Josef Kohlhäufl mit Porträtbild und Dirigentenstab von Johann Georg Mettenleiter (1812-1858)

Chorleiter und Wissenschaftler mit einer besonderen Liebe zur Gregorianik

Prof. Josef Kohlhäufl wird 90


Regensburg, 25. März 2026

Am Montag, 23. März 2026, feierte der Kirchenmusiker Josef Kohlhäufl seinen 90. Geburtstag. Er war Chorleiter bei den Domspatzen, Diözesanmusikdirektor, Professor für Gregorianischen Choral sowie Stiftskapellmeister der Alten Kapelle und Dirigent der Weltenburger Musikgemeinschaft. All das vereint seine Überzeugung, „dass Kirchenmusik Gottesdienst ist und keine Zutat dazu“, ob nun in Liturgie oder Konzert, in CD-Aufnahmen oder musikwissenschaftlicher Arbeit.  

Geboren wurde Josef Kohlhäufl am 23. März 1936 in Oberwalting/Gemeinde Leiblfing bei Straubing. Er ist der dritte von sieben Brüdern, zu denen auch Fußballer-Legende Alfred Kohlhäufl gehört. Schon als Klosterschüler in Gars am Inn und Günzburg lernte der junge Chorsänger und Organist die kirchenmusikalische Praxis kennen, darunter das gesamte Repertoire des Gregorianischen Chorals.  

Ausbildung und Zeit bei den Domspatzen

Nach seinem Studium an der Kirchenmusikschule Regensburg und dem Erwerb eines römischen Gregorianik-Bakkalaureats wurde Kohlhäufl Ende der 50er Jahre von Domkapellmeister Theobald Schrems zu den Domspatzen verpflichtet: als Leiter eines Nachwuchschors und der Choralschola. Dabei vertrat er auch den erkrankten Schrems im Ersten Chor. Kohlhäufl nahm die Erfahrung mit, „dass die Liturgie wichtiger ist als das Konzert und dass für sie das musikalisch Anspruchsvollste gerade gut genug ist“. 

1964 wechselte er in den Staatsdienst und wurde Lehrer für Musik, Religion und Kurzschrift an der Albert-Schweitzer-Realschule, parallel dazu war er Chorleiter und Organist an der Dreifaltigkeitsbergkirche. Bereits 1959 hatte er seine Frau Gertraud geheiratet, aus der Ehe gingen drei sehr musikalische Kinder hervor: Martin, Ursula und Michael. 

Diözesanmusikdirektor und prägende Leitungsaufgaben

1976 wurde Kohlhäufl Diözesanmusikdirektor und gab auch hier sein Credo weiter, dass Kirchenmusik keine bloße „Umrahmung“ ist. In die Zeit dieses Amts fällt die Übernahme neuer Chorleiter-Aufgaben. Dabei sticht die Tätigkeit als Stiftskapellmeister an der Alten Kapelle (1984-2011) und als Leiter des Chors der Weltenburger Musikgemeinschaft (1982-2011) hervor. Ging es in Weltenburg vor allem um die benediktinische Musiktradition in Form von Orchestermessen (Mozart, Haydn, Schubert, aber auch Klosterkomponisten), war es an der Alten Kapelle die hier begründete „Regensburger Tradition“ mit a-cappella-Aufführungen Alter Meister, ihrer Nachfolger im 19. Jahrhundert sowie des Gregorianischen Chorals. Doch gehörten ebenfalls Orchestermessen dazu, denn, so Kohlhäufl: „Schaut euch die Alte Kapelle an: Diese Rokoko-Ausstattung schreit ja geradezu nach einem Mozart-Messerl!“    

Leidenschaft für den Gregorianischen Choral

Wollte man aus der Fülle solch reichen Schaffens eine Facette herausgreifen, wäre es sicher die Liebe zur Gregorianik in historisch orientierter Aufführungspraxis. Dafür steht Kohlhäufls Gründung der Choralschola ehemaliger Domspatzen (1977), die 1988 beim Chorwettbewerb in Arrezzo einen 1. Preis gewann, sein wissenschaftliches Aufbaustudium des Gregorianischen Chorals an der Folkwang-Hochschule (1984-1988), seine Professur für Gregorianik und Liturgik an der Universität in Wien (1990-2004), seine Mitarbeit an der Herausgabe des neuen Choralbuchs „Graduale Novum“ (ab 2011).  

Fragt man den heute 90-Jährigen nach dem bewegendsten Moment in seinem Leben als leidenschaftlicher Kirchenmusiker, dann nennt er neben der Leitung des Requiems für den 1963 verstorbenen Theobald Schrems die Weihe der Papst-Benedikt-Orgel in der Alten Kapelle 2006. Dass Benedikt XVI. selbst die Weihe des von Kohlhäufl initiierten Projekts vornahm, lässt diesen heute noch schwärmen: „Mehr kann ein Kirchenmusiker nicht erleben.“

 Text: Karl Birkenseer 

 (SSC)



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