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Zur Neuigkeit
„Nie wieder Krieg!“ – Bistum Regensburg lädt zur Tagung
„Krieg und Frieden“
Informationsveranstaltung bringt Kirche, Wissenschaft, Politik, Bundeswehr, Journalismus und Regensburger Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch
Regensburg, 28. September 2026
„Nie wieder Krieg, nie wieder Krieg!“ Mit diesem eindringlichen Appell wandte sich Papst Paul VI. am 4. Oktober 1965 vor den Vereinten Nationen an die Welt. Mehr als sechs Jahrzehnte später haben die Fragen hinter diesen Worten nichts von ihrer Dringlichkeit verloren. Am 5. November 2026 widmet sich deshalb eine ganztägige Tagung im Diözesanzentrum Obermünster in Regensburg den großen Fragen von Krieg und Frieden, Krise, hybriden Bedrohungen und Verteidigungsfähigkeit.
Vertreter aus Kirche, Wissenschaft, Politik, Militär, Verwaltung, Journalismus und der Regensburger Zivilgesellschaft kommen an diesem Tag zusammen. Sie sprechen über eine Sicherheitslage, in der sich Frieden, Krise und offener Konflikt nicht mehr so eindeutig voneinander trennen lassen.
Von 9 bis 18 Uhr stehen im Diözesanzentrum Obermünster Fragen auf dem Programm, die längst nicht mehr nur Militärs und Sicherheitspolitiker beschäftigen. Was bedeutet Frieden in einer Zeit, in der Staaten mit Cyberangriffen, Sabotage, Desinformation und anderen Formen hybrider Einflussnahme operieren können, ohne damit bereits jene Schwelle zu überschreiten, die das Völkerrecht eindeutig als bewaffneten Angriff beschreibt? Wann wird aus einer Bedrohung eine Krise, wann aus einer Krise ein Konflikt? Und wie soll ein demokratischer Staat reagieren, wenn der Urheber eines Angriffs bewusst im Dunkeln bleibt?
Die Tagung ist ausdrücklich eine Informations- und Diskussionsveranstaltung des Bistums Regensburg. Organisiert wird sie nicht von der Bundeswehr. Angehörige der Bundeswehr nehmen neben Wissenschaftlern, Politikern sowie Vertretern staatlicher Institutionen, der Kirche, der Medien und der Zivilgesellschaft als Referenten und Gesprächspartner teil. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Sicherheitspolitik, der Friedensethik und des Völkerrechts. Wo die Einschätzungen auseinandergehen, soll das auch sichtbar werden.
Zwischen Friedensgebot und neuer Bedrohungslage
Wie aktuell diese Fragen sind, zeigte erst in diesen Tagen eine Warnung des früheren Spitzendiplomaten Wolfgang Ischinger. Der langjährige Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz sprach vom „bisher gefährlichsten Herbst“ seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Nach seiner Einschätzung könnten politische Unsicherheit in Deutschland und eine Schwäche Europas in Moskau als Gelegenheit verstanden und für militärische Drohungen und weitere „Nadelstiche“ genutzt werden. Die Folgen solcher Entwicklungen enden nicht an militärischen Fragen.
Die Regensburger Tagung greift diese Entwicklung auf. Hybride Strategien erschweren die klassische Unterscheidung zwischen Frieden, Krise und Krieg. Sie bewegen sich in rechtlichen und politischen Grauzonen, schaffen Unsicherheit und machen oft schon die Frage schwierig, wer für einen Angriff verantwortlich ist. Das betrifft längst nicht nur militärische Planungen. Auch das Vertrauen in staatliche Institutionen und der öffentliche Umgang mit Fragen von Sicherheit geraten dabei in den Blick.
Ein Panel zum Thema „Krise“ soll die militärische und rechtliche Betrachtung um politikwissenschaftliche Fragen nach gesellschaftlichen Eskalationsdynamiken von Macht und Gewalt erweitern. Mit Generalstabsärztin Dr. Almut Nolte und Konteradmiral a. D. Roland Obersteg werden unter anderem die Folgen hybrider Strategien für eine offene Gesellschaft, das Handeln unterhalb völkerrechtlicher Schwellen und die politische Wirkung einer bewusst erzeugten Unklarheit über Urheber und Absichten zur Sprache kommen.
Auch die völkerrechtlichen Herausforderungen hybrider Bedrohungslagen spielen eine zentrale Rolle. Zu klären ist, unter welchen Voraussetzungen militärische Reaktionen zulässig sind, wann ein Bündnisfall vorliegen kann und welche Konsequenzen hybride Kriegführung für das Völkerstrafrecht hat. Moderne Konflikte beginnen nicht zwangsläufig mit einem sichtbaren Angriff. Gerade deshalb geraten bestehende Rechtsbegriffe unter Druck. Politische, militärische und juristische Bewertungen können hier zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, obwohl sie sich auf dieselbe Bedrohungslage beziehen.
Zur Tagung werden unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Prof. Dr. Bernhard Koch, Generalstabsärztin Dr. Almut Nolte, Prof. Dr. Christoph Safferling, Regierungspräsident Walter Jonas, Staatssekretär a. D. Dr. Peter Tauber, Generalleutnant André Bodemann, Konteradmiral a. D. Roland Obersteg, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Prof. Dr. Jörg Baberowski und Prof. Dr. Dr. Dr. Ingolf Dalferth erwartet. Auch Bundesaußenminister Dr. Johann Wadephul, der gern persönlich teilgenommen hätte, ist eingebunden. Für das Auswärtige Amt ist nach derzeitigem Planungsstand ein Grußwort von Staatsminister Florian Hahn vorgesehen.
„Friede diesem Haus“ – die katholische Perspektive
Dass ein Bistum eine solche Tagung veranstaltet, bedeutet nicht, militärische Logiken zum Ausgangspunkt kirchlichen Denkens zu machen. Entscheidend ist die Frage, wie Frieden unter den Bedingungen einer veränderten Welt geschützt und bewahrt werden kann und wie er dort, wo er verloren gegangen ist, wiederzugewinnen wäre.
Die deutschen Bischöfe haben diese Spannung in ihrem 2024 veröffentlichten Friedenswort „Friede diesem Haus“ aufgenommen. Das Dokument steht in der Tradition von „Gerechtigkeit schafft Frieden“ aus dem Jahr 1983 und „Gerechter Friede“ aus dem Jahr 2000. Es versucht, die Friedensbotschaft des Evangeliums angesichts der heutigen weltpolitischen Lage prinzipienfest und zugleich wirklichkeitsgerecht zur Sprache zu bringen. Fragen nach christlicher Gewaltfreiheit, legitimer Selbstverteidigung und den Grenzen der Anwendung von Gewalt gehören ausdrücklich in die friedensethische Debatte der Kirche.
In diesem Spannungsfeld steht die Regensburger Tagung. Sie wirbt nicht für Krieg und blendet die sicherheitspolitischen Fragen der Gegenwart nicht aus. Wo es um Verteidigungsfähigkeit geht, gehören deshalb Völkerrecht, Diplomatie, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die moralischen Grenzen staatlicher Gewalt mit auf den Tisch.
Der Satz Pauls VI. bleibt Maßstab der Veranstaltung. Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen rief der Papst 1965: „Nie wieder Krieg, nie wieder Krieg!“ Frieden, so fügte er hinzu, müsse das Schicksal der Völker und der ganzen Menschheit bestimmen.
Festakt mit Generalinspekteur Carsten Breuer
Um 19 Uhr beginnen im Diözesanzentrum Obermünster Festakt und Medienempfang. Den Festvortrag hält der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer. Er wird über die gegenwärtige Bedrohungslage, die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und die Herausforderungen sprechen, Deutschland verteidigungsfähiger zu machen. Vorgesehen sind Themen wie Personal, Ausbildung, Organisation und Infrastruktur ebenso wie Material, Digitalisierung, die NATO-Ostflanke, die Litauenbrigade, das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und die nukleare Bedrohung.
Musikalisch umrahmt wird der Festakt durch das Kammerensemble des Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr. Gegen 20.30 Uhr ist ein gemeinsames Abendessen vorgesehen.
Mit der Tagung „Krieg und Frieden“ greift das Bistum Regensburg Fragen auf, die Staat, Kirche und Gesellschaft gleichermaßen betreffen. Geworben wird weder für eine Institution noch für eine bestimmte sicherheitspolitische Position. Die Veranstaltung soll informieren und Widersprüche nicht verdecken.
Über Frieden zu sprechen heißt deshalb auch, über Gefahren, Recht, staatliche Macht und Verantwortung zu sprechen. Genau darum geht es am 5. November in Regensburg.
Für die Veranstaltung haben sich bereits rund 120 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche und Kultur sowie aus dem diplomatischen Dienst und der Wissenschaft angemeldet.
Verantwortet und durchgeführt wird die Veranstaltung von Dr. Dr. Stefan Groß, Oberstleutnant Dr. Nora Bach-Sliwinski und Dr. Michael Kühnlein.
Anmeldeschluss ist Freitag, der 23. Oktober 2026. Anmeldung bitte über sekretariat.medien(at)bistum-regensburg.de




