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Zur Neuigkeit
37. Oberpfälzisch-Böhmische Fußwallfahrt führt von St. Quirin nach Maria Kulm
Zeichen der Völkerverbindung
Maria Kulm, 25. September 2026
Rund 80 Kilometer liegen zwischen St. Quirin und Maria Kulm. Wer sich auf diesen Weg macht, hat nicht nur den Rucksack auf den Schultern und am Ende müde Beine, sondern trägt auch Gebete und persönliche Anliegen mit sich. Bei strahlendem Herbstwetter erreichten die Teilnehmer der 37. Oberpfälzisch-Böhmischen Fußwallfahrt am Freitagnachmittag, 25. September, die Wallfahrtskirche Maria Kulm (Chlum Svaté Maří) in Westböhmen, wo sie gemeinsam mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Heilige Messe feierten.
Die Pilger eröffneten am Vortag an der Wallfahrtskirche St. Quirin bei Ilsenbach mit einer Andacht die traditionsreiche Wallfahrt. Dann setzte sich die Pilgerschar in Bewegung – betend und singend, über Grenzen hinweg. Nach der Mittagsrast in Nebanice stießen auf der letzten Etappe auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sowie Regionaldekan und Stadtpfarrer Markus Brunner aus Amberg zu der mehr als 100 Teilnehmer zählenden Gruppe. Der Ruhestandsgeistliche Andreas Hanauer aus Schirmitz feierte den Pontifikalgottesdienst ebenfalls mit. Am späten Nachmittag war das Ziel erreicht. Nach rund 80 Kilometern war die Freude groß. Erschöpfung und Müdigkeit waren den Pilgern anzusehen – doch noch größer war die Dankbarkeit, angekommen zu sein.
Angekommen am Gnadenort
Am Portal der Wallfahrtskirche wurde Bischof Rudolf Voderholzer von Pater Milan Kučera, dem Propst von Maria Kulm, empfangen. Für Bischof Voderholzer war es bereits die dritte Teilnahme an der Maria-Kulmer-Wallfahrt, wie er berichtete. Zu Beginn des Gottesdienstes erinnerte er auch an seine verstorbene Mutter, die aus dem Kreis Kladrau/Mies in Böhmen stammte. Deshalb fühle er sich gerade an diesem Ort besonders mit seinen böhmischen Vorfahren verbunden. Zwei Regime hätten versucht, die Wallfahrt zu unterdrücken – der Nationalsozialismus und später der Kommunismus. „Aber die Wallfahrt blieb bestehen“, betonte der Bischof. Dass sie heute wieder möglich sei, bezeichnete er als Zeugnis des Glaubens und zugleich als Zeichen der Völkerverbindung.
Wenn das Navi den Weg kennt, aber nicht das Ziel
In seiner Predigt schlug Bischof Dr. Rudolf Voderholzer einen Bogen von der jahrhundertealten Wallfahrt in die Gegenwart. Als die Wallfahrt vor 36 Jahren nach der Grenzöffnung wieder aufgenommen wurde, habe sich wohl kaum jemand vorstellen können, welche Bedeutung die digitale Kommunikation einmal erlangen würde. „Zu den Kennzeichen unserer Zeit, den Charakteristika der Gegenwart, gehört die Digitalisierung und damit einhergehend auch die Künstliche Intelligenz (KI).“ Smartphones, Navigationsgeräte, Satellitenbilder oder Übersetzungsprogramme erleichterten heute den Alltag und ermöglichten eine Orientierung in Raum und Zeit wie nie zuvor. Neben diesen positiven Entwicklungen gebe es jedoch auch Sorgen und Risiken. Vor allem könnten technische Möglichkeiten keine Antwort auf die entscheidenden Fragen des Lebens geben.
Gerade junge Menschen erlebten trotz aller technischen Möglichkeiten vielfach Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Zukunftsängste, die Berufswahl und die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigten viele. Auch die Folgen der Corona-Pandemie hätten bei zahlreichen jungen Menschen Krisen ausgelöst. Hinzu kämen gesellschaftliche und politische Polarisierungen. Ein Navigationsgerät könne den Weg nach Maria Kulm berechnen und ein Handy den eigenen Standort bestimmen – den richtigen Weg im Leben aber könne keine App vorgeben. Für ein erfülltes Leben, für Versöhnung, Frieden und ein gutes Miteinander brauche es eine andere Form der Orientierung.
Maria als „Stern des Meeres“
Eine solche Orientierung sieht Bischof Voderholzer im christlichen Glauben und insbesondere in Maria. Traditionell werde sie als „Stella Maris“, als „Stern des Meeres“, verehrt. Wie die Sterne einst den Seefahrern halfen, ihren Kurs zu bestimmen, könne Maria den Menschen Orientierung in den „Stürmen des Lebens“ geben. Nicht künstliche Intelligenz könne dem Menschen den Sinn des Lebens erschließen. Orientierung und Vertrauen schenkten vielmehr das Gebet und das Wort Gottes. Maria sei seit alters her mit dem Bild des Orientierungssterns verbunden, an dem Menschen auf ihrem Lebensweg ihren Kurs ausrichten könnten. Damit erhielt für den Bischof auch der lange Fußweg der Pilger eine tiefere Bedeutung. Wer rund 80 Kilometer zu Fuß zurücklegt, erfahre, dass Ankommen nicht allein eine Frage der Technik sei. Es brauche Ausdauer, Gemeinschaft und ein Ziel vor Augen.
Gemeinsamer Weg über Grenzen hinweg
Bischof Voderholzer nahm in seiner Predigt auch die an diesem Tag beginnende Apostolische Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich in den Blick. „Papst Leo in Paris und wir in Maria Kulm.“ An diesem Tag feierte der Papst eine Vesper in Notre-Dame in Paris. „Verbinden wir uns mit Papst Leo XIV.“, lud der Bischof die Pilger ein. Die Reise führte den Papst anschließend zum Marienwallfahrtsort Lourdes und weiter nach Metz. Bischof Voderholzer erinnerte in diesem Zusammenhang an die Bedeutung eines geeinten Europas und an die christlich geprägten Impulse der europäischen Einigung. Zugleich bat er um das Gebet für die Kirche in Frankreich sowie für die Reise des Papstes. Die Wallfahrt nach Maria Kulm sei selbst ein sichtbares Zeichen dafür, wie Grenzen überwunden werden können: Wo einst der „Eiserne Vorhang“ Menschen und Regionen voneinander trennte, führt heute wieder ein gemeinsamer Pilgerweg.
Nach der Lesung aus dem Buch Zefanja (3,14–17), die Margret Lukas-Fuchs vortrug, verkündete Regionaldekan Markus Brunner das Evangelium vom Besuch Mariens bei Elisabeth (Lk 1,39–56). Musikalisch gestaltet wurde der Pontifikalgottesdienst von einer Weidener Bläsergruppe. Die Kollekte des Tages war für die Erhaltung der Wallfahrtskirche bestimmt.
Text und Bilder: Elisabeth Dobmayer
(jas und SG)










