Organist und Violinistin mittleren Alters spielen gemeinsam auf der Orgelempore

Benefizkonzert zugunsten ukrainischer Musikanten

Kein Barockkonzert in der Köschinger Barockkirche


Kösching, 14. Juli 2026

Fantasievolle Serenaden, Suiten und Beethoven-Anlehnungen waren bei einem Benefizkonzert an der neuen Sandtnerorgel der Barockpfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu hören. Orgelprofessor Ortwin Benninghoff aus Bochum und Oksana Popsuy aus Chernigiv in der Nordukraine brillierten in diesem Konzert zugunsten ukrainischer Musiker.

„So etwas hat diese Kirche in den mehr als 300 Jahren, in denen sie hier steht, noch nicht gehört“, so hat Kirchenpfleger Klaus Müller-Würzburger kürzlich an einem lauen Sommerabend das virtuose Konzert einer großartigen Geigerin und eines Komponisten und Organisten in Köschings kühler und schmucker Barockpfarrkirche beschlossen. Laut dem 79-jährigen Orgelprofessor Ortwin Benninghoff aus Bochum mit Univergangenheit in Duisburg und seiner Frau Oksana Popsuy aus Chernigiv in der Nordukraine an der belarussischen Grenze war dieser Abend für alle eine musikalische Überraschung: für das Publikum und auch für sie als Künstler. „Ihre neue Orgel lässt sich so wunderbar spielen. Die Prinzipal-Register verleihen einen herrlichen Grundton mit einer Vielzahl von Klangfarben. In dem schönen Orgelprospekt stehen so schöne große Prinzipalpfeifen mit vielen Obertönen. Wenn alle Register gezogen werden, kann der volle Klangkörper zur Geltung kommen, schwärmte Benninghoff.

Rosenkranz-Mysterium und Neukompositionen

Und dies führte der Organist den mehr als 40 Zuhörerinnen und Zuhörern mit dem Konzert seiner Gattin und von ihm selber - anhand von gut einem Drittel selbst geschriebener Noten - eindrucksvoll vor. Als Kompositeurin nahm er die 1969 geborene Ukrainerin Elena Kalina hinzu, die in Ihren Werken Ludwig van Beethoven wiedererstehen lässt. „1770“, das Beethoven-Geburtsjahr, gibt ihr Anlass für eine Serenade für Orgel und Violine in fünf Sätzen mit allen Allegro-Andante-Andante con moto Allegretto, also schon Fahrt aufnehmend-schnell, munter, fröhlich, dann vom Tempo her dranbleibend, schließlich mit einer spürbaren, leichten schneller werdenden Lebhaftigkeit, sodass es niemals schleppend auf die Zuhörer wirken konnte.

Erst 2021 verstorben, hält Benninghoff das zeitgenössische Werk seines Organistenbekannten Gregor Westkemper (geboren 1946) wach: Von ihm schlug er einzig die Orgel für „Neun Partita ‚Geh‘ aus, mein Herz und suche Freud‘‘ – Variationen eines studentischen Cantus.  Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) aus Salzburg lieferte die einzigen Barocknoten des Abends. Aus dessen Sonaten über die Rosenkranz-Mysterien brachten die beiden Künstler „Mariae Verkündigung“ zu Gehör. Diese Sonaten sind den Geheimnissen des Rosenkranzes gewidmet, deren Entstehung nach 1678 angenommen werden darf. Der sakrale Charakter der Musikstücke ist nicht unmittelbar zu erkennen: Es sind nämlich Tanzsätze wie Allemande, Sarabande, Courante, Gigue sowie Einleitungssätze improvisatorischen Charakters, als Praeludium oder Sonata bezeichnet, und Variationssätze.

„Suite Piccolo“ und „Aus alter Zeit – Is starogo wremen“ hießen die beiden eigenen spätromantisch einzuordnenden Werke von Ortwin Benninghoff, in der seine Frau Oksana ihre Violine scheinbar zweistimmig zum Klingen brachte – eine Spieltechnik eines perfekt beherrschten Doppelgriffs: Um klare Töne zu erzeugen und dann auch noch zwei Töne gleichzeitig zu spielen, benötigt die Geigerin eine genaue Positionierung des Bogens zwischen den Saiten. Ein wunderbares Konzert. Die Künstler sammelten für ihre Freunde am belarussischen Rand der Ukraine. Mit den 30 Musikern dort und deren Familien hatten sie ein Kammerorchester gegründet. Jetzt sind diese Menschen vom Rewutkyi Instituz vom Chernigiv, die mit ihrer Musik dem Frieden stets Ausdruck verleihen wollten, in große Not geraten.


Text: Thomas M. P. Schumann

(kw)



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