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Zur Neuigkeit
WM 2026: Wo Nationen spielen und Überzeugungen sichtbar werden
Zeit für Fußball. Und für die Bibel.
19. Juni 2026, Autor: Jiří Škuba
Drei Länder, 48 Teilnehmer, fünf Milliarden Zuschauer vor Fernsehbildschirmen und in sozialen Netzwerken. Die beginnende Fußball-Weltmeisterschaft hat den Anspruch, das größte Sportereignis der Geschichte zu werden. Zugleich soll sie die größte globale Marketingplattform sein – ein außergewöhnliches Ereignis und ein einzigartiges Mittel, um die ganze Welt auf einmal zu erreichen.
Noch nie in der Geschichte haben so viele Mannschaften an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilgenommen. Noch nie wurde sie von drei Ländern gemeinsam ausgerichtet. In einer Zeit, in der praktisch alle Menschen Zugang zu digitalen Technologien haben, wird zudem ein Rekordinteresse der Zuschauer erwartet. Vergleichbar vielleicht nur mit den Olympischen Spielen in Paris vor zwei Jahren.
Gerade in Frankreich entbrannte schon viele Wochen vor Beginn der Spiele eine heftige Debatte über die (Un-)Möglichkeit religiöser Bekenntnisse. Sie ging so weit, dass auf dem offiziellen Plakat das christliche Kreuz von der Kuppel des berühmten Invalidendoms (Dôme des Invalides), ein historischer Militärkomplex im Zentrum von Paris, wegretuschiert wurde. Die Franzosen hielten strikt am mehr als hundert Jahre alten Prinzip der laïcité (strengen Säkularität) fest, das zu einer deutlichen Einschränkung religiöser Ausdrucksformen im olympischen Umfeld führte. Paradoxerweise lösten die Organisatoren selbst die größte Debatte aus, als sie während eines Abschnitts der Eröffnungsfeier mit dem Titel „Festmahl“ eine Szene zeigten, die entfernt an das Letzte Abendmahl Jesu Christi erinnerte (tatsächlich sollte sie auf das heidnische „Gastmahl der Götter“ des niederländischen Malers Jan van Bijlert anspielen – Anm. d. Red.).
Olympische Spiele: Keine Äußerungen zu religiösen Themen
Und siehe da: Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Kurz bevor die sechzehnjährige Brasilianerin Rayssa Leal die Bronzemedaille im Skateboard-Wettbewerb gewann, richtete sie mithilfe der Gebärdensprache eine Botschaft an die Welt. „Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“, gestikulierte sie in die Kamera. Die Sportlerin, die in Brasilien sehr populär ist und auf Instagram mehr als sieben Millionen Follower hatte, versuchte damit, die Regelung zu umgehen, nach der sich Teilnehmer der Olympischen Spiele nicht zu religiösen Themen äußern sollen.
Auch der serbische Tennisspieler Novak Djokovic machte während seines olympischen Tunierpiels gegen Rafael Nadal seine Haltung deutlich. Nach seinem ersten Auftritt in Paris zog er während eines Interviews nach dem Spiel eine Halskette mit Kreuz unter seinem Trikot hervor.
Der Weltfußballverband FIFA verfolgt bei der diesjährigen Weltmeisterschaft einen deutlich pragmatischeren Ansatz. Religiöse Äußerungen, die nicht die Grenze zum Aktivismus überschreiten, sollen nicht sanktioniert werden. Das entspricht dem Geist des größten Sportereignisses der Welt, das neben den Prinzipien des Fair Play auch auf der Feier von Vielfalt beruht – einer faszinierenden Begegnung von Kulturen, Ethnien und Religionen aus aller Welt.
Der liberalere Ansatz hängt auch mit der Region zusammen, in der das Fußballfest stattfindet. Der amerikanische Kontinent zählt in der Neuzeit zu den Zentren des westlichen Christentums. Und das gilt nicht nur für Lateinamerika: Auch im Norden sprechen Sportler weit häufiger über ihren Glauben als etwa in Europa.
Religion als Teil der Identität
Die britische Zeitung „The Guardian“ weist sogar darauf hin, wie sehr Religion Teil der Identität der US-Nationalmannschaft geworden ist. Sie erwähnt eine Szene aus einer Dokumentation über den Stürmer Christian Pulisic. Darin sitzt der Protagonist mit einem Teamkollegen am Esstisch.
„Wie spät ist es?“, fragt der Begleiter.
„Zeit für die Bibel“, antwortet der Stürmer des AC Milan und greift nach einem Buch.
Sein Nationalmannschaftskollege Weston McKennie hat auf Instagram sogar nur zwei Worte stehen: „Ehre sei Gott.“ Auf seinem Profilbild zeigt er mit beiden Zeigefingern direkt zum Himmel.
Auch der Trainer der US-Nationalmannschaft, Mauricio Pochettino, verbirgt seinen katholischen Glauben seit Jahren nicht. Als er 2009 seine erste Station als Cheftrainer beim RCD Espanyol antrat, pilgerte er zu Fuß zum Kloster Montserrat bei Barcelona, um für den Klassenerhalt des Vereins zu beten. Tatsächlich gelang dieser am Ende.
Begegnung unterschiedlicher Weltanschauungen
Doch es geht längst nicht nur um Amerikaner. Offen über ihren Glauben sprechen auch Stars wie Neymar, Gianluigi Donnarumma, Mohamed Salah oder Sadio Mané. In Übereinstimmung mit der Tradition nahm die kroatische Nationalmannschaft vergangene Woche an einer Messe in einer Kirche in dem kleinen Ort Ičići nahe Rijeka teil. Die Spieler um ihren legendären Kapitän Luka Modrić posierten anschließend mit den örtlichen Gemeindemitgliedern, die von der unerwarteten Begegnung begeistert waren.
Fußball wird oft als universelle Sprache der Menschheit bezeichnet. Auf seiner größten Bühne werden wir nun nicht nur unterschiedliche Trikots, Flaggen und Traditionen sehen, sondern auch unterschiedliche Weltanschauungen. Und für Milliarden von Menschen gehört dazu nach wie vor der Glaube.
Text: Jiří Škuba (Der Autor ist Leiter der Sportredaktion von Aktuálně.cz), aus Katolický týdeník, Foto: © Michael Stifter-stock.adobe.com
(jas)




