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Zur Neuigkeit
Barmherzige Brüder: Fachtag zur Spiritualität in Kliniken
Exotisch oder essenziell?
Regensburg, 25. März 2026
Mit einem Interdisziplinären Fachtag wurde in der Akademie der Barmherzigen Brüder beleuchtet, wie Spiritual Care – Seelsorge also – Mitarbeitende, Führungskräfte und Träger dabei unterstützt, besser mit existentiellen Nöten ihnen anvertrauter Menschen umgehen zu können.
Ist Spiritual Care etwas Exotisches oder Essenzielles? lautete die große Frage in der Akademie der Barmherzigen Brüder. Hauptreferent Professor Dr. Traugott Roser sowie Pater Thomas Väth und Dr. Margit Gratz, Referentin für Spiritual Care, Ethik und Hospitalität, sind sich einig: Als etwas Essenzielles nutzt Spiritual Care nicht nur den Patienten und Bewohnern, sondern auch allen, die im Gesundheits- und Sozialwesen tätig sind. Spiritual Care stärkt Selbstwirksamkeit und Care-Kompetenz. Zudem hilft sie Betroffenen dabei, Sinn als existenzielle Dimension wahrzunehmen.
Viele Menschen sind beruflich Leid und damit auch der Gefahr ausgesetzt, dass sich dieses auf sie überträgt. Leid aushalten zu können, erklärte Professor Dr. Traugott Roser, der an der Universität Münster den ersten Masterstudiengang Spiritual Care in Deutschland initiiert hat und zu den bekanntesten Wissenschaftlern auf diesem Gebiet zählt, sei auch eine Frage der Schulung. Mitaushalten, Beistand, Wissen, unterscheiden können und Supervision unterstütze beteiligte Berufsgruppen bei ihrem beruflichen Alltag. Dies sei für sie von existentieller Bedeutung, denn: „Wir haben keine Jobs, wir haben eine Berufung.“
Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen
Im oft stressigen Alltag kommen die grüblerischen Gedanken: „Wann soll ich das (auch) noch machen?“ – „Wie sage ich meinem Chef, dass es Spiritual Care braucht?“ Derlei Themen wurden beim Fachtag im Regensburger Marinaforum nicht ausgeklammert. Wichtig war allen Referenten, dass Spiritualität im Beruf nichts Exotisches ist. Pater Thomas Väth verwies auf die plurale Gesellschaft und dass in der Pflege und Medizin nicht nur der Körper, sondern auch Seele und Geist bedient werden sollen. Seele und Heilung wiederum hätten viel mit Spiritualität zu tun.
Ausgehend von der Hospizarbeit sei es laut Professor Dr. Roser zu einem Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen, zu einer stärkeren Hinwendung zu Patienten und deren Angehörigen gekommen. Bedeutsamer Ansatz: Es gibt Leben und Lebensqualität auch dann, wenn die Dauer begrenzt, die Situation beeinträchtigt ist. Menschen werden durch Spiritual Care in ihren Bedürfnissen gesehen; Ressourcen werden gestärkt, Ängste reduziert und Trost vermittelt. Relativ wenig diskutiert ist bislang der Bedarf nach Dokumentation. Denn dadurch werden spirituelle Bedürfnisse auch sichtbar und die Spiritual Care-Arbeit transparenter.
Erfolge schnell sichtbar machen
Doch zurück zu den beiden Fragen. Professor Dr. Roser sieht in Spiritual Care keine weitere Aufgabe, sondern eine gedankliche Umorientierung. Auch ohne zusätzlichen Zeitaufwand sei Spiritual Care möglich. Man denke nur an Kommunikation, denn: „Gute Kommunikation dauert auch nicht länger als schlechte.“ Das muss auch den Führungskräften vermittelt werden, für die es zuvorderst eine Frage der Organisation der gemeinsamen Sorge um kranke, alte und hilfsbedürftige Menschen darstellt.
Nicht wenige Führungskräfte waren unter den gut hundert vor Ort sowie weiteren zahlreichen digital Teilnehmenden. Ihnen vermittelte Peter Schmieder, Professor für Human Skills Management an der TH Deggendorf, wie wichtig es ist, im Wandel hin zu mehr Spiritual Care aus vom Prozess Betroffenen Beteiligte zu machen. Er forderte dazu auf, die Kultur vorzuleben, Koalitionen mit Veränderungswilligen zu bilden und Erfolge schnell sichtbar zu machen: „Reden Sie darüber, feiern Sie Ergebnisse, das wirkt auf andere ansteckend!“
Leid und die Warum-Frage
Für ein Schmunzeln sorgte Dr. Margit Gratz auf die Frage: „Wie sage ich es meinem Chef?“ Denn ihr geht es vergleichsweise ausgezeichnet: „Wissen Sie, ich arbeite bei den Barmherzigen Brüdern. Da stellt sich diese Frage zum Glück nicht; ich weiß, das ist Luxus.“ Sie forderte das Plenum auf: „Werfen Sie ruhig ein Auge darauf, welche Persönlichkeit ein Unternehmen hat!“ Unternehmenskultur sei auch das, was Menschen spüren, wenn sie irgendwo zur Tür reingehen, und das wiederum werde nicht zuletzt durch den Führungsstil der Leitungspersonen geprägt. Bei den Barmherzigen Brüdern sei Spiritualität letztlich so ein zentraler Wert, dass er sogar in die Ordenswerte Eingang gefunden hat und somit nicht verhandelbar sei.
So war es für Moderatorin Birgit Fürst vom Bayerischen Rundfunk auch nicht verwunderlich, dass die Akademie der Barmherzigen Brüder zu diesem Fachtag Spiritual Care eingeladen hat, handelt es sich dabei doch um die einzige Akademie mit diesem Schwerpunkt in Bayern. Deren Einladung waren auch zahlreiche weitere hochqualifizierte Referenten gefolgt, die Spiritual Care in den Versorgungskontexten von Behindertenhilfe, Krankenhaus, Hospiz und Palliativstation sowie Altenhilfe und ambulanter Pflege einordneten. Es gab nicht zuletzt wertvolle Impulse zu Themen wie Sinn als existenzielle Dimension, Spirituelle Bedürfnisse und Ressourcen, Haltungen und Kompetenzen in Spiritual Care oder Leid und die „Warum“-Frage, die dabei helfen sollten, individuelle Antworten auf die zentrale Frage des Tages zu finden: „Ist Spiritual Care etwas Exotisches oder Essenzielles?“
Text: Marion Hausmann
(sig)
Weitere Infos
Unser Bild: Pater Thomas Väth und Dr. Margit Gratz (2. v. l.) von der Akademie der Barmherzigen Brüder eröffneten zusammen mit Moderatorin Birgit Fürst und Hauptreferent Professor Dr. Traugott Roser den Fachtag Spiritual Care im Regensburger Marinaforum.




