstag zum arbeitsfreien erklärt. In der Gemeinschaft gibt sich der Herr zu erkennen. Während Thomas meist als der Zweifler vorgestellt werde, sei er für ihn der „Sonntags-Apostel“, so Bischof Rudolf.

Thomas, dessen Festtag heute am Freudentag der Filialgemeinde gefeiert wird, ist der Patron einer guten Sonntagskultur. Niemand könne auf Dauer Christ sein, so der Bischof weiter, der nicht am ersten Tag der Woche zur Versammlung komme, um das Wort Gottes zu hören und das Opfer Christi zu feiern. Deshalb sei es wichtig, am Sonntag in die Pfarrkirche zum Gottesdienst zu kommen und diesen Tag heilig zu halten; dazu könne er nur immer wieder aufrufen.

Von Dankbarkeit erfüllt

Nach dem feierlichen Schlusssegen sprach Kirchenpflegerin Maria Radlmeier über die Zeit der Renovierung. Viele Stolpersteine mussten ausgeräumt, Notmaßnahmen ergriffen und Geduld geübt werden. Am Ende sei alles gut geworden. Die Herzen der Dorfbewohner erfülle darum große Freude und Dankbarkeit.

Allem voran standen die gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Martin Popp, Architekt Franz Zettl, dem Bischöflichen Baureferat, der Finanzkammer, den Handwerkern, der Kirchenverwaltung und allen Dorfbewohnern. Eine große Ehre seien der Besuch des Bischofs und der erste Pontifikalgottesdienst in der Filiale Obermünchen mit ihren Einwohnern gewesen. Zum Abschluss des denkwürdigen Tages gab es im Gasthaus Radlmeier ein gemütliches und entspanntes Treffen, das vielen Beteiligten ein Gespräch mit dem Diözesanbischof ermöglichte.

Text und Fotos: © Agnes Wimmer
(jas und SG)



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