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„Abend der Zeugen“ im Regensburger Dom

Roter Dom als Zeichen gegen Christenverfolgung

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Regensburg 12. November 2022

„Heute ist der Dom für uns ungewohnt in rotes Licht getaucht. Dies steht für nichts weniger als Blut“, begann Bischof Rudolf Voderholzer seinen Impuls am Samstagabend beim „Abend der Zeugen“ im Regensburger Dom.  Die Veranstaltung wurde vom katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ veranstaltet im Rahmen des „Red Wednesday“ aus Solidarität mit allen verfolgten und diskriminierten Christen weltweit. Unter anderem berichtete der irakische Priester Nashwan Cosa über seine Erfahrungen mit dem Terror des „Islamischen Staats“ und der politischen Krise in seinem Heimatland.

Trotz Schwierigkeiten auf Liebe Christi setzen

Gleich zu Beginn seines Impulses dankte Bischof Voderholzer allen Initiatoren von „Kirche in Not“, dass sie zu diesem Abend aufgerufen haben, damit wir uns „sinnenhaft auf das Blutzeugnis so vieler Christen erinnern“. Die Aktion hat für Bischof Rudolf einen dreifachen Sinn. „Erstens ein Aufmerksam-Machen, ein in Erinnerung-Rufen.“ Immer mehr Christen, aber auch Gläubige anderer Religionsgemeinschaften werden weltweit an der Ausübung ihres Glaubens gehindert. Sie werden Verfolgungen und Unterdrückungen ausgesetzt. „Mit dieser Erinnerung verbinden wir den Protest und die klare Aufforderung an die politischen Verantwortlichen, das Recht auf freie Religionsausübung, das Recht auf Glaubensfreiheit zu respektieren und umgehend alle Formen der Unterdrückung und Verfolgung von Menschen allein auf Grund ihres Glaubens zu beenden. “ Der zweite Sinn ist das Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit des Glaubens. Es ist eine Brücke des Gebetes, dass wir uns mit unseren verfolgten Schwestern und Brüdern vereinen. Gerade auch dort, wo unser Protest und politisches Bemühen vorerst erfolglos bleibt. Drittens ist es unabdingbar weiterhin auf die Kraft des Gebetes zu vertrauen, um in schweren Situationen durchzuhalten. „Wir müssen auf die Liebe Christi setzen, von der uns weder Hunger noch Kältegefahr oder Schmerz, weder Verfolgung noch andere Nöte trennen können. Weil Jesus schon alles für uns und mit uns getan hat, weil er uns liebt und uns sein Kreuz zeigt, an dem wir uns festhalten können.“ Christus hat am Kreuz für seine Verfolger gebetet. Auch der Heilige Stephanus, der erste Märtyrer tat dies Jesus gleich. Die Farbe Rot ist auch die Farbe des Feuers und des Heiligen Geistes. „Beten wir für alle, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden, dass nicht nur ihr Leid ein Ende findet, sondern dass sie auch innerlich frei werden und alle Unversöhntheit überwinden.“ So wird dem Unrecht der Vergangenheit nicht die Macht gegeben, auch die Zukunft zu bestimmen.

Der irakische Priester Nashwan Cosa berichtete über die Situation in seiner Heimat.

„Die Kirche im Irak ist eine Mutter für alle“

Der irakische Priester Nashwan Cosa, welcher bereits am Nachmittag Bischof Rudolf traf, um über die Situation in seiner Heimat zu berichten, schilderte seine Erfahrungen von Christenverfolgung und Unterdrückung. Seien es persische oder mongolische Herrscher oder die Osmanen; unter all den Machthabern mussten Christen im Raum des heutigen Iraks Unterdrückung erleiden. Das geht leider bis in die heutige Zeit so weiter. „Es stimmt, dass es heute keine physische Verfolgung gegen Irakische Christen gibt, doch dies ist nur eine Möglichkeit, um den Glauben an einem Ort zu töten.“ Die Verfassung folgt allein den Lehren des Islams, was zur Folge hat, dass jeder der nicht Muslime ist, seine Rechte als Bürger nicht bekommt. „Wir sind einfach Menschen zweiter Klasse.“ Mehrere Zehntausend Familien und besonders viele Mädchen flohen vor der Terrororganisation ISIS in die Kirchen vor Ort seit 2014. Durch Nahrung, Medizin und Kleidung versucht man ihnen weiterhin zu helfen. „Natürlich haben wir Seelsorge geleistet, aber sie brauchen zuerst körperliche Versorgung.“.  Eine gute Nachricht gibt es aber auch. Die Verantwortung der Kirche liegt heute nämlich darin, Frieden durch Bildung zu bringen. „Wir wollen nicht, dass unser Volk im Zustand der Opferschaft bleibt.“ Vier Schulen gibt es in seiner Diözese, in denen man unabhängig vom eigenen Glauben lernen kann. Zudem gibt es noch fünf Kirchen und ein neues Krankenhaus. Außerdem können in ihrem großen Katechesenhaus über 2.000 Kinder spielen und lernen. „Die Kirche im Irak ist eine Mutter für alle, nicht nur für Christen.“ Die Priester helfen vielen Leuten bei geistlichen Dingen, aber auch bei der Arbeitssuche und Problemen mit der Polizei. Die Leute kommen immer erstmal in die Kirche bei Schwierigkeiten. „Wir sind die Kirche für alle Not. Das macht mich unheimlich stolz.“

Ruhiger Ausklang im blutroten Dom

Domdekan Dr. Josef Ammer und „Kirche in Not“-Geschäftsführer Florian Ripka gaben auch kurze Denkanstöße und einen ersten Überblick über die weltweit prekäre Lage des Menschenrechts auf Religionsfreiheit und berichteten über aktuelle Bedrohungen für christliche Gemeinschaften auf allen Kontinenten, von Afrika bis Asien. Eindrucksvoll, intensiv und ergreifend musizierten unter der Leitung von Professor Gerwin Eisenhauer Studierende und Dozenten der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik aus dem Masterstudiengang „Neue Geistliche Musik“. An der Domorgel spielte Antonio Eggert. Der Abend endete mit Stille im blutroten Dom, wo jeder für sich für die verfolgten Brüder und Schwestern beten konnte.

Der "Abend der Zeugen" ist eine Aktion der katholischen Initiative "Kirche in Not". Geschäftsführer Florian Ripka erläuterte den Hintergrund.

Internationale Aktion: „Red Wednesday“

Der „Abend der Zeugen“ im Dom St. Peter ist Teil der internationalen Aktion „Red Wednesday“, mit der „Kirche in Not“ jedes Jahr im November ein Zeichen für Religionsfreiheit setzt. „Hunderte Millionen Christen leben rund um den Erdball in einem Umfeld, in dem sie gewaltsam verfolgt, diskriminiert oder an der freien Ausübung ihres Glaubens gehindert werden“, erklärte „Kirche in Not“-Geschäftsführer Florian Ripka den Hintergrund des „Red Wednesday“.

Seit 2015 werden rund um den „Red Wednesday“, dessen offizieller Termin in diesem Jahr auf den 23. November fällt, Kirchen und staatliche Gebäude rot angestrahlt, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Schicksal verfolgter und benachteiligter Christen zu lenken. Zu den Bauwerken, die in den vergangenen Jahren rot angestrahlt wurden, zählen unter anderem das Kolosseum und der Trevi-Brunnen in Rom, die Christusstatue in Rio de Janeiro, das österreichische Parlamentsgebäude sowie in Deutschland der Passauer, der Paderborner und der Frankfurter Dom.

Text und Fotos: Simon Doering/jas